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Emissionen nachhaltiger Anleihen steigen auf Rekordhoch - Einheitliche Standards gefordert


21.07.22 08:45
Candriam

Brüssel (www.anleihencheck.de) - Nachhaltige Anleihen haben in den vergangenen Jahren ein erhebliches Wachstum erlebt: Wurde 2016 noch ein Volumen von 62 Milliarden US-Dollar dieses Anleihetyps ausgegeben, werden es laut Schätzungen von Candriam in diesem Jahr bereits 1.100 Milliarden US-Dollar sein, so Céline Deroux, Fixed Income Strategist bei Candriam.

Je nach Ausgestaltung ermögliche diese neue Generation an festverzinslichen Wertpapieren, die Wirkung der finanzierten Projekte und Nachhaltigkeitsentwicklungen aktiv zu gestalten. Dies erfordere von den Anlegern jedoch immer häufiger auch tiefergehende Sachkenntnis - und vor allem brauche es einheitliche Standards bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung.

In den vergangenen Jahren hätten die Anleihenmärkte die Entstehung einer neuen Art von Instrumenten erlebt, die unter dem Begriff "Nachhaltige Anleihen" zusammengefasst würden. Ob als "Grüne Anleihen", "Soziale Anleihen" oder "Nachhaltigkeitsgebundene Anleihen": Mit diesen Instrumenten würden Staaten und Unternehmen Mittel zur Finanzierung nachhaltiger Aktivitäten beschaffen und könnten sich so stärker auf die Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung (UNSDG) ausrichten.

Dieser Anspruch verschiebe auch die Rolle der Anleger: Neben der rein finanziellen Partizipation, auf die sich die Einbindung der Investoren bei klassischen Anleihen beschränke, hätten sie bei nachhaltigen Anleihen die Möglichkeit - und oft auch den Anspruch - aktiv auf die Emittenten einzuwirken und so zum Erreichen der nachhaltigen Ziele beizutragen. Dies schaffe jedoch auch eine neue Ebene der Komplexität bei der Titelauswahl und verlange von Anlegern ein hohes Maß an Sachkenntnis, denn:

- Das Nachverfolgen, wie die Anleiheerlöse konkret eingesetzt würden sowie die Beurteilung, wie erfolgreich die finanzierten Projekte auf ihre Nachhaltigkeitsziele einzahlen würden, würden zu wesentlichen Elementen des Anlageprozesses. Wie gut beides möglich sei, hänge bisher jedoch hauptsächlich davon ab, wie transparent die ESG-Berichterstattung des Emittenten sei. Erschwerend komme hinzu, dass es bis heute keine international anerkannten Standards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung gebe. Anleger müssten selbst Wege finden, wie sie Lücken in den gemeldeten Daten identifizieren und schließen könnten.

- Hier schließe sich ein weiteres Problem an: Im Universum der nachhaltigen Anleihen bestehe nach wie vor ein allgemeiner Mangel an ESG-Daten. Um Informationen zu erhalten, müssten Anleger im Prinzip ständig im Kontakt zu den Emittenten bleiben. Nur so könnten sie sicherzustellen, dass sie alle erforderlichen Informationen bekommen würden.

- Und selbst, wenn alle Daten zur Verfügung stünden, ergebe sich für Anleger eine weitere Schwierigkeit: Zwei wesentliche Elemente der Due Diligence für nachhaltige Anleihen - eine genaue Analyse des Emittenten und der Verwendung der Erlöse - würden ein großes Maß an spezialisierten Kenntnissen erfordern. Sie würden auf detaillierten und umfassenden Rahmenkonzepten beruhen, die jeweils auf eine bestimmte Art nachhaltiger Anleihen zugeschnitten seien.

Um den Ansprüchen an modernes Impact Investing gerecht zu werden, müssten nachhaltige Anleihen neben langfristigen finanziellen Erträgen auch transparente und messbare ökologische oder soziale Verbesserungen erzielen. Angesichts dieses Anspruchs würden erfolgreiche Investments in nachhaltige Anleihen eine ausgewiesene Expertise und viel Engagement erfordern.

Bei Candriam arbeiten die Experten dazu mit fundamentalen Analysen. Sie würden die Entwicklung aufmerksam beobachten und die Berichterstattung der Unternehmen und ihre Projekte eingehend in den Fokus nehmen. So würden die Experten nicht nur die Fortschritte verfolgen, sondern auch die Verwirklichung der Projekte sicher stellen und letztendlich den Emittenten dabei unterstützen, seine Ziele zu erreichen. Das erhebliche Wachstum an nachhaltigen Anleihen zeige, dass diese Assetklasse eine Lücke fülle - und bereits heute einen erheblichen Beitrag zu einer nachhaltigen Wirtschaft leiste. Einheitliche Standards bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung sowie frei zugängliche ESG-Daten seien wichtige nächste Schritte, um das Potential dieser Instrumente noch besser zu nutzen. (21.07.2022/alc/a/a)