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Eine Stagflation ist das wahrscheinlichste Szenario


18.07.22 10:30
Generali Investments

Köln (www.anleihencheck.de) - Mit Blick auf die zweite Jahreshälfte sind die Experten von Plenisfer Investments, eine Management-Einheit von Generali Investments, der Ansicht, dass eine Stagflation das wahrscheinlichste Zukunftsszenario bleibt.

Der Zyklus der geldpolitischen Straffung und der Konjunkturabschwächung würden in den kommenden Monaten die Hauptthemen auf den Finanzmärkten sein.

Die Erholung nach der Covid-Krise habe dazu geführt, dass einige wichtige Stellenmärkte, die bereits eng gewesen seien, an ihre Grenzen stoßen würden. Es sei zwar noch zu früh, um endgültige Schlussfolgerungen zu ziehen, aber die Experten der Meinung, dass es für die Zentralbanken schwierig sein werde, die Inflation von den derzeitigen Niveaus aus einzudämmen, auch wenn sie sich nach Kräften bemühen würden, die Erwartungen zu stabilisieren. Die angespannte Suche nach Fachkräften in Verbindung mit den soliden Bilanzen der privaten Haushalte und Unternehmen würden die Experten davon ausgehen lassen, dass die FED der Inflationsbekämpfung Vorrang vor der Verteidigung der Finanzmärkte einräumen werde.

In der Eurozone seien die Inflationssorgen hauptsächlich auf die steigenden Energiepreise zurückzuführen, weshalb die Experten davon ausgehen würden, dass festverzinsliche Wertpapiere weiterhin unter Druck stehen würden. All diese Faktoren könnten die europäischen Aktienmärkte weiter belasten. Eine globale Konjunkturabschwächung bei starkem Dollar trage nicht dazu bei, die Währungen der Schwellenländer zu stützen, die im bisherigen Monatsverlauf bereits deutlich unterdurchschnittlich abgeschnitten hätten und weiterhin unter Druck stehen würden. Die Experten würden eine Allokation in Lokalwährungsanleihen noch für verfrüht halten.

Im Hinblick auf Aktien sollten wir bedenken, dass die Verbraucherausgaben und die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe im Laufe des Jahres 2022 zurückgegangen seien, während die Beschäftigungszahlen robust bleiben würden und die Bilanzen des Privatsektors sowohl in den USA als auch in Europa in guter Verfassung seien. Der kräftige Aufschwung nach der Covid-Krise, der im ersten Quartal des Jahres eingesetzt habe, habe vielen Unternehmen solide Gewinne und günstige Refinanzierungsprofile nach zwei Jahren mit billiger Liquidität beschert. Im bisherigen Jahresverlauf habe die Korrektur an den Aktienmärkten zu einer Anpassung der Bewertungen geführt, und obwohl die Märkte immer noch etwas übermütig seien, würden wir uns rasch den langfristigen Durchschnittswerten annähern. Die Experten seien der Ansicht, dass die aktuelle Berichtssaison entscheidend sein werde, um das volle Ausmaß des Schadens bei den Unternehmensgewinnen zu erkennen, der durch steigende Kosten entstanden sei. Und um festzustellen, ob sie in der Lage seien, die gestiegenen Produktionskosten an ihre Kunden weiterzugeben. Sollte dies der Fall sein, werde sich die Inflation als noch hartnäckiger erweisen als von den Experten prognostiziert.

Die Experten von Plenisfer Investments gehen davon aus, dass die Rohstoffpreise mittel- bis langfristig weiterhin Unterstützung finden werden, da die Produktionskapazitäten aufgrund jahrelanger Unterinvestition reduziert wurden und gleichzeitig die Nachfrage nach Industriemetallen, die im Rahmen der grünen Transformation eingesetzt werden, steigt. Die Notwendigkeit, neue Energiequellen zu erschließen, um das russische Angebot zu decken, werde die Produktion mittelfristig ebenfalls stützen, obwohl eine mögliche Beilegung des Krieges die Nachfrage kurzfristig beeinflussen könnte.

Nach Ansicht der Experten von Plenisfer Investments werden die Hauptrisiken in der zweiten Jahreshälfte neben der Inflation die geopolitische Unsicherheit und die Energieunsicherheit sein. Einerseits könnten die Auswirkungen des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine den Welthandel und das Wirtschaftswachstum weiter beeinträchtigen. Andererseits hätten die Finanzmärkte bereits erhebliche Korrekturen erfahren, so dass sich in den kommenden Monaten einige Bewertungsgelegenheiten ergeben könnten, die es zu nutzen gelte. (18.07.2022/alc/a/a)