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Ende der 30-jährigen Hausse bei US-Staatsanleihen?


26.08.13 14:51
MFS Investment Management

Boston (www.anleihencheck.de) - Die letzten Monate werden uns vermutlich nicht nur wegen der Zinswende in Erinnerung bleiben. Sie könnten das Ende der dreißigjährigen Anleihen-Hausse markieren, so Robert M. Hall, Institutional Fixed-Income Portfolio Manager bei MFS Investment Management.

Wegen der vielen Unsicherheiten, die unerwartete Änderungen der Geldpolitik zur Folge haben könnten, würden die Experten allerdings noch damit zögern, ihr Ende definitiv auszurufen. Nachdem die FED ihre Intentionen in Statements und Reden klar gemacht hat, könnten wir jetzt am Beginn einer Baisse bei Staatsanleihen stehen, so die Experten von MFS Investment Management. Noch aber stehe nicht fest, wie lange sie anhalten werde.

Angesichts des Wirtschaftswachstums und der Inflation in den USA dürften die Zinsen nur langsam normalisiert werden, sodass die "normalen" Renditen nicht so hoch sein würden, wie manche glauben würden. Trotz Baisse könnten auch klassische Long-Only-Anleiheinvestoren noch immer Geld verdienen, indem sie auf Spread-Sektoren setzen würden.

Zugegeben: Wer sich an hohe Anleiheerträge in Zeiten fallender Zinsen gewöhnt habe, könnte die jetzt noch möglichen Erträge enttäuschend finden. Steigende Staatsanleiherenditen dürften die Rentenmarktperformance noch einige Zeit belasten, sodass man letztlich weniger verdiene, als die Couponrendite betrage.

Wichtig sei aber, dass mit dem jüngsten Anstieg der US-Staatsanleiherenditen bereits ein Großteil der nach den Ankündigungen der FED erforderlichen Anpassung vollzogen sei. Es sei unrealistisch, dass die Renditen von jetzt an ungebrochen weiter steigen würden. Viele gesamtwirtschaftliche und politische Risiken könnten die Investoren verunsichern, sodass die Renditen trotz des langfristigen Normalisierungstrends immer wieder einmal fallen würden.

Trotz der Aussichten auf kurzfristige Renditeschwankungen würden die Experten auf lange Sicht aber mit einem Aufwärtstrend rechnen. Die Renditemaxima würden über den früheren Maxima, und die Minima über den früheren Minima liegen. Immer schwerer vorstellbar sei aber ein Szenario, in dem die Renditen wieder ähnlich niedrig sein würden wie vor dem letzten Anstieg.

Ohne einen großen Konjunkturschock dürften die amerikanischen Zehnjahresrenditen nicht wieder unter 2% fallen. Der neue Handelskorridor passe dann auch wesentlich besser zu einer moderat wachsenden Wirtschaft, in der mehr Klarheit über die Zukunft des Quantitative Easings bestehe und die Anleger nicht mehr so risikoscheu seien.

Amerikanische Staatsanleihen würden heute nicht mehr so stark überbewertet erscheinen wie vor dem Arbeitsmarktbericht im Mai, der den Kursrückgang ausgelöst habe. Dennoch könnten die Renditen noch etwas steigen, auch bevor die FED ihren Leitzins erstmalig erhöhe. Die Experten würden daher für die nächste Zeit weiterhin wenig attraktive Staatsanleihenerträge erwarten.

Auch ohne Leitzinserhöhungen würden durch das Tapering die Langfristrenditen steigen, sodass die Zinsstrukturkurve steiler werde. Die kurzfristigen Renditen seien immer an den Leitzins gebunden, bei dem zurzeit keine Anhebung drohe. Sobald das Ende des Quantitative Easings vollständig vom Markt verarbeitet sei, könnten sich die Staatsanleiherenditen so lange unter gewissen Schwankungen seitwärts bewegen, bis der Zeitpunkt der ersten Zinserhöhungen klarer werde.

Die Anpassung der Erwartungen an die Pläne der FED sei zunächst heftig und ungeordnet gewesen, sodass einige Spreadsektoren (wie Emerging-Market-Anleihen und High Yields) wesentlich stärker als US-Staatsanleihen verloren hätten - die Investoren hätten sich beeilt, ihre Positionsgrößen anzupassen und Carry Trades aufzulösen. Diese ungewöhnliche Situation könnte sich wiederholen.

Doch wenn die Phase plötzlicher Erwartungsänderungen vorbei sei und die Geldpolitik wieder berechenbarer werde, könnte sich wieder die übliche negative Korrelation zwischen Staatsanleiherenditen und Spreads einstellen. Einige Spreads hätten sich bereits wieder etwas verengt, da die Marktteilnehmer erkennen würden, dass die FED die Geldpolitik keineswegs so extrem straffen werde wie zunächst befürchtet. Hohe Renditen und hohe Spreads würden Anleiheinvestoren noch immer den besten Schutz bieten, wenn die Geldpolitik gestrafft werde. Dies spreche für Papiere mit höheren laufenden Erträgen. (26.08.2013/alc/a/a)