Erweiterte Funktionen
Emerging Markets-Anleihen - auf dem Weg zur Core-Anlageklasse
09.03.17 12:15
Berenberg Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Schwellenländeranleihen profitieren weiterhin vom Anlagenotstand, so Robert Reichle, Fondsmanager des Berenberg Emerging Markets Bond Selection bei Berenberg.
Trotz gestiegener Kurse seien die Renditen immer noch vergleichsweise hoch. Dies sei jedoch nicht das einzige Argument für Schwellenländeranleihen, meine Robert Reichle. "Auch die Fundamentaldaten sind deutlich besser als noch vor einigen Jahren". Ein gutes Risiko-Ertrags-Verhältnis sehe er etwa in Ländern wie Indonesien, der Dominikanischen Republik und Polen. Einstige Überflieger wie Mexiko hingegen würden zurzeit unter der neuen US-Regierung leiden; und auch bei Brasilien sei Reichle in Wartestellung.
Weder steigende US-Zinsen noch ein unberechenbarer US-Präsident hätten Emerging-Markets-Anleihen bislang geschadet. Im Gegenteil: "Nach einer ganz kurzen Periode der Unsicherheit nach dem Wahlsieg Donald Trumps haben Schwellenländeranleihen - sowohl in Hart- als auch in Lokalwährung - in den letzten Monaten gute Zugewinne geliefert", sage Robert Reichle.
In den ersten zwei Monaten 2017 seien mehr als elf Milliarden US-Dollar in Schwellenländeranleihen geflossen. "Das ist der stärkste Jahresauftakt seit 2013", so der Berenberg-Fondsmanager. Dennoch müsse man die neue US-Politik im Auge behalten. Dabei gehe es nicht nur um erschwerte Handelsbedingungen. Vor allem im Hartwährungsmarkt würden die Investoren auch schauen, ob Trump tatsächlich, wie im Wahlkampf angekündigt, das Wirtschaftswachstum durch eine höhere Verschuldung ankurbele. Dann könnte es zu einer interessanten Konstellation kommen: Eine expansive Fiskalpolitik treffe auf eine restriktive Geldpolitik.
"Die US-Notenbank FED bereitet den Markt zurzeit auf den nächsten Zinsschritt vor. Das spürt man allerdings nicht allzu sehr in den Renditen am Anleihemarkt", sage Reichle. Entsprechend gering sei der Druck von dieser Seite auf Schwellenländeranleihen in Hartwährung. Auch potenzielle weitere Zinsschritte in diesem Jahr würden zurzeit keine Panik auslösen. "Die Zinsen handeln in einer sehr engen Bandbreite. Das senkt aktuell die Volatilität dieser Asset-Klasse", so Reichle. Die kurzfristigen Volatilitäten für 30 bis 60 Tage lägen bei historisch niedrigen drei bis vier Prozent. Auch die mittelfristige Schwankungsbreite betrage lediglich fünf bis sechs Prozent.
Trotz der guten Entwicklung der Asset-Klasse liege die Index-Rendite für in US-Dollar notierte Schwellenländeranleihen immer noch bei attraktiven 5,25 Prozent. Die Risikoaufschläge hätten sich auf knapp 300 Basispunkte verengt. "Die Tiefststände von vor einigen Jahren lagen zwar noch etwa 30 bis 40 Basispunkte niedriger. Aber auf dem aktuellen Niveau muss man schon genau schauen, wo das eingegangene Risiko noch mit einem adäquaten Ertrag vergütet wird", so Reichle.
Zu Reichles Favoriten würden schon seit Längerem die Dominikanische Republik, die mit einer wachsenden Agrar- und Tourismuswirtschaft überzeuge, sowie Indonesien zählen, das Reformen anschiebe und seinen Kapitalmarkt öffne. Ein ebenfalls attraktives Risiko-Ertrags-Profil sehe der Fondsmanager bei polnischen Anleihen. "Das Land hat ein ähnliches Ratingprofil wie Malaysia, die Anleihen sind aber je nach Laufzeit bis zu 30 Basispunkte günstiger. Polen hat derzeit ein sehr gutes Absatzmomentum in Richtung Westeuropa und zeigt sich relativ unbeeindruckt von politischen Ereignissen", begründe Reichle.
In Mexiko hingegen, das noch im Sommer zu seinen Favoriten gezählt habe, sehe er Risiko und Ertrag nicht mehr im Einklang. "Mexiko ist bereits vor der US-Wahl durch Trumps negative Äußerungen zur Einwanderungspolitik und zu den Handelsbeziehungen der beiden Länder unter Druck geraten", so Reichle. Heute seien mexikanische Anleihen zwar vergleichsweise günstig. Dies halte Reichle aber auch für gerechtfertigt, da auch die in der jüngeren Vergangenheit beobachtete fundamentale Entwicklung eher dürftig ausgefallen sei. Die Risiken seien aus seiner Sicht stärker gestiegen als die Ertragschancen.
Komplett aus dem Portfolio entfernt habe der Fondsmanager Anleihen aus Südafrika und Ungarn. Ungarn sei vor einiger Zeit in den Investmentgrade-Bereich hochgestuft worden und trete seitdem fundamental auf der Stelle. "Ungarische Anleihen sind schon zu gut gelaufen. Für das mit dem Land verbundene Risiko ist einfach nicht mehr genügend Ertragspotenzial vorhanden", urteile Reichle. Sein Abschied von Südafrika sei vor allem fundamental getrieben. Das Land stehe an der Schwelle zur Abwertung aus dem Investmentgrade-Bereich. Reichle: "Die volkswirtschaftlichen Daten gefallen uns gar nicht. Wir halten südafrikanische Anleihen für deutlich überbewertet."
Zu den Gewinnern 2016 hätten brasilianische Anleihen gezählt. "Wir hatten das Land deutlich übergewichtet und von der guten Entwicklung profitiert", so Reichle. Mittlerweile habe er die Übergewichtung allerdings aufgelöst. Die Fundamentaldaten des Landes hätten sich zwar verbessert, die Erholung stagniere aber aktuell. Reichle warte auf neue Impulse der Regierung, um Reformen weiter voranzutreiben und die Korruption zu bekämpfen.
Auch wenn Reichle eine kurzfristige kleine Korrektur nicht ausschließen wolle und sie sogar als gut für den Markt erachte, blicke er zuversichtlich in die Zukunft: "Im Moment ist die Lage für Emerging-Markets-Anleihen so gut wie schon lange nicht mehr. Die Einengung der Risikoaufschläge geht tatsächlich mit einer wirtschaftlichen Verbesserung und guten Fundamentaldaten einher. Gleichzeitig sind in den entwickelten Märkten die Renditen derartig gering, dass der Anlagenotstand der Investoren groß ist und somit Schwellenländeranleihen zusätzlich durch Kapitalflüsse gestützt werden". Reichle sei daher sehr optimistisch, dass sich die Anlageklasse weiter von einer Nische zu einer Core-Anlageklasse in den Anlegerportfolios entwickele. Für 2017 rechne er mit einer Performance von rund 5 bis 7 Prozent für Schwellenländeranleihen in Hartwährungen. (09.03.2017/alc/a/a)
Trotz gestiegener Kurse seien die Renditen immer noch vergleichsweise hoch. Dies sei jedoch nicht das einzige Argument für Schwellenländeranleihen, meine Robert Reichle. "Auch die Fundamentaldaten sind deutlich besser als noch vor einigen Jahren". Ein gutes Risiko-Ertrags-Verhältnis sehe er etwa in Ländern wie Indonesien, der Dominikanischen Republik und Polen. Einstige Überflieger wie Mexiko hingegen würden zurzeit unter der neuen US-Regierung leiden; und auch bei Brasilien sei Reichle in Wartestellung.
Weder steigende US-Zinsen noch ein unberechenbarer US-Präsident hätten Emerging-Markets-Anleihen bislang geschadet. Im Gegenteil: "Nach einer ganz kurzen Periode der Unsicherheit nach dem Wahlsieg Donald Trumps haben Schwellenländeranleihen - sowohl in Hart- als auch in Lokalwährung - in den letzten Monaten gute Zugewinne geliefert", sage Robert Reichle.
In den ersten zwei Monaten 2017 seien mehr als elf Milliarden US-Dollar in Schwellenländeranleihen geflossen. "Das ist der stärkste Jahresauftakt seit 2013", so der Berenberg-Fondsmanager. Dennoch müsse man die neue US-Politik im Auge behalten. Dabei gehe es nicht nur um erschwerte Handelsbedingungen. Vor allem im Hartwährungsmarkt würden die Investoren auch schauen, ob Trump tatsächlich, wie im Wahlkampf angekündigt, das Wirtschaftswachstum durch eine höhere Verschuldung ankurbele. Dann könnte es zu einer interessanten Konstellation kommen: Eine expansive Fiskalpolitik treffe auf eine restriktive Geldpolitik.
"Die US-Notenbank FED bereitet den Markt zurzeit auf den nächsten Zinsschritt vor. Das spürt man allerdings nicht allzu sehr in den Renditen am Anleihemarkt", sage Reichle. Entsprechend gering sei der Druck von dieser Seite auf Schwellenländeranleihen in Hartwährung. Auch potenzielle weitere Zinsschritte in diesem Jahr würden zurzeit keine Panik auslösen. "Die Zinsen handeln in einer sehr engen Bandbreite. Das senkt aktuell die Volatilität dieser Asset-Klasse", so Reichle. Die kurzfristigen Volatilitäten für 30 bis 60 Tage lägen bei historisch niedrigen drei bis vier Prozent. Auch die mittelfristige Schwankungsbreite betrage lediglich fünf bis sechs Prozent.
Zu Reichles Favoriten würden schon seit Längerem die Dominikanische Republik, die mit einer wachsenden Agrar- und Tourismuswirtschaft überzeuge, sowie Indonesien zählen, das Reformen anschiebe und seinen Kapitalmarkt öffne. Ein ebenfalls attraktives Risiko-Ertrags-Profil sehe der Fondsmanager bei polnischen Anleihen. "Das Land hat ein ähnliches Ratingprofil wie Malaysia, die Anleihen sind aber je nach Laufzeit bis zu 30 Basispunkte günstiger. Polen hat derzeit ein sehr gutes Absatzmomentum in Richtung Westeuropa und zeigt sich relativ unbeeindruckt von politischen Ereignissen", begründe Reichle.
In Mexiko hingegen, das noch im Sommer zu seinen Favoriten gezählt habe, sehe er Risiko und Ertrag nicht mehr im Einklang. "Mexiko ist bereits vor der US-Wahl durch Trumps negative Äußerungen zur Einwanderungspolitik und zu den Handelsbeziehungen der beiden Länder unter Druck geraten", so Reichle. Heute seien mexikanische Anleihen zwar vergleichsweise günstig. Dies halte Reichle aber auch für gerechtfertigt, da auch die in der jüngeren Vergangenheit beobachtete fundamentale Entwicklung eher dürftig ausgefallen sei. Die Risiken seien aus seiner Sicht stärker gestiegen als die Ertragschancen.
Komplett aus dem Portfolio entfernt habe der Fondsmanager Anleihen aus Südafrika und Ungarn. Ungarn sei vor einiger Zeit in den Investmentgrade-Bereich hochgestuft worden und trete seitdem fundamental auf der Stelle. "Ungarische Anleihen sind schon zu gut gelaufen. Für das mit dem Land verbundene Risiko ist einfach nicht mehr genügend Ertragspotenzial vorhanden", urteile Reichle. Sein Abschied von Südafrika sei vor allem fundamental getrieben. Das Land stehe an der Schwelle zur Abwertung aus dem Investmentgrade-Bereich. Reichle: "Die volkswirtschaftlichen Daten gefallen uns gar nicht. Wir halten südafrikanische Anleihen für deutlich überbewertet."
Zu den Gewinnern 2016 hätten brasilianische Anleihen gezählt. "Wir hatten das Land deutlich übergewichtet und von der guten Entwicklung profitiert", so Reichle. Mittlerweile habe er die Übergewichtung allerdings aufgelöst. Die Fundamentaldaten des Landes hätten sich zwar verbessert, die Erholung stagniere aber aktuell. Reichle warte auf neue Impulse der Regierung, um Reformen weiter voranzutreiben und die Korruption zu bekämpfen.
Auch wenn Reichle eine kurzfristige kleine Korrektur nicht ausschließen wolle und sie sogar als gut für den Markt erachte, blicke er zuversichtlich in die Zukunft: "Im Moment ist die Lage für Emerging-Markets-Anleihen so gut wie schon lange nicht mehr. Die Einengung der Risikoaufschläge geht tatsächlich mit einer wirtschaftlichen Verbesserung und guten Fundamentaldaten einher. Gleichzeitig sind in den entwickelten Märkten die Renditen derartig gering, dass der Anlagenotstand der Investoren groß ist und somit Schwellenländeranleihen zusätzlich durch Kapitalflüsse gestützt werden". Reichle sei daher sehr optimistisch, dass sich die Anlageklasse weiter von einer Nische zu einer Core-Anlageklasse in den Anlegerportfolios entwickele. Für 2017 rechne er mit einer Performance von rund 5 bis 7 Prozent für Schwellenländeranleihen in Hartwährungen. (09.03.2017/alc/a/a)


