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Euro-Staatsanleihen auch im Januar negativ


02.02.17 12:54
Pioneer Investments Austria

Wien (www.anleihencheck.de) - Seit der Finanzkrise sind die Notenbanken die wesentlichen Treiber der Finanzmärkte, so die Experten von Pioneer Investments Austria.

Ihre unkonventionelle und extrem lockere Geldpolitik habe die Märkte - sehr häufig im Gleichklang - nach oben getrieben. "In letzter Zeit gehen die Notenbanken jedoch unterschiedliche Wege, was zu einem starken Rückgang dieser Korrelationen geführt hat", erkläre Hans Köck, Investmentstratege von Pioneer Investments Austria.

Das heiße konkret, dass sich die Entwicklungen der Märkte wieder wesentlich stärker voneinander unterscheiden würden als in den vergangenen Jahren. So sei zum Beispiel die Korrelation zwischen 10-jährigen US Treasuries und deutschen Bundesanleihen innerhalb weniger Monate von 0,9 auf 0,5 gefallen. (Anmerkung: 1,0 bedeutetvöllige Korrelation, 0,0 bedeute überhaupt keine Korrelation und -1,0 bedeute exakt gegenläufige Entwicklung.)

"Für aktive Fondsmanager bedeutet dieser Rückgang der Korrelationen eine zusätzliche Chance, mit ihren Fonds Outperformance zu erzielen", betone Köck.

An den globalen Aktienmärkten hätten sich seit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten Value-Aktien deutlich besser entwickelt als Growth-Aktien. Value-Aktien - also Papiere, die in Relation zu ihrem inneren Wert besonders günstige Bewertungen aufweisen würden - seien häufig Finanzwerte, Energiewerte, Basisindustrietitel oder Industrietitel und somit Sektoren, die von einer Erholung der Wirtschaft und der Preise besonders profitieren würden.

Spätestens seit der US-Wahl hätten viele Investoren ihr Szenario von niedrigem Wachstum und niedriger Inflation revidiert und würden vermehrt auf das Thema Reflation setzen. Zusätzlich zur weiterhin lockeren Geldpolitik der Notenbanken sollten fiskalpolitische Maßnahmen (in den USA unter dem Stichwort "Trumponomics" = Steuersenkungen, Infrastrukturinvestionen und weniger Regulierung) das Wirtschaftswachstum unterstützen. "Davon profitieren seit dem 4. Quartal 2016 vor allem die zuvor genannten Sektoren Finanz, Energie, Basisindustrie, Industrie sowie zyklischer Konsum", erkläre Köck.

Aktien der Emerging Markets seien im Januar deutlich im Plus gewesen - zunehmende Wirtschaftsdynamik und günstige Bewertung gegenüber den Industriestaaten hätten für Zuflüsse in dieser Asset-Klasse gesorgt. Die Unsicherheit über die zukünftige Handelspolitik der Trump-Administration bleibe als Risikofaktor bestehen.

Euro-Staatsanleihen hätten ihre im vierten Quartal 2016 begonnene Kurskorrektur - aufgrund leicht steigender Renditen - auch im Januar fortgesetzt. Gut entwickelt hätten sich im Januar mit einem Kursplus von durchschnittlich 0,7% Euro High Yield-Anleihen. Als Gründe dafür nenne Köck das gute fundamentale Umfeld mit niedrigen Konkursen und die positive Entwicklung der Aktienkurse. US-Staatsanleihen seien im Jänner leicht gestiegen (+0,2%), seien allerdings durch den Dollar-Rückgang auf Eurobasis negativ (-2,2%) gewesen.

Die Stimmungsindikatoren für die wirtschaftliche Entwicklung seien sowohl in der Eurozone als auch in den USA klar im positiven Bereich. Für 2017 werde ein Wachstum der US-Wirtschaft von 2,3% erwartet, in der Eurozone rechne man mit +1,5%.

"Es bleibt abzuwarten, ob sich das Reflationsszenario mit höherem Wachstum und steigenden Unternehmensgewinnen durchsetzt und ob es der Politik gelingt, mit den richtigen Schritten wachstumsfördernd zu agieren. Davon wird das Schicksal der Märkte 2017 abhängen", fasse Köck die Situation auf den Märkten zusammen.

Keinesfalls dürften die steigenden geopolitischen Unsicherheitsfaktoren außer Acht gelassen werden. Dazu würden zum Beispiel der Konflikt von Trump mit Mexiko, die Brexit-Verhandlungen, die Wahlen in Frankreich, Deutschland und den Niederlanden, mögliche Neuwahlen in Italien 2017 oder Konflikte im Nahen Osten gehören. All diese potenziellen Krisenherde könnten jederzeit zu einem deutlichen Anstieg der Volatilität führen. Alternative Szenarien, Absicherungsstrategien und aktives Management könnten gerade in diesem Umfeld besonders wichtig sein. (02.02.2017/alc/a/a)