Euro-Bund-Future: Hält die 140% oder ist die Trendwende vollbracht?


16.08.12 14:20
Baader Bank

Unterschleissheim (www.anleihencheck.de) - Leider sind auch gute Ideen derzeit in Europa nicht konsensfähig, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank.

Finnlands Finanzministerin Jutta Urpilainen habe für die Krisenländer Pfandbriefe nach internationalem Recht vorgeschlagen, um die Kreditwürdigkeit und Attraktivität derer Anleihen erheblich zu steigern. Diese neuen Staatsanleihen der Problemländer sollten mit Vermögenswerten wie Immobilien oder Anteilen an staatlichen Unternehmen sowie künftigen Steuereinnahmen besichert werden. Die Finnen hätten in den neunziger Jahren gute Erfahrungen mit dieser Art von Anleihen gemacht. Querdenken sei erlaubt, denn mit den alten Mustern komme man nicht mehr weiter.

Die Resonanz auf diesen Vorschlag aus Skandinavien sei aber dennoch gleich Null gewesen. Verwundert sollte man deshalb aber nicht sein, denn wieso sollte eines der südeuropäischen Länder Staatseigentum verpfänden, wenn es risikoärmere Wege gebe, an Hilfsgelder zu kommen. Griechenland sei ein Beispiel dafür, wie man auch ohne Erfüllung der Bedingungen der Geldgeber immer wieder an Geld komme und zusätzlich sogar weiterhin die Goldreserven sein Eigen nennen dürfe.

Die Anleihenkäufe durch die Europäische Zentralbank (EZB), die angedachte Ausstattung des Rettungsfonds ESM mit einer Banklizenz und die Rettungspakete für die notleidenden Länder seien mit einer Symptombehandlung in der Medizin vergleichbar. Die Therapie sei die eigentliche Ursache für die Beschwerden des erkrankten Euro. Die Unterschiede in den Kosten und der Konkurrenzfähigkeit der einzelnen Euroländer hätten die Regierenden überhaupt noch nicht in Angriff genommen. Halbherzige Reformen könnten diese Unterschiede nicht nivellieren.

Nach den ursprünglichen Vorschlägen zur Einführung eines Nord- und eines Süd-Euros werde inzwischen die Einführung einer Guldenmark in wettbewerbsfähigen Ländern wie den Niederlanden, Luxemburg und Deutschland parallel zum Euro vorgeschlagen. Die jetzige Europäische Gemeinschaftswährung solle dann zu dieser stabilen Währung abgewertet werden können. Das würde helfen, zwischen Nord und Süd die Wettbewerbsunterschiede auszugleichen. Obwohl das Konzept ein sinnvoller Ansatz wäre, würden Frankreich, Italien und Spanien keine Separation Deutschlands zulassen, die zu einer weiteren Erstarkung des Landes führe. Stattdessen sei die Sozialisierung der Schulden die Devise der Stunde. Gemäß dem Motto: "Die Schulden sind für alle da".

Das Bundesverfassungsgericht (BverfG) in Karlsruhe werde immer mehr zum Zünglein an der Waage. Die Augen der Öffentlichkeit seien auf den 12. September gerichtet, an dem Andreas Voßkuhle, der Präsident des BVerfG über das Eilverfahren und damit über die Zulassung der Klagen gegen den Rettungsschirm ESM und den Fiskalpakt entscheide. Beide seien wichtige Eckpfeiler der Euro-Rettungsversuche und gegen beide Vertragstexte würden bereits mehrere Klagen laufen.

Eine neue Verfassungsbeschwerde einer Gruppe von Klägern um den Berliner Finanzwissenschaftler Markus Kerber wolle nun erreichen, dass das BVerfG vor seinem Urteil eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) abwarte. Denn unter anderem liege dem EuGH bereits eine Klage des irischen Parlamentsabgeordneten Thomas vor, dass der ESM nicht mit dem EU-Recht vereinbar sei. Das BVerfG wolle aber dennoch am ursprünglichen Termin, dem 12. September, festhalten. Somit könnte es noch zu einem heißen September kommen! Denn am 11. September wolle die EU-Kommission ihre Vorschläge zur Bankenunion unterbreiten, am 13. September werde die FED über ihre Zinspolitik entscheiden und dazwischen, am 12. September, werde sich Karlsruhe zu Wort melden. Für Spannung und volatile Märkte sei also gesorgt!

Euro-Krise hin oder her. Deutschland könne sich wider Erwarten der Talfahrt der Eurozone entziehen. Das zeige die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im zweiten Quartal dieses Jahres. Das deutsche BIP habe um 0,3% zugelegt, statt 0,1%, wie von den Ökonomen erwartet. Während die Geschäfte mit den Krisenstaaten wie Griechenland und Spanien eingebrochen seien, habe die Nachfrage -als Folge der Euroschwäche- in Asien und den USA für positive Impulse gesorgt. Da asiatische Länder wie China deutliche Rückgänge im Export mit der Eurozone verzeichnen würden, würden Notenbanken wie die im Reich der Mitte die geldpolitischen Zügel lockern oder ihre Währung abwerten.

Von dieser Stimulierung der Wirtschaft profitiere am Ende dann wieder Deutschland. Nun aber davon auszugehen, dass Deutschland immer nur der Nutznießer der Krise in Euroland sei, sei falsch. Der finanzielle Vorteil wäre mit einem Schlag vernichtet, wenn Deutschland seinen Garantieverpflichtungen nachkommen müsste. Dies werde bei der Berichterstattung über die nörgelnden Deutschen immer wieder vernachlässigt und es bestätige sich somit die alt bewährte These: "Neid muss man sich hart erarbeiten, Mitleid wird einem geschenkt".

Obwohl Belgien schon seit vielen Monaten mit hohen Schulden kämpfen müsse, könne es jetzt noch dicker kommen. Neuerliche Garantien für die Dexia-Bank könnten Belgiens Regierung überfordern und den Staatshaushalt sprengen.

Dennoch würden sich viele Privatanleger in dieser Phase zu antizyklischem Verhalten durchzuringen scheinen. Das Vertrauen in die Leidensfähigkeit Belgiens sei anscheinend ungebrochen. Nur so sei es erklärlich, dass Anleger beherzt bei ausgewählten, gedeckten Dexia-Anleihen zugreifen würden. Eine erhöhte Nachfrage sei u.a. in der am 18.05.2016 fälligen Anleihe (ISIN FR0011049782 / WKN A1GRF1) mit einem Kupon von 3,75% zu registrieren. Diese Anleihe rentiere aktuell bei ca. 2,08%. Eine weitere Anleihe (ISIN FR0010945956 / WKN A1A1JG) sei am 25.01.2016 fällig und rentiere als 2,75%-iges Papier bei ca. 1,94%. Diese Rendite sei aber auch bei einer auf Euro lautenden Anleihe (ISIN DE000A0AU933 / WKN A0AU93) der Türkei zu erzielen, die am 20.02.2014 endfällig sei.

Es sei also weiterhin klar erkenntlich, dass Investoren eine bewusste Abwägung zwischen Risiken und den damit verbundenen Renditen vornehmen würden.

Dem Primärmarkt für Euro-Corporates sei in der gerade abgelaufenen Handelswoche zum zweiten Mal in Folge die sommerliche Ruhe anzumerken gewesen. Bei der Doppel-A-Adresse Procter & Gamble zeige sich jedoch, dass der Kapitalanlagebedarf nach wie vor sehr hoch sei und Opportunitäten seitens der Investoren gern genutzt würden. Insgesamt seien für das im August 2022 endfällige Wertpapier Zeichnungsorders im Volumen von mehr als 6 Mrd. EUR abgegeben worden. Emittiert worden sei lediglich 1 Mrd. EUR mit einem Kupon von 2%.

Die Leadmanager seien Deutsche Bank, HSBC und Morgan Stanley gewesen. Gepreist worden sei die Anleihe bei 25 BP über Midswaps, nachdem die erste Spread-Indikation noch im Bereich von 35 BP über Midswaps gelegen habe. In den ersten Handelsstunden habe sich die Anleihe zudem um weitere 10 BP verteuert, was den derzeitigen Kapitalanlagebedarf im A-Bereich für Unternehmensanleihen widerspiegle.

Lange hätten die "Bären" darauf warten müssen, aber nun endlich habe sich der Euro-Bund-Future angeschickt, eine Korrekturphase zu starten. Dies sei nicht besonders positiven Meldungen aus den krisengeschüttelten Eurostaaten zu verdanken. Nein, viele Investoren seien nicht mehr bereit, sich für ihre Risiken mit solch geringen Renditen abspeisen zu lassen und würden nach Alternativen suchen. Versicherungen würden es vormachen, Gewinne mitnehmen und sich verstärkt im Energiesektor engagieren. Dadurch komme das Rentenbarometer automatisch unter Druck. So sei es auch in den vergangenen Handelstagen geschehen.

Die Blicke der Handelsteilnehmer würden sich somit immer mehr auf die aktuell bei ca. 140,10% verlaufende 200-Tage-Linie richten. Zusammen mit der psychologisch wichtigen Marke von 140% und dem Tief vom Juni bei 139,72% sei dieser Bereich für die weitere Entwicklung des Euro-Bund-Future von immenser Bedeutung. Eine zwischenzeitliche Stabilisierung könne den Kontrakt allerdings auch wieder bis auf 142,64% ansteigen lassen.

Auch in dieser Woche habe sich die Europäische Zentralbank in punkto Ankauf von Staatsanleihen krisengeschüttelter Euroländer in Zurückhaltung geübt. Somit seien bereits seit 22 Wochen keine Aktivitäten mehr vermeldet worden. Wann also im Rahmen dieser umstrittenen Maßnahme wieder Stützungskäufe vorgenommen würden, bleibe abzuwarten. Bisher versuche Mario Draghi mittels nebulöser Ankündigungen immer wieder die Fantasie der Marktteilnehmer zu beflügeln und zugleich sich und seinen Vasallen Zeit zu erkaufen.

In den vergangenen Handelstagen sei gespannt auf die Refinanzierung Griechenlands mittels Geldmarktpapieren gewartet worden. Am Dienstag sei es dann endlich soweit gewesen und Athen habe insgesamt 4 Mrd. EUR für die Dauer von drei Monaten refinanzieren können. Die Konditionen seien gegenüber der vorherigen Auktion etwas gestiegen (4,43% gegenüber 4,28%).

In den letzten Tagen sei der Euro gegenüber dem US-Dollar auf der Stelle getreten und habe seinen Aufwärtstrend nicht weiter fortsetzen können. Die europäische Gemeinschaftswährung pendle somit um die Marke von 1,23 und die Marktteilnehmer würden auf neue Erkenntnisse bezüglich irgendwelcher Maßnahmen zur Krisenbewältigung warten.

Eine positive Entwicklung (von 2,1833 auf 2,2273) habe der Euro aber gegenüber der Türkischen Lira vermelden können. Dies sei allerdings den eigenen Problemen des Landes geschuldet, das mit einer Inflationsrate von ca. 9% kämpfe und das Platzen einer Immobilienblase verhindern müsse. Allein der Anstieg der Wohnungspreise habe im Juli ca. 11,5% betragen. Allerdings habe die Türkei weiterhin den Vorteil nicht im starren EU-Korsett zu stecken. Dadurch könne man noch selbst gegensteuern.

Durch die unterschiedlichsten Meldungen gebe es für Investoren immer wieder Gelegenheiten sich bei Fremdwährungsanleihen zu engagieren. In dieser Handelswoche sei davon z. B. reger Gebrauch gemacht bei Anleihen in Norwegischen Kronen, nach einer Korrektur von 7,2435 bis auf 7,3375. Aber auch bei Anleihen lautend auf Renminbi sowie auf Australische und Neuseeländische Dollar habe ein gesteigertes Anlegerinteresse festgestellt werden können.

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Der Vorsitzende des Aufsichtsrats ist Dr. Horst Schiessl. Die Mitglieder des Vorstands sind Uto Baader (Vorsitzender), Nico Baader, Dieter Brichmann und Dieter Silmen. (16.08.2012/alc/a/a)






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