In Erwartung einer US-Leitzinsanhebung: Zinsen steigen kräftig - Anleihekurse fallen


21.11.16 09:15
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - In Erwartung einer US-Leitzinsanhebung im Dezember und höherer Staatsausgaben unter dem neuen Präsidenten Trump sind Zinsen kräftig gestiegen und Anleihekurse gefallen, so die Deutsche Börse AG.

So sei die Rendite zehnjähriger US-Treasuries von 1,78 Prozent vor der Wahl auf aktuell 2,32 Prozent geklettert. Die Nachrichtenagentur Bloomberg spreche vom größten Zweiwochenverlust seit 26 Jahren für Anleihen weltweit, gemessen am Barclays Global Aggregate-Index.

"Obwohl Donald Trump noch nicht in Amt und Würden ist, konnte er zumindest bei den zu erzielenden Renditen am Bondmarkt seinen Wahlslogan "Make America great again" bereits umsetzen", kommentiere Klaus Stopp von der Baader Bank.

Am letzten Donnerstag habe US-Notenbankchefin Janet Yellen abermals starke Signale für eine baldige Zinsanhebung ausgesendet. "Der Zinsschritt im Dezember ist jetzt ausgemacht", bemerke Arthur Brunner von der ICF Bank. Dem könnten sich die Rentenmärkte der übrigen Welt nicht entziehen. "Das gilt auch für die Eurozone. EZB-Direktor Yves Mersch hat letzte Woche zudem angemerkt, dass der Zeitpunkt näher rücke, an dem über eine Änderung der EZB-Strategie gesprochen werden könne."

"Die Zeit ewig niedriger Zinsen ist jetzt vorbei", meine auch Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank. Der Euro-Bund-Future habe sich in letzter Woche nach dem deutlichen Rücksetzer zwar etwas stabilisiert, am Freitagmittag habe der Indikator für die langfristigen Zinserwartungen bei 160,52 Punkten gelegen, vor einer Woche seien es etwas weniger als 160 Prozent gewesen. Der Trend sei aber klar: Im September habe der Euro-Bund-Future noch bei über 168 Punkten gelegen. Zehnjährige Bundesanleihen würden mittlerweile wieder 0,31 Prozent abwerfen - ein rasanter Anstieg gegenüber dem Juli, als es minus 0,193 Prozent gewesen seien.

Auch die Zinsen in Europas Peripherie hätten deutlich angezogen: So würden sich die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen Spaniens mittlerweile auf 1,65 Prozent belaufen nach 0,88 im September, für Italien seien es 2,15 Prozent nach 1,04 im August. Im Fall Italiens komme die Angst vor dem Referendum am 4. Dezember dazu. "Die Stimmung ist gekippt", erkläre Brunner. Bei der Abstimmung gehe es darum, die politischen Prozesse zu verschlanken, so solle der Senat deutlich verkleinert und dessen Befugnisse beschnitten werden. Mittlerweile sieht es nach einem "Nein" der Italiener zu den Reformen aus. Käme es so, würde Ministerpräsident Matteo Renzi wohl zurücktreten.

Im Bereich der Unternehmensanleihen seien Daniel zufolge vor allem extreme Langläufer abgegeben worden, etwa Papiere von Bayer mit Laufzeit bis 2075 und der Darmstädter Merck KGaA mit Laufzeit bis 2074. Von einer allgemeinen Verkaufswelle bei Unternehmensanleihen wolle er nicht sprechen. "Das ist eher ein Käuferstreik."

Ein großes "Hin und Her" habe es Brunner zufolge in Volkswagen-Hybridanleihen gegeben, die Anfang der letzten Woche noch weiter verloren hätten, dann aber wieder hätten zulegen können. Am 18.11. hätten die Papiere wieder über 100 Prozent notiert. Auslöser für die Erholung sei die Meldung gewesen, dass sich Volkswagen mit den US-Behörden über die Entschädigung für Halter der Oberklassewagen der Marken Volkswagen, AUDI und Porsche geeinigt habe.

Mittelstandsanleihen hätten sich vergangene Woche etwas schwächer gezeigt, wie Brunner melde. "Offenbar bauen Fonds zum Jahresende ihre Positionen ab, bei den guten Bonitäten, etwa Karlsberg, werden Gewinne mitgenommen."

Viel um gehe derzeit auch in US-Dollar-Anleihen, wie Daniel feststelle. "Da wird aber in beide Richtungen gehandelt." Der Euro habe gegenüber dem US-Dollar zuletzt stark verloren, am letzten Freitag sei die Gemeinschaftswährung erstmals seit Dezember 2015 unter die Marke von 1,06 US-Dollar gefallen. Der US-Dollar-Index, der die US-Währung ins Verhältnis zu wichtigen Devisen setze, liege auf dem höchsten Stand seit 2003.

Für an kleinen Stückelungen interessierte Privatanleger habe es in der vergangenen Woche keine attraktiven Neuemissionen gegeben. "Viele US-Unternehmen nehmen Geld in der Eurozone auf und nutzen das "Geschenk" von EZB-Chef Draghi: Die niedrigen Zinsen", erkläre Brunner. Die Emissionen würden sich aber an institutionelle Anleger richten. (Ausgabe vom 18.11.2016) (21.11.2016/alc/a/a)





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