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Emerging-Market-Debt-Rally geht weiter


31.01.18 12:16
GAM

Berlin (www.anleihencheck.de) - Zwei Jahre in Folge konnten Emerging-Markets-Anleihen (EM-Debt) auf Lokalwährungen zweistellige Renditen erwirtschaften: 2016 fast 10 Prozent und 2017 sogar 15,2 Prozent, so die Experten von GAM.

Angesichts dieser eindrucksvollen Zuwächse stelle sich die Frage, wie lange die EM-Debt-Rally noch anhalten könne. Michael Biggs, Investment Manager bei GAM, sei davon überzeugt, dass die Wachstumsaussichten für Schwellenländeranleihen auf Lokalwährungen auch für das Jahr 2018 positiv seien: "Zunehmende Devisenreserven und ein stärkeres Wirtschaftswachstum kamen Schwellenländerwährungen in den vergangenen zwei Jahren zugute. Wir gehen davon aus, dass sich diese beiden Trends 2018 fortsetzen werden."

Solange die Schwellenländer einen Leistungsbilanzüberschuss erwirtschafteten, sei die Gefahr einer andauernden Verkaufswelle bei Emerging-Markets-Anleihen sehr gering. Der Leistungsbilanzüberschuss seit Anfang 2016 habe für eine Stabilisierung der Kapitalzuflüsse gesorgt. Dies habe zu einem Nettozufluss in die Schwellenländer und zu steigenden Devisenreserven geführt. Die Rally der Schwellenländerwährungen habe lediglich einen kurzen Einbruch durch die Präsidentschaftswahl in den USA 2016 verzeichnet. "Die Aussichten für diese Währungen hängen daher von den Aussichten für die Kapitalzuflüsse ab", erkläre Biggs. Derzeit hätten die Schwellenländer einen sehr geringen Nettokapitalabfluss verzeichnet.

"Die Kapitalzuflüsse lagen im Durchschnitt bei 35 Milliarden US-Dollar pro Quartal. Unserer Meinung nach macht es Sinn, dass Kapital von den Industrieländern in die Schwellenländer fließt, in denen das Wachstum und die Kapitalerträge höher ausfallen dürften", so Biggs weiter.

Im 4. Quartal 2015 habe das Wirtschaftswachstum der Schwellenländer mit annualisiert 2,7 Prozent seinen bisherigen Tiefststand erreicht. Für das 4. Quartal 2017 rechne Biggs mit 4 Prozent. Der Wachstumsausblick sei für EM-Debt auf Lokalwährungen besonders wichtig. "Bei starkem Wachstum entwickeln sich Schwellenländer als Risikoanlage tendenziell gut. Für ein pessimistisches Szenario im Hinblick auf Schwellenländeranleihen auf Lokalwährungen müssten erstens die Nettokapitalzuflüsse in Schwellenländern auf null zurückgehen und zweitens das Kreditwachstum in den Schwellenländern auf Stände wie zuletzt in den Jahren 1999 und 2008 fallen", erkläre Biggs.

Der Experte erwarte, dass das Kreditwachstum und die Kapitalzuflüsse zunehmen würden - entsprechend gut dürften sich Schwellenländerwährungen entwickeln und Anlegern attraktive Renditen bescheren. "Unter diesen Umständen würden wir davon ausgehen, dass 2018 die Rendite von EM-Debt in lokaler Währung von 5 auf 10 Prozent steigt", schätze Biggs.

Ein stärkerer US-Dollar, eine Verlangsamung des chinesischen Wachstums und der Rohstoffpreise, politische Risiken sowie die derzeitige Übergewichtung der Anleger in Emerging-Markets-Anleihen hätten jedoch Risikofaktoren dargestellt.

Jüngste Indikatoren hätten auf eine Lockerung der Kreditbedingungen in den USA hingedeutet. "Sollte das Steuerreformpaket umgesetzt werden und wirksamer sein als von uns erwartet, könnte sich das BIP-Wachstum in den USA 2018 der Marke von 3 Prozent annähern. Unter diesen Umständen könnten die Renditen steigen und der US-Dollar zulegen", erkläre Biggs.

Das verlangsamte Kreditwachstum in China habe für einen negativen Kreditimpuls gesorgt, der die Immobilienverkäufe habe stagnieren lassen. "Der Anstieg der Immobilienverkäufe hat die Rohstoffpreise gestützt. Es ist noch unklar, wie diese auf schwächere Wohnimmobilienmärkte reagieren werden. Die starke externe Nachfrage und die Entwicklung zu einer konsumentenorientierten Wirtschaft sollten aber eine harte Landung in China verhindern, und eine allmähliche Verlangsamung der Konjunktur wird nicht die Emerging-Markets-Investmentstory behindern", so Biggs.

Die USA und deren Haltung zum Welthandel würden weiterhin ein großes politisches Risiko bleiben. Fortschritte bei den NAFTA-Verhandlungen könnten insbesondere auf Mexiko einen tief greifenden Einfluss haben. Sollten die USA jedoch auf stärkeren Protektionismus und höhere Zölle umschwenken, hätte dies erhebliche Auswirkungen auf alle Schwellenländerwährungen. Gleichzeitig könnten die Wahlen in Mexiko, der Reformprozess und die Wahlen in Brasilien, die Ausrichtung der parteipolitischen Programme in Südafrika und die Entwicklungen in der Türkei die Volatilität von Schwellenländerrenditen erhöhen.

Laut der unter internationalen Fondsmanagern durchgeführten BAML-Umfrage seien Anleger mittlerweile in demselben Maße in Schwellenländern übergewichtet wie Anfang 2013. "Das Jahr 2013 hat gezeigt, dass es zu einer massiven Verkaufswelle kommen kann, wenn jeder in Emerging Markets übergewichtet ist. Heute ist die Situation jedoch ganz anders als 2013. Damals verzeichneten die Schwellenländer im vierten Jahr in Folge außergewöhnlich hohe Zuflüsse", sage Biggs.

Doch obwohl all diese Risiken zu Volatilität und negativen Erträgen führen könnten, rate Biggs dazu, sich nicht rein auf Verlustvermeidung zu konzentrieren: "Die Wahrscheinlichkeit, dass Anlegern dabei attraktive Renditen entgehen, ist hoch."

Trotz Rally seien die Bewertungen der Schwellenländer um einiges attraktiver als noch zu Anfang 2013. Die EM-Debt-Renditen seien 2017 das ganze Jahr über zurückgegangen. "Mit 6,1 Prozent per Ende Dezember 2017 liegen sie immer noch 70 Basispunkte unter dem seit 2003 herrschenden Durchschnitt von 6,9 Prozent", sage Biggs.

Ähnliches gelte für die realen effektiven Wechselkurse. "Obwohl die Schwellenländer zugelegt haben, sind Schwellenländeranleihen in Landeswährung nicht besonders teuer und ganz sicher nicht ansatzweise so teuer wie 2013", so der Experte. Zwar würden die Renditen mit hoher Wahrscheinlichkeit künftig stärker schwanken als in den letzten zwei Jahren. Diese Volatilität sei jedoch typisch für die Anlageklasse und kein Grund, zu verkaufen. "Das einzige fundamentale Risiko, das wir beobachten müssen, ist das verlangsamte Wachstum in China. Wir gehen vorerst davon aus, dass sich diese Verlangsamung graduell vollziehen wird und halten Anlagen in EM-Debt daher weiterhin für eine interessante Investmentgelegenheit", schließe Biggs. (31.01.2018/alc/a/a)