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Entkoppelter Gaspreis und Jackson Hole im Fokus


23.08.22 09:17
DONNER & REUSCHEL AG

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die europäischen Börsen werden derzeit von zwei Themen beherrscht: Die unaufhaltsam steigenden Gaspreise und die damit verbundene Angst vor noch höheren Lebenshaltungskosten, so Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank DONNER & REUSCHEL.

Nach der überraschenden Ankündigung durch Gazprom - eine erneute wartungsbedingte Unterbrechung der Gaslieferungen nach Europa über die Pipeline Northstream I ab Ende dieses Monats durchzuführen - seien die Preise an der Energiebörse Amsterdam in die Höhe geschnellt. Und das, obwohl die Rohölkurse sowie die Notierungen vieler anderer Rohstoffe weltweit nachgegeben hätten. Zudem habe die Bundesbank in ihrem jüngsten Monatsbericht vor einem weiteren Anstieg der Inflationsraten auf bis zu 10 Prozent im Herbst und einer möglichen Rezession im Winterhalbjahr gewarnt.

Vor diesem Hintergrund sei zu erwarten, dass sowohl die Veröffentlichung des ifo-Geschäftsklimaindex sowie des GfK-Konsumklimaindex in dieser Woche eine erneut gesunkene Stimmung unter Unternehmen sowie Verbrauchern bestätigen werde. Ob vom jährlich stattfindenden internationalen Notenbank-Treffen in Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming positive Impulse ausgehen könnten sei fraglich. Vonseiten der EZB werde Isabel Schnabel das Direktorium der Notenbank vertreten. Alles andere als ein Hinweis auf eine weitere große Leitzinsanhebung um mindestens 0,50 Prozentpunkte Anfang September wäre eine Überraschung.

Auch der Rutsch des Eurokurses im Vergleich zum US-Dollar unter die Parität von 1 EUR/USD untermauere die Notwendigkeit einer künftig restriktiveren EZB-Geldpolitik, denn eine schwache Währung erhöhe den Inflationsdruck über steigende Kosten für Importgüter zusätzlich. Damit verbleibe nur die Hoffnung, dass der Präsident der FED dem Euro und den internationalen Aktienmärkten im Rahmen seiner Ausführungen in Jackson Hole zur Seite springen werde. Er müsste dafür die Erwartung einer weiter nachgebenden US-Inflationsrate und damit weniger stark als bisher erwartet steigender Leitzinsen in den USA schüren. Allerdings dürfte er dafür zunächst die Veröffentlichung der PCE-Preisdaten für Juli am Freitag abwarten, um eine Bestätigung für die zuletzt nachgebende Teuerung zu bekommen. (23.08.2022/alc/a/a)