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Emerging-Markets-Anleihen: Chancen trotz schwächerer Weltwirtschaft
08.07.19 11:45
Legal & General IM
London (www.anleihencheck.de) - Emerging-Markets-Anleihen legten im ersten Halbjahr 2019 einen starken Start hin, so die Experten von Legal & General Investment Management.
Schwellenländeranleihen in Lokalwährungen hätten in diesem Zeitraum gut performt, aber eine noch bessere Entwicklung habe sich bei Staats- und Unternehmensanleihen in Hartwährungen gezeigt - insbesondere bei in US-Dollar emittierten Anleihen - deren Erträge gegenüber den Lokalwährungen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres deutlich besser abgeschnitten hätten. Viele Investoren würden sich fragen, ob diese Entwicklung Bestand haben werde.
Uday Patnaik, Head of Emerging Markets Debt bei Legal & General Investment Management, gehe davon aus, dass dies nicht bei allen Schwellenländern der Fall sein werde - er sehe aber auch im derzeitigen Marktumfeld attraktive Chancen bei ausgewählten Emerging Markets: "Die Weltwirtschaft einschließlich der US-Wirtschaft wird sich wahrscheinlich in den nächsten sechs bis zwölf Monaten abschwächen. Dazu gesellen sich idiosynkratische Probleme innerhalb der Schwellenländer. Ich bin aber weiter fest davon überzeugt, dass sich mit der richtigen Positionierung in den Schwellenländern ein bedeutendes Alpha generieren lässt - nicht zuletzt infolge der Informationsasymmetrie in den Emerging Markets."
In Bezug auf die Risiken sorge sich der Experte vor allem um eine Eskalation des Handelskrieges zwischen China und den USA und als Folge dessen auch um einen möglichen Handelskrieg mit der EU im Laufe dieses Jahres, beispielsweise im Automobilsektor. "Unter der Annahme, dass sich die aktuelle globale Handelsdynamik nicht verbessert und die Situation in den nächsten Monaten weiter anhält oder sich sogar verschlechtert, wird der Welthandel das schwächste Jahr seit der Finanzkrise erleben. Dies könnte zu einer Verschärfung der finanziellen Bedingungen insbesondere außerhalb der USA führen und die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes dämpfen. Es versteht sich von selbst, dass sich das globale Wachstum in einem solchen Szenario weiter abschwächen wird", so Patnaik.
In Bezug auf idiosynkratische Herausforderungen aber auch Chancen innerhalb der Emerging Markets liege der Fokus für Uday Patnaik hauptsächlich auf dem Wachstum Chinas - und darüber hinaus auch auf der Politik und den geldpolitische Maßnahmen in der Türkei, den Wahlen von Argentinien Ende 2019 und der Inflation in diesem Land, dem US-Iran-Konflikt und den möglichen Auswirkungen auf die Rohölpreise im Falle einer Eskalation, der wirtschaftlichen und humanitären Krise in Venezuela und der brasilianischen Rentenreform.
Im Hinblick auf renditestärkere Gelegenheiten im Subinvestment-Grade-Bereich schätze Patnaik derzeit Hartwährungsanleihen in Ägypten und Nigeria, einschließlich ausgewählter nigerianischer Finanzwerte. "Ägypten ist eine große, diversifizierte Wirtschaft in Nordafrika, dessen BIP-Wachstum mit aktuell 5,5 Prozent an Fahrt aufnimmt. Die Inflation ist stark gesunken - von 33 Prozent Mitte 2017 auf 13 Prozent im April dieses Jahres. Ägypten wird 2019 zum ersten Mal nach 15 Jahren einen Primärüberschuss von voraussichtlich 1,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes erwirtschaften", so Patnaik.
In nur zwei Jahren hätten Wachstums- und finanzpolitische Restriktionen dazu beigetragen, die Staatsverschuldung von über 100 Prozent des BIP im Jahr 2017 auf rund 85 Prozent des BIP in diesem Jahr zu senken. Darüber hinaus bleibe der externe Sektor mit diversen Zuflüssen unter anderem aus dem Tourismus, Einnahmen aus dem Suezkanal sowie ausländischen Direktinvestitionen, so genannten Foreign Direct Investments - kurz FDI - stark. Die Devisenreserven seien mit rund 44 Milliarden US-Dollar auf dem höchsten Stand aller Zeiten und würden einen Importbedarf von 6,5 Monaten abdecken.
"In Nigeria sind die Unsicherheiten, die sich im Vorfeld der Wahlen ergeben hatten, mit der Wiederwahl des Amtsinhabers beseitigt. Der Zentralbankgouverneur wurde erneut gewählt, was Kontinuität in der Geld- und Fiskalpolitik verspricht. Mit 400 Milliarden US-Dollar ist Nigeria die größte Volkswirtschaft in Kontinental-Afrika und zum Beispiel größer als die Südafrika oder Ägypten. Die Haushaltsdefizite sind stabil bei 4,5 Prozent des BIP, aber mit einem öffentlichen Schuldenstand von nur 20 Prozent des BIP und damit weniger als die Hälfte des regionalen Durchschnitts", fahre Patnaik fort.
Im Außenhandel habe die Leistungsbilanz einen Überschuss mit Devisenreserven von 45 Milliarden US-Dollar verzeichnet - die Leistungsbilanz übersteige die Staatsschulden annähernd das Zweifache der Staatsschulden und bedeute eine Abdeckung der Importe über einen Zeitraum von zehn Monaten. Nigeria sei zwar von Öl abhängig, weise aber einen niedrigen Schuldenstand und eine Verbesserung der Ölproduktion seit Mitte 2016 auf. "Dazu gesellt sich die Tatsache, dass die Überweisungen und Portfolioströme fast 60 Prozent der Gesamtexporte ausmachen, was der Investment-Story mehr Stabilität verleiht", erläutere Patnaik.
Im Investment-Grade-Bereich übergewichte der Experte schließlich Katar. "Die jährlichen Exporte des Landes belaufen sich auf fast 50 Prozent des BIP, und der Leistungsbilanzüberschuss betrug im vergangenen Jahr mehr als 9 Prozent des BIP. Darüber hinaus lag der gesamtstaatliche Überschuss im vergangenen Jahr bei 5 Prozent des BIP, und es wird erwartet, dass der Überschuss in diesem Jahr auf über 6 Prozent ansteigen wird", so Patnaik. Die QIA-Vermögenswerte von rund 320 Milliarden US-Dollar entsprächen 170 Prozent des BIP und 350 Prozent der Staatsverschuldung. Die Größe der Vermögenswerte sei so bemessen, dass sie Steuerausgaben über einen Zeitraum von fünfeinhalb Jahren auf dem derzeitigen Niveau finanzieren könnten. Katar sei allerdings von der regionalen Geopolitik betroffen, insbesondere in Bezug auf seine Nachbarländer. Dies könnte sich jedoch unter dem Druck der USA etwas abschwächen.
Für Venezuela sei es wahrscheinlich, dass das Maduro-Regime in den nächsten Quartalen enden werde. Mit dem Druck der US-Regierung, der Flüchtlingskrise, der Hyperinflation, einer implodierenden Wirtschaft und US-Embargos sei die Wahrscheinlichkeit gering, dass die Maduro-Regierung genügend US-Dollar aufbringen werde, um das Militär weiterhin zu einer Unterstützung zu bewegen. Venezuela sei interessant, weil es über eine der größten, wenn nicht sogar die größten Ölreserven der Welt verfüge. In den späten 1970er bis frühen 1980er Jahren sei Venezuela von den internationalen Ratingagenturen mit AAA bewertet worden.
"Venezuela muss seine Wirtschaft umstrukturieren und Investitionen einleiten, um die Ölförderung wiederzubeleben. Um diese wirtschaftlichen Ziele zu erreichen, muss jedoch zunächst die politische Situation gelöst werden. Wir halten unser Exposure auf venezolanischen Anleihen, da wir glauben, dass der ultimative Aufwärtstrend deutlich höher ist als aktuell eingepreist", schließe Patnaik.
Aus Sicht von Uday Patnaik seien Investoren bei Investments in Schwellenländeranleihen gut beraten, auf einen Top-down-Ansatz zu achten. "Die Schwellenländer und die Performance ihrer Schuldtitel werden von globalen Entwicklungen bestimmt. So müssen neben anderen Faktoren beispielsweise die US-Kurse, der US-Dollar, die Rohstoffpreise - insbesondere im Hinblick auf Rohöl und Metalle -, die Geopolitik, die Aktien- und Zinsvolatilität, die Weltwirtschaft und die Geldpolitik der Zentralbanken in den G7-Ländern plus China berücksichtigt werden. Deshalb ist ein makrothematischer Top-Down-Investmentansatz wichtig", so Patnaik. "Ich verfüge über eine 30-jährige Erfahrung in Investments in Schwellenländeranleihen und habe in dieser Zeit noch nie einen Bottom-up-Ansatz erlebt, der in der Lage ist, das Kundenkapital zu schützen und Drawdowns so erfolgreich zu begrenzen wie ein Top-down-Ansatz." (08.07.2019/alc/a/a)
Schwellenländeranleihen in Lokalwährungen hätten in diesem Zeitraum gut performt, aber eine noch bessere Entwicklung habe sich bei Staats- und Unternehmensanleihen in Hartwährungen gezeigt - insbesondere bei in US-Dollar emittierten Anleihen - deren Erträge gegenüber den Lokalwährungen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres deutlich besser abgeschnitten hätten. Viele Investoren würden sich fragen, ob diese Entwicklung Bestand haben werde.
Uday Patnaik, Head of Emerging Markets Debt bei Legal & General Investment Management, gehe davon aus, dass dies nicht bei allen Schwellenländern der Fall sein werde - er sehe aber auch im derzeitigen Marktumfeld attraktive Chancen bei ausgewählten Emerging Markets: "Die Weltwirtschaft einschließlich der US-Wirtschaft wird sich wahrscheinlich in den nächsten sechs bis zwölf Monaten abschwächen. Dazu gesellen sich idiosynkratische Probleme innerhalb der Schwellenländer. Ich bin aber weiter fest davon überzeugt, dass sich mit der richtigen Positionierung in den Schwellenländern ein bedeutendes Alpha generieren lässt - nicht zuletzt infolge der Informationsasymmetrie in den Emerging Markets."
In Bezug auf die Risiken sorge sich der Experte vor allem um eine Eskalation des Handelskrieges zwischen China und den USA und als Folge dessen auch um einen möglichen Handelskrieg mit der EU im Laufe dieses Jahres, beispielsweise im Automobilsektor. "Unter der Annahme, dass sich die aktuelle globale Handelsdynamik nicht verbessert und die Situation in den nächsten Monaten weiter anhält oder sich sogar verschlechtert, wird der Welthandel das schwächste Jahr seit der Finanzkrise erleben. Dies könnte zu einer Verschärfung der finanziellen Bedingungen insbesondere außerhalb der USA führen und die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes dämpfen. Es versteht sich von selbst, dass sich das globale Wachstum in einem solchen Szenario weiter abschwächen wird", so Patnaik.
In Bezug auf idiosynkratische Herausforderungen aber auch Chancen innerhalb der Emerging Markets liege der Fokus für Uday Patnaik hauptsächlich auf dem Wachstum Chinas - und darüber hinaus auch auf der Politik und den geldpolitische Maßnahmen in der Türkei, den Wahlen von Argentinien Ende 2019 und der Inflation in diesem Land, dem US-Iran-Konflikt und den möglichen Auswirkungen auf die Rohölpreise im Falle einer Eskalation, der wirtschaftlichen und humanitären Krise in Venezuela und der brasilianischen Rentenreform.
Im Hinblick auf renditestärkere Gelegenheiten im Subinvestment-Grade-Bereich schätze Patnaik derzeit Hartwährungsanleihen in Ägypten und Nigeria, einschließlich ausgewählter nigerianischer Finanzwerte. "Ägypten ist eine große, diversifizierte Wirtschaft in Nordafrika, dessen BIP-Wachstum mit aktuell 5,5 Prozent an Fahrt aufnimmt. Die Inflation ist stark gesunken - von 33 Prozent Mitte 2017 auf 13 Prozent im April dieses Jahres. Ägypten wird 2019 zum ersten Mal nach 15 Jahren einen Primärüberschuss von voraussichtlich 1,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes erwirtschaften", so Patnaik.
"In Nigeria sind die Unsicherheiten, die sich im Vorfeld der Wahlen ergeben hatten, mit der Wiederwahl des Amtsinhabers beseitigt. Der Zentralbankgouverneur wurde erneut gewählt, was Kontinuität in der Geld- und Fiskalpolitik verspricht. Mit 400 Milliarden US-Dollar ist Nigeria die größte Volkswirtschaft in Kontinental-Afrika und zum Beispiel größer als die Südafrika oder Ägypten. Die Haushaltsdefizite sind stabil bei 4,5 Prozent des BIP, aber mit einem öffentlichen Schuldenstand von nur 20 Prozent des BIP und damit weniger als die Hälfte des regionalen Durchschnitts", fahre Patnaik fort.
Im Außenhandel habe die Leistungsbilanz einen Überschuss mit Devisenreserven von 45 Milliarden US-Dollar verzeichnet - die Leistungsbilanz übersteige die Staatsschulden annähernd das Zweifache der Staatsschulden und bedeute eine Abdeckung der Importe über einen Zeitraum von zehn Monaten. Nigeria sei zwar von Öl abhängig, weise aber einen niedrigen Schuldenstand und eine Verbesserung der Ölproduktion seit Mitte 2016 auf. "Dazu gesellt sich die Tatsache, dass die Überweisungen und Portfolioströme fast 60 Prozent der Gesamtexporte ausmachen, was der Investment-Story mehr Stabilität verleiht", erläutere Patnaik.
Im Investment-Grade-Bereich übergewichte der Experte schließlich Katar. "Die jährlichen Exporte des Landes belaufen sich auf fast 50 Prozent des BIP, und der Leistungsbilanzüberschuss betrug im vergangenen Jahr mehr als 9 Prozent des BIP. Darüber hinaus lag der gesamtstaatliche Überschuss im vergangenen Jahr bei 5 Prozent des BIP, und es wird erwartet, dass der Überschuss in diesem Jahr auf über 6 Prozent ansteigen wird", so Patnaik. Die QIA-Vermögenswerte von rund 320 Milliarden US-Dollar entsprächen 170 Prozent des BIP und 350 Prozent der Staatsverschuldung. Die Größe der Vermögenswerte sei so bemessen, dass sie Steuerausgaben über einen Zeitraum von fünfeinhalb Jahren auf dem derzeitigen Niveau finanzieren könnten. Katar sei allerdings von der regionalen Geopolitik betroffen, insbesondere in Bezug auf seine Nachbarländer. Dies könnte sich jedoch unter dem Druck der USA etwas abschwächen.
Für Venezuela sei es wahrscheinlich, dass das Maduro-Regime in den nächsten Quartalen enden werde. Mit dem Druck der US-Regierung, der Flüchtlingskrise, der Hyperinflation, einer implodierenden Wirtschaft und US-Embargos sei die Wahrscheinlichkeit gering, dass die Maduro-Regierung genügend US-Dollar aufbringen werde, um das Militär weiterhin zu einer Unterstützung zu bewegen. Venezuela sei interessant, weil es über eine der größten, wenn nicht sogar die größten Ölreserven der Welt verfüge. In den späten 1970er bis frühen 1980er Jahren sei Venezuela von den internationalen Ratingagenturen mit AAA bewertet worden.
"Venezuela muss seine Wirtschaft umstrukturieren und Investitionen einleiten, um die Ölförderung wiederzubeleben. Um diese wirtschaftlichen Ziele zu erreichen, muss jedoch zunächst die politische Situation gelöst werden. Wir halten unser Exposure auf venezolanischen Anleihen, da wir glauben, dass der ultimative Aufwärtstrend deutlich höher ist als aktuell eingepreist", schließe Patnaik.
Aus Sicht von Uday Patnaik seien Investoren bei Investments in Schwellenländeranleihen gut beraten, auf einen Top-down-Ansatz zu achten. "Die Schwellenländer und die Performance ihrer Schuldtitel werden von globalen Entwicklungen bestimmt. So müssen neben anderen Faktoren beispielsweise die US-Kurse, der US-Dollar, die Rohstoffpreise - insbesondere im Hinblick auf Rohöl und Metalle -, die Geopolitik, die Aktien- und Zinsvolatilität, die Weltwirtschaft und die Geldpolitik der Zentralbanken in den G7-Ländern plus China berücksichtigt werden. Deshalb ist ein makrothematischer Top-Down-Investmentansatz wichtig", so Patnaik. "Ich verfüge über eine 30-jährige Erfahrung in Investments in Schwellenländeranleihen und habe in dieser Zeit noch nie einen Bottom-up-Ansatz erlebt, der in der Lage ist, das Kundenkapital zu schützen und Drawdowns so erfolgreich zu begrenzen wie ein Top-down-Ansatz." (08.07.2019/alc/a/a)


