Erweiterte Funktionen
Erneut zu viele Zinssenkungen in den USA eingepreist
07.10.24 09:45
ETHENEA
Munsbach (www.anleihencheck.de) - Die Weltwirtschaft verlangsamt sich weiter gegenüber dem moderaten Tempo der ersten Jahreshälfte, so die Experten von ETHENEA.
Der Dienstleistungssektor bleibe die treibende Kraft, während das verarbeitende Gewerbe durch die schwache Nachfrage nach Gütern sowie geo- und handelspolitische Spannungen beeinträchtigt werde. Eine sanfte Landung der Weltwirtschaft sei nach wie vor das wahrscheinlichste Szenario. Auch wenn die Unsicherheit groß sei, werde die Angst vor einer Rezession überbewertet. Die Inflationsrisiken nähmen mit der Verlangsamung der Wirtschaftstätigkeit ab. Die nachlassende Nachfrage dürfte dazu beitragen, dass auch die bis dato hartnäckige Inflation im Dienstleistungssektor sinke. Abgesehen von der japanischen Notenbank hätten jetzt alle großen Zentralbanken mit der geldpolitischen Lockerung begonnen, die sich auch 2025 fortsetzen werde. Sofern es nicht zu einer unerwarteten Rezession komme, würden diese weiteren Schritte vorsichtig und graduell vollzogen werden.
Regional gebe es enorme Unterschiede: Die US-Wirtschaft verlangsamt sich zwar, sei aber weiter auf dem Pfad hin zu einer sanften Landung. Die Erholung in der Eurozone stottere, und Chinas Wirtschaft verlangsamt sich aufgrund des Immobiliensektors, höherer Arbeitslosigkeit und schwacher Binnennachfrage. Das diesen Monat verkündete Stimuluspaket in China sei hauptsächlich geldpolitischer Natur. Auch wenn die Börsen sehr positiv darauf reagiert hätten, bezweifle man die realwirtschaftliche Wirksamkeit, solange es nicht zusätzliche Fiskalmaßnahmen gebe. Insgesamt sei davon auszugehen, dass sich die Weltwirtschaft auf einem moderaten Wachstumskurs befinde, der jedoch von politischer Ungewissheit, geopolitischen Krisen, Protektionismus und hohen Haushaltsdefiziten ernsthaft herausgefordert werde.
Die jüngsten US-Daten bestätigten, dass sich die Wirtschaft nun verlangsamt habe. Das verarbeitende Gewerbe schrumpfe, Produktion und Auftragseingänge gingen zurück, und die Zahl der Beschäftigten stagniere. Demgegenüber stehe der Dienstleistungssektor, der im August weiterhin in gutem Tempo expandiert habe und solide Auftragseingänge verzeichnete. Dennoch liege die jüngste Schätzung des BIP für das dritte Quartal bei 2,5% auf Jahresbasis. Anzeichen für ein Abdriften der US-Wirtschaft in eine Rezession gebe es kaum.
Das persönliche Einkommen und die persönlichen Ausgaben seien trotz des schwächeren Arbeitsmarktes gesund. Der stetige Rückgang der Sparquote bedeute, dass sich die Verbraucherausgaben in Zukunft abschwächen könnten. Die Nachfrage der privaten Haushalte bleibe mit einem moderaten Anstieg der Einzelhandelsumsätze und einem verbesserten Konsumklima robust. Künftig dürften Zinssenkungen zu einer Verbesserung des Vertrauens beitragen.
Die US-Inflation sei im August weiter rückläufig gewesen und habe 2,5% betragen. Aufgrund höherer Wohnkosten verharrte der Kernverbraucherpreisindex bei einer Jahresrate von 3,2%. Deutlich zurückgegangene Preise und gut verankerte Inflationserwartungen gäben der Fed nun Spielraum, um auf die Verschlechterung des Arbeitsmarktes zu reagieren. Auch wenn die Arbeitslosenquote leicht auf 4,2% zurückgegangen sei, setze der Arbeitsmarkt mit unter den Erwartungen liegenden 142.000 Neueinstellungen im August den negativen Trend der Vormonate fort.
Mit 50 Basispunkten habe die Fed die Senkung ihrer Leitzinsen begonnen. Weitere Zinssenkungen würden sowohl in diesem als auch im nächsten Jahr folgen. Da sich die US-Wirtschaft scheinbar noch in der Spätphase ihres Expansionszyklus befinde, gehe man nicht davon aus, dass die Fed "hinter der Kurve" sei. Deshalb erwarte man auch weniger als die mittlerweile eingepreisten fast 10 Zinssenkungen bis Ende nächsten Jahres.
Der wirtschaftliche Aufschwung in der Eurozone verliere eindeutig an Fahrt. Das BIP-Wachstum im zweiten Quartal habe mit 0,2% unter den Schätzungen gelegen. Die jüngsten Daten deuteten auf eine Abschwächung der Konjunktur mit regionalen Unterschieden hin. Die deutsche Wirtschaft stehe nach wie vor auf wackligen Füßen, und die Frühindikatoren versprächen auch für die kommenden Monate keine Besserung. Für Spanien und Italien zeichne sich hingegen ein besseres Wachstum ab. Frankreich werde von politischer Unsicherheit geplagt.
Die Arbeitslosigkeit in der Eurozone sei im Juli zwar auf den Rekordtiefstand von 6,4% gesunken, jedoch sei fraglich, ob die niedrige Arbeitslosigkeit und die tieferen Zinssätze ausreichen würden, um die Verbraucherausgaben anzukurbeln. Nach einigen positiven Monaten habe sich das Verbrauchervertrauen im August abgeschwächt und bleibe damit weit unter dem Höchststand nach der Pandemie.
Die Inflation sei im August weiter zurückgegangen und habe mit 2,2% im Jahresvergleich den niedrigsten Stand seit Mitte 2021 erreicht. Auch die Kerninflation sei auf 2,8% zurückgegangen. Die Dienstleistungsinflation bleibe hartnäckig und sei auf Jahresbasis auf 4,2% gestiegen. Die Fortsetzung des Disinflationskurses und die nach unten revidierte BIP-Wachstumserwartung von 0,8% ermöglichten der EZB nicht nur weitere Zinssenkungen, sondern machten sie regelrecht erforderlich. Nachdem im September die Zinsen zum zweiten Mal um 25 Basispunkte gesenkt worden seien, gehe man davon aus, dass die EZB diesen Pfad vorsichtig und maßvoll fortsetzen werde, für das Empfinden der Experten jedoch zu vorsichtig.
Chinas Wirtschaftswachstum habe sich im dritten Quartal weiter abgeschwächt. Die chinesische Wirtschaft leide weiterhin unter einem Verlust an Dynamik und werde von einem schwachen Arbeitsmarkt, einem schwachen Konsum und Gegenwind aus dem Immobiliensektor geplagt. Die jüngsten Daten zur Wirtschaftstätigkeit zeigten, dass die Industrieproduktion so stark zurückgegangen sei wie seit 2021 nicht mehr, und auch der Konsum und die Investitionen hätten sich stärker als erwartet abgeschwächt. Einkaufsmanagerindizes bestätigten diesen Schwungverlust.
Das verarbeitende Gewerbe schwäche sich weiter ab und gerate unter Druck, sowohl von der Nachfrage- als auch von der Angebotsseite. Der Dienstleistungssektor zeige eine gewisse Widerstandsfähigkeit und habe sich im August leicht verbessert. Die Arbeitslosenquote sei auf 5,3% gestiegen, was auf eine schwache Binnennachfrage hindeute. Die sich verbessernden Exporte in den asiatischen Raum stützten die Industrieproduktion und sorgten für eine Abfederung der nachlassenden Konjunktur.
Die stotternde globale Nachfrage, zunehmende Handelsspannungen, sich verfestigende Deflation und Zölle seien jedoch ein besorgniserregendes Zeichen dafür, dass die chinesische Wirtschaft weitere fiskal- und geldpolitische Impulse benötige, um das jährliche BIP-Wachstumsziel von 5% zu erreichen. Während die politischen Entscheidungsträger die sich abschwächende Wirtschaft bislang mit relativ überschaubaren fiskalischen Anreizen aktiv unterstützt hätten, habe die PBoC im abgelaufenen Monat ein umfassenderes Paket an geldpolitischen Maßnahmen initiiert. Die lokalen Kapitalmärkte hätten diesen Schritt mit einem Kursfeuerwerk bejubelt. Ob diese Maßnahmen jedoch einen Multiplikator für die Realwirtschaft darstellen würden, bezweifle man. Aus Sicht der Ex seien dafür weitere Fiskalpakete notwendig. (07.10.2024/alc/a/a)
Der Dienstleistungssektor bleibe die treibende Kraft, während das verarbeitende Gewerbe durch die schwache Nachfrage nach Gütern sowie geo- und handelspolitische Spannungen beeinträchtigt werde. Eine sanfte Landung der Weltwirtschaft sei nach wie vor das wahrscheinlichste Szenario. Auch wenn die Unsicherheit groß sei, werde die Angst vor einer Rezession überbewertet. Die Inflationsrisiken nähmen mit der Verlangsamung der Wirtschaftstätigkeit ab. Die nachlassende Nachfrage dürfte dazu beitragen, dass auch die bis dato hartnäckige Inflation im Dienstleistungssektor sinke. Abgesehen von der japanischen Notenbank hätten jetzt alle großen Zentralbanken mit der geldpolitischen Lockerung begonnen, die sich auch 2025 fortsetzen werde. Sofern es nicht zu einer unerwarteten Rezession komme, würden diese weiteren Schritte vorsichtig und graduell vollzogen werden.
Regional gebe es enorme Unterschiede: Die US-Wirtschaft verlangsamt sich zwar, sei aber weiter auf dem Pfad hin zu einer sanften Landung. Die Erholung in der Eurozone stottere, und Chinas Wirtschaft verlangsamt sich aufgrund des Immobiliensektors, höherer Arbeitslosigkeit und schwacher Binnennachfrage. Das diesen Monat verkündete Stimuluspaket in China sei hauptsächlich geldpolitischer Natur. Auch wenn die Börsen sehr positiv darauf reagiert hätten, bezweifle man die realwirtschaftliche Wirksamkeit, solange es nicht zusätzliche Fiskalmaßnahmen gebe. Insgesamt sei davon auszugehen, dass sich die Weltwirtschaft auf einem moderaten Wachstumskurs befinde, der jedoch von politischer Ungewissheit, geopolitischen Krisen, Protektionismus und hohen Haushaltsdefiziten ernsthaft herausgefordert werde.
Die jüngsten US-Daten bestätigten, dass sich die Wirtschaft nun verlangsamt habe. Das verarbeitende Gewerbe schrumpfe, Produktion und Auftragseingänge gingen zurück, und die Zahl der Beschäftigten stagniere. Demgegenüber stehe der Dienstleistungssektor, der im August weiterhin in gutem Tempo expandiert habe und solide Auftragseingänge verzeichnete. Dennoch liege die jüngste Schätzung des BIP für das dritte Quartal bei 2,5% auf Jahresbasis. Anzeichen für ein Abdriften der US-Wirtschaft in eine Rezession gebe es kaum.
Das persönliche Einkommen und die persönlichen Ausgaben seien trotz des schwächeren Arbeitsmarktes gesund. Der stetige Rückgang der Sparquote bedeute, dass sich die Verbraucherausgaben in Zukunft abschwächen könnten. Die Nachfrage der privaten Haushalte bleibe mit einem moderaten Anstieg der Einzelhandelsumsätze und einem verbesserten Konsumklima robust. Künftig dürften Zinssenkungen zu einer Verbesserung des Vertrauens beitragen.
Die US-Inflation sei im August weiter rückläufig gewesen und habe 2,5% betragen. Aufgrund höherer Wohnkosten verharrte der Kernverbraucherpreisindex bei einer Jahresrate von 3,2%. Deutlich zurückgegangene Preise und gut verankerte Inflationserwartungen gäben der Fed nun Spielraum, um auf die Verschlechterung des Arbeitsmarktes zu reagieren. Auch wenn die Arbeitslosenquote leicht auf 4,2% zurückgegangen sei, setze der Arbeitsmarkt mit unter den Erwartungen liegenden 142.000 Neueinstellungen im August den negativen Trend der Vormonate fort.
Der wirtschaftliche Aufschwung in der Eurozone verliere eindeutig an Fahrt. Das BIP-Wachstum im zweiten Quartal habe mit 0,2% unter den Schätzungen gelegen. Die jüngsten Daten deuteten auf eine Abschwächung der Konjunktur mit regionalen Unterschieden hin. Die deutsche Wirtschaft stehe nach wie vor auf wackligen Füßen, und die Frühindikatoren versprächen auch für die kommenden Monate keine Besserung. Für Spanien und Italien zeichne sich hingegen ein besseres Wachstum ab. Frankreich werde von politischer Unsicherheit geplagt.
Die Arbeitslosigkeit in der Eurozone sei im Juli zwar auf den Rekordtiefstand von 6,4% gesunken, jedoch sei fraglich, ob die niedrige Arbeitslosigkeit und die tieferen Zinssätze ausreichen würden, um die Verbraucherausgaben anzukurbeln. Nach einigen positiven Monaten habe sich das Verbrauchervertrauen im August abgeschwächt und bleibe damit weit unter dem Höchststand nach der Pandemie.
Die Inflation sei im August weiter zurückgegangen und habe mit 2,2% im Jahresvergleich den niedrigsten Stand seit Mitte 2021 erreicht. Auch die Kerninflation sei auf 2,8% zurückgegangen. Die Dienstleistungsinflation bleibe hartnäckig und sei auf Jahresbasis auf 4,2% gestiegen. Die Fortsetzung des Disinflationskurses und die nach unten revidierte BIP-Wachstumserwartung von 0,8% ermöglichten der EZB nicht nur weitere Zinssenkungen, sondern machten sie regelrecht erforderlich. Nachdem im September die Zinsen zum zweiten Mal um 25 Basispunkte gesenkt worden seien, gehe man davon aus, dass die EZB diesen Pfad vorsichtig und maßvoll fortsetzen werde, für das Empfinden der Experten jedoch zu vorsichtig.
Chinas Wirtschaftswachstum habe sich im dritten Quartal weiter abgeschwächt. Die chinesische Wirtschaft leide weiterhin unter einem Verlust an Dynamik und werde von einem schwachen Arbeitsmarkt, einem schwachen Konsum und Gegenwind aus dem Immobiliensektor geplagt. Die jüngsten Daten zur Wirtschaftstätigkeit zeigten, dass die Industrieproduktion so stark zurückgegangen sei wie seit 2021 nicht mehr, und auch der Konsum und die Investitionen hätten sich stärker als erwartet abgeschwächt. Einkaufsmanagerindizes bestätigten diesen Schwungverlust.
Das verarbeitende Gewerbe schwäche sich weiter ab und gerate unter Druck, sowohl von der Nachfrage- als auch von der Angebotsseite. Der Dienstleistungssektor zeige eine gewisse Widerstandsfähigkeit und habe sich im August leicht verbessert. Die Arbeitslosenquote sei auf 5,3% gestiegen, was auf eine schwache Binnennachfrage hindeute. Die sich verbessernden Exporte in den asiatischen Raum stützten die Industrieproduktion und sorgten für eine Abfederung der nachlassenden Konjunktur.
Die stotternde globale Nachfrage, zunehmende Handelsspannungen, sich verfestigende Deflation und Zölle seien jedoch ein besorgniserregendes Zeichen dafür, dass die chinesische Wirtschaft weitere fiskal- und geldpolitische Impulse benötige, um das jährliche BIP-Wachstumsziel von 5% zu erreichen. Während die politischen Entscheidungsträger die sich abschwächende Wirtschaft bislang mit relativ überschaubaren fiskalischen Anreizen aktiv unterstützt hätten, habe die PBoC im abgelaufenen Monat ein umfassenderes Paket an geldpolitischen Maßnahmen initiiert. Die lokalen Kapitalmärkte hätten diesen Schritt mit einem Kursfeuerwerk bejubelt. Ob diese Maßnahmen jedoch einen Multiplikator für die Realwirtschaft darstellen würden, bezweifle man. Aus Sicht der Ex seien dafür weitere Fiskalpakete notwendig. (07.10.2024/alc/a/a)


