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Euroland zurück auf dem Wachstumspfad
17.02.15 10:01
Bank J. Safra Sarasin AG
Basel (www.anleihencheck.de) - Die Gefahren für den Zusammenhalt der Europäischen Währungsunion könnten im Moment kaum größer sein, so Alessandro Bee, Ökonom der Bank J. Safra Sarasin AG.
Ein Austritt Griechenlands sei inzwischen zu einer realistischen Option geworden - überraschen würde der so genannte Grexit wohl keinen mehr. In diesem Umfeld erwarte niemand gute Neuigkeiten von der konjunkturellen oder politischen Front. Genau das sei aber in der letzten Woche der Fall gewesen. Der Waffenstillstand in der Ukraine sei eine solche erfreuliche Neuigkeit gewesen. Natürlich müsse zuerst abgewartet werden, ob dieser Verhandlungserfolg tatsächlich der erste Schritt zu einer Beilegung des Konflikts sei. Aber alleine die Tatsache, dass die involvierten Parteien zurück am Verhandlungstisch seien, lasse hoffen, dass die sicherheitspolitische Lage in Europa sich wenigstens nicht weiter verschlechtere.
Auch Eurolands Wirtschaftsdaten hätten letzte Woche positiv überrascht. Die Währungsunion sei Ende des letzten Jahres mit 0.3% im Quartalsvergleich gewachsen. Das Wachstum sei insbesondere in Deutschland und Spanien stark. Die Wirtschaftsaktivität in Deutschland übertraf mit 0,7% die Erwartungen der Analysten um das Doppelte und die Wirtschaft unseres nördlichen Nachbars konnte gegenüber dem dritten Quartal eine starke Beschleunigung verzeichnen, so die Analysten der Bank J. Safra Sarasin AG. Die Niederlande und Portugal seien ebenfalls auf einem robusten Wachstumskurs. Einziger Wermutstropfen habe das schwache Abschneiden der französischen und italienischen Wirtschaft gebildet, welche Ende 2014 kaum vom Fleck gekommen seien. Griechenland habe gar einen Rückgang des BIP hinnehmen müssen, was angesichts der politischen Wirren kaum verwundere.
Vor dem Hintergrund von tiefen Ölpreisen, Nullzinsen und einem schwachen Euro sollte die positive Dynamik in der Währungsunion in den nächsten Monaten anhalten. Ein erstes Indiz hierfür würden die Analysten vom Euroland-Einkaufsmanagerindex erwarten, der am Freitag veröffentlicht werde und der eine deutliche Belebung der Konjunktur signalisieren dürfte. Trotz der verheißungsvollen Konjunkturdaten stehe aber die Situation in Griechenland im Zentrum des Anlegerinteresses. Eine schnelle und nachhaltige Lösung sei kaum zu erwarten, zu weit würden die Vorstellung der neuen griechischen Regierung und der EU auseinander liegen. Möglich würden Überbrückungsmaßnahmen bleiben, womit das Problem aber nicht gelöst, sondern lediglich aufgeschoben werde. Damit bleibe das griechische Finanzsystem auf Gedeih und Verderben auf die Notkredite der Europäischen Zentralbank (EZB) angewiesen.
Ob die EZB weiterhin bereit sei, die Griechen mit Liquidität zu unterstützen, entscheide sie am Mittwoch. Auch wenn es unwahrscheinlich scheine, dass die EZB den griechischen Banken den Geldhahn zudrehe, dürfte die Kapitalflucht weitergehen. Somit bleibe der Ausblick für die Währungsunion trotz der positiven Überraschungen der letzten Tage weiterhin ungewiss. (17.02.2015/alc/a/a)
Ein Austritt Griechenlands sei inzwischen zu einer realistischen Option geworden - überraschen würde der so genannte Grexit wohl keinen mehr. In diesem Umfeld erwarte niemand gute Neuigkeiten von der konjunkturellen oder politischen Front. Genau das sei aber in der letzten Woche der Fall gewesen. Der Waffenstillstand in der Ukraine sei eine solche erfreuliche Neuigkeit gewesen. Natürlich müsse zuerst abgewartet werden, ob dieser Verhandlungserfolg tatsächlich der erste Schritt zu einer Beilegung des Konflikts sei. Aber alleine die Tatsache, dass die involvierten Parteien zurück am Verhandlungstisch seien, lasse hoffen, dass die sicherheitspolitische Lage in Europa sich wenigstens nicht weiter verschlechtere.
Vor dem Hintergrund von tiefen Ölpreisen, Nullzinsen und einem schwachen Euro sollte die positive Dynamik in der Währungsunion in den nächsten Monaten anhalten. Ein erstes Indiz hierfür würden die Analysten vom Euroland-Einkaufsmanagerindex erwarten, der am Freitag veröffentlicht werde und der eine deutliche Belebung der Konjunktur signalisieren dürfte. Trotz der verheißungsvollen Konjunkturdaten stehe aber die Situation in Griechenland im Zentrum des Anlegerinteresses. Eine schnelle und nachhaltige Lösung sei kaum zu erwarten, zu weit würden die Vorstellung der neuen griechischen Regierung und der EU auseinander liegen. Möglich würden Überbrückungsmaßnahmen bleiben, womit das Problem aber nicht gelöst, sondern lediglich aufgeschoben werde. Damit bleibe das griechische Finanzsystem auf Gedeih und Verderben auf die Notkredite der Europäischen Zentralbank (EZB) angewiesen.
Ob die EZB weiterhin bereit sei, die Griechen mit Liquidität zu unterstützen, entscheide sie am Mittwoch. Auch wenn es unwahrscheinlich scheine, dass die EZB den griechischen Banken den Geldhahn zudrehe, dürfte die Kapitalflucht weitergehen. Somit bleibe der Ausblick für die Währungsunion trotz der positiven Überraschungen der letzten Tage weiterhin ungewiss. (17.02.2015/alc/a/a)


