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Ebbe und Flut an den Anleihemärkten
06.03.19 12:30
ETHENEA
Munsbach (www.anleihencheck.de) - Die Liquidität für Unternehmensanleihen an den Kapitalmärkten gleicht dem Kommen und Gehen des Wassers bei den Gezeiten, so Guido Barthels, Senior Portfolio Manager bei ETHENEA.
Ein gravierender Unterschied zwischen den Bondmärkten und den Gezeiten sei allerdings, dass es für jeden Ort der Welt einen Tidenkalender gebe, dem man exakt entnehmen könne, wie hoch bzw. niedrig das Wasser zu jedem beliebigen Zeitpunkt stehe. Selbst wenn ein solcher Kalender nicht zur Hand sei, könne man mit den entsprechenden Kenntnissen und einem Taschenrechner den Wasserstand bestimmen, da die Kausalzusammenhänge bestens bekannt seien.
Im Falle der Liquidität für Unternehmensanleihen sei das leider nicht so.
Man könne die Ursachen für momentane Liquiditätsengpässe an den Märkten nur erahnen und mithilfe von Deduktion versuchen, Kausalzusammenhänge zu bestimmen. Seit wir uns Ende 2013 das letzte Mal diesem Thema gewidmet haben, hat sich die Situation weiterhin verschlechtert, so die Experten von ETHENEA. Man könne nur vermuten, warum dies so sei.
Zuerst möchten die Experten von ETHENEA allerdings noch einmal ihre These für die Gründe der (zeitweisen) Illiquidität für Unternehmensanleihen generell und für bestimmte Anleihetypen wie beispielsweise Nachranganleihen und High-Yield-Anleihen im Speziellen darlegen. Die einzig wirklich belastbaren Daten für diese These finde man in der Datenbank der New Yorker FED. Die designierten Market Maker für US-Staatsanleihen, die so genannten Primary Dealer, würden jeden Donnerstag ihre Handelsbücherbestände an die Notenbank melden. Die Aufzeichnungen würden zeigen, dass das Volumen der Handelsbestände der Primary Dealer für USD-denominierte Unternehmensanleihen seit dem Beginn der Finanzmarktkrise von USD 264 Milliarden (Anfang 2007) auf zuletzt lediglich USD 11 Milliarden, also auf nur noch ca. 4% dramatisch gesunken sei. Über den gleichen Zeitraum sei das Gesamtvolumen des Marktes der USD-denominierten Unternehmensanleihen von USD 21.000 Milliarden um USD 1.000 Milliarden gewachsen. Bis Anfang 2008 seien sowohl das Volumen der Handelsbücher wie auch deren jeweilige Volumina stetig gewachsen.
Was sei also geschehen? Zum einen hätten die Banken auf die deutlich steigenden Refinanzierungskosten am Markt reagiert, was letztendlich ja auch den Zusammenbruch von Lehman Brothers im September 2008 verursacht habe. Die Banken hätten zu diesem Zeitpunkt zwar noch nicht ihre Handelsbücher mit Eigenkapital unterfüttern müssen, seien aber zunehmend vorsichtiger geworden. Erst die Einführung von Basel III ab 2014 habe eine rechtliche Zuordnung von Eigenkapital in den Handelsbüchern erfordert, was deren Attraktivität natürlich signifikant reduziert habe.
Die Aufsichtsbehörden hätten reagiert und den Kapitalmarkt in ihren Augen ein Stück sicherer gemacht. Für den Bankensektor möge das auch soweit richtig sein. Mehr haftendes Eigenkapital vermeide die Entstehung von Banken, die eigentlich eher wie Hedge-Fonds agieren würden, von denen es vor der Finanzmarktkrise einige gegeben habe. Allerdings hätten die Behörden mit Basel III möglicherweise das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Die "Pufferfunktion" der Banken sei zu einem großen Teil verloren gegangen. Während die Banken vor der Finanzmarktkrise in Zeiten sich abschwächender Konjunktur und sich ausweitender Credit Spreads von Anleihen ihre Bücher sukzessive gefüllt hätten und diese Phase mithilfe von Risikomanagement hätten überstehen können, würden Banken heute eher als Broker fungieren, d.h. sie würden diese Positionen mehr oder minder einfach weiter handeln. Wenn sich Kapitalsammelstellen also in einer anstehenden Schwächephase unisono von Kreditrisiken befreien möchten, dann sei das weitere Handeln dieser Positionen kaum mehr möglich, da schlichtweg der Käufer fehle. Der Abgabedruck führe dann dazu, dass die Renditen ohne nennenswerten Umsatz ansteigen bzw. die Preise nach unten rauschen würden.
Bei Fonds habe sich erst in den letzten Jahren ein Herdentrieb so deutlich ausgebildet. Extrem niedrige Renditen und damit auch eine entsprechend niedrig laufende Verzinsung, die zum Teil dem Aufkaufprogramm der EZB geschuldet seien, würden Fondsmanager zum Handeln zwingen. Adverse Marktbewegungen müssten möglichst vermieden werden, um die mageren Erträge über die Ziellinie zu retten. Die ganze Herde laufe also fast immer in die gleiche Richtung, verstärke damit die Trends und vergrößere die Amplitude.
Der große Erfolg der passiven Fonds, auch derer, die auf Unternehmensanleihen spezialisiert seien, sei ein weiterer Faktor, der verstärkend wirke. Passive Fondsmanager hätten wenig Handlungsspielraum bei Zu- oder Abflüssen und würden daher jeden Trend verstärken.
Wir haben es also mit einem sehr fragilen Markt zu tun, bei dem aus einem kleinen Schnupfen schnell eine ausgewachsene Lungenentzündung entstehen kann, so die Experten von ETHENEA. Allerdings könne die besagte Lungenentzündung auch genauso schnell vorüber sein, wie sie gekommen sei. Im November und Dezember 2018 habe der Markt für Unternehmensanleihen bereits eine starke Erkältung gehabt. Die Liquidität sei quasi nicht mehr vorhanden gewesen - vor allem, wenn man habe verkaufen wollen. Die Renditeaufschläge hätten sich deutlich ausgeweitet, um sich dann im Januar 2019 wieder deutlich einzuengen. Trotz hoher Emissionsvolumen der Unternehmen seien neue Anleihen vielfach überzeichnet, was schon während der Emissionsphase zu einer deutlichen Spreadeinengung führe. Die Käufer würden sich derzeit verhalten, als ob die letzten beiden Monate des vergangenen Jahres nicht gewesen wären. Kurzzeitgedächtnis!
Eine andere besondere Entwicklung bei vielen Banken führe ein weiteres Dilemma vor Augen. Viele Wertpapierhändler würden mit progressiven Kapitalkosten belastet. Das bedeute, je länger ein Wertpapier in den Büchern des Händlers stehe, umso höher seien seine (fiktiven) Kosten. Diese Tatsache führe zu einer weiteren Verzerrung des Marktes zugunsten so genannter Frequent Issuers, also Emittenten die häufig am Kapitalmarkt auftreten würden. Seltene Emittenten oder schlechtere Ratings oder Nachrangpapiere hätten eine stark eingeschränkte Liquidität.
Man sollte in der Lage sein, die sprichwörtlichen Regenwürmer husten zu hören, um im Idealfall vor der Herde den Fonds auf schlechtere Zeiten umzustellen: Bessere Ratings, kürzere Laufzeiten, bekanntere Namen. Wenn man zu früh agiere, dann koste es im Vergleich zu viel Performance und sei weder für den Portfolio Manager noch den Kunden zufrieden stellend. Wenn man jedoch zu spät agiere, dann koste es auch zu viel Performance und sei ebenfalls weder für den Portfolio Manager noch den Kunden zufrieden stellend. Nur die richtige Balance zwischen Chance und Risiko sei daher für Investments in dieser Assetklasse angemessen und ein langjähriges Credo bei ETHENEA.
Zum einen scheint die wirtschaftliche Entwicklung, ähnlich wie wir es bereits in unserem Marktkommentar im Januar umrissen hatten, einen ausgesprochen großen "Softspot" zu entwickeln, so die Experten von ETHENEA. Die deutsche Wirtschaftsleistung habe im vierten Quartal 2018 gerade noch 0% vorweisen können, sodass hier im Gegensatz zu Italien die technische Rezession gerade so habe vermieden werden können. Die Industrieproduktion sei europaweit arg am schwächeln. Auch in den USA habe der Konsum zuletzt einen Rückgang verzeichnet.
Die Bloomberg Überraschungsindikatoren für die USA wie auch für die Eurozone würden ein ernüchterndes Bild zeigen. Während die USA erst seit Jahresbeginn mit negativen Überraschungen aufwarten würden, verschlechtere sich das Bild in der Eurozone seit einem Jahr gegenüber den Erwartungen. Es falle einem zunehmend schwer den Optimismus der Aktienmärkte nachzuvollziehen. Der DAX seit Jahresbeginn bei plus 4,13%, der S&P 500 bei plus 3,11%. Die Credit Spreads engen sich ein und nur die Renditen von Staatsanleihen scheinen die wirtschaftliche Schwäche zu spüren, so die Experten von ETHENEA. Ein Rätsel, das für den Moment ungelöst sei.
Der Brexit, etwas, was für viele ein Synonym für Chaos und Durcheinander zu sein scheine, gehe in die letzte Runde. Auch wenn es viele für nicht möglich halten würden, deute einiges darauf hin, dass Großbritannien kollektiv wirtschaftlichen Selbstmord begehe und ohne Deal aus der EU austrete. Inoffiziellen Zählungen zufolge habe Großbritannien bereits jetzt durch einen kumulativen Jobverlust von mehreren hunderttausend Stellen unwiderruflichen Schaden genommen. Dyson, ein Befürworter des Brexits, habe nonchalant seine Produktion nach Singapur verlegt! Es würden unzählige weitere Beispiele von scheinheiligem Verhalten der bekannten Brexit-Befürworter existieren. Es mute bizarr an, dass bei all dem Ungemach der gemeine, in die Irre geführte Brite nicht längst auf den Barrikaden stehe. Es sei ihm wahrscheinlich nicht in die Wiege gelegt. "Stiff upper lip" sei eben nicht jedermanns Sache. Man mag sich kaum ausmalen, wie die Situation z.B. bei unserem Streik-verliebten Nachbarn Frankreich aussehen würde, so die Experten von ETHENEA.
Das hochgelobte britische Parlament scheine indes unfähig, der Lösung näher zu kommen, geschweige denn zu definieren, was denn überhaupt "die Lösung" sei. Komplettes Versagen der repräsentativen Demokratie. Auch das Agieren einer Theresa May scheine schon fast hilflos. Ohne jede Mehrheit im Parlament sei sie fast der Inbegriff einer "Lame Duck". Auch ihr bisher letzter Versuch, Ordnung in das Abstimmungswirrwarr zu bringen, sei gescheitert. Ob es am 12.30., 13.03. oder 14.03. besser laufe? Man möge es kaum glauben. Man könne nur hoffen, dass kurz vor Toresschluss noch ein Einsehen einsetze und der Brexit schlicht und ergreifend zurückgenommen werde. Ein zweites Referendum indes sollte nicht mehr stattfinden. Das Land sei tief gespalten zwischen Befürwortern und Gegnern und es erscheine wenig sinnvoll, die Gräben noch zu vertiefen. Denn schließlich gelte nach wie vor meine Überzeugung, dass ein derartig komplexes Problem wie der Brexit denkbar ungeeignet für ein Plebiszit ist, und das gilt auch für das zweite oder gar dritte Mal, so Guido Barthels, Senior Portfolio Manager bei ETHENEA. Hier gelte Daumen drücken und auf die Queen hoffen.
Eine andere Baustelle tauche indes auf der iberischen Halbinsel auf. Minderheitsregierungschef Sánchez rufe am 15. Februar nach gerade mal acht Monaten Regierungszeit Neuwahlen aus. Der Markt scheine dies zu begrüßen, wenn man sich den Preisverlauf des spanischen Credit Default Swap ansehe. Nachdem letztes Frühjahr im Chaos um die Provinz Katalonien die Prämie nach oben geschnellt sei, sehe der Markt Neuwahlen als etwas Positives. Man könne es eigentlich nur so erklären, dass die instabile Situation mit einer Minderheitsregierung schlechter sei als die Möglichkeit, selbst auf die Gefahr eines Erstarkens der Rechtspopulisten hin eine stabile Mehrheit zu bekommen.
Was für Spanien möglicherweise gut sei, werde für Europa aber schlecht sein. Die Europawahl, gerade einmal einen Monat nach der vorgezogenen Wahl in Spanien, bringe möglicherweise dann weitere Europaskeptiker in das Europaparlament. Und das zu einer Zeit, zu der viele Stimmen für ein stärkeres Europa plädieren würden, gerade im Hinblick auf die globale Konkurrenz aus den USA, China, Russland und Indien. Kurzfristig die Partikularinteressen eines Landes oder gar einer Provinz zu vertreten, sei genau das: Kurzsichtig und engstirnig. Um die Stellung Europas im globalen Wettbewerb, um Märkte und Interessen wahrnehmen zu können, bedürfe es eines starken Europas. (Ausgabe 3 vom März 2019) (06.03.2019/alc/a/a)
Ein gravierender Unterschied zwischen den Bondmärkten und den Gezeiten sei allerdings, dass es für jeden Ort der Welt einen Tidenkalender gebe, dem man exakt entnehmen könne, wie hoch bzw. niedrig das Wasser zu jedem beliebigen Zeitpunkt stehe. Selbst wenn ein solcher Kalender nicht zur Hand sei, könne man mit den entsprechenden Kenntnissen und einem Taschenrechner den Wasserstand bestimmen, da die Kausalzusammenhänge bestens bekannt seien.
Im Falle der Liquidität für Unternehmensanleihen sei das leider nicht so.
Man könne die Ursachen für momentane Liquiditätsengpässe an den Märkten nur erahnen und mithilfe von Deduktion versuchen, Kausalzusammenhänge zu bestimmen. Seit wir uns Ende 2013 das letzte Mal diesem Thema gewidmet haben, hat sich die Situation weiterhin verschlechtert, so die Experten von ETHENEA. Man könne nur vermuten, warum dies so sei.
Zuerst möchten die Experten von ETHENEA allerdings noch einmal ihre These für die Gründe der (zeitweisen) Illiquidität für Unternehmensanleihen generell und für bestimmte Anleihetypen wie beispielsweise Nachranganleihen und High-Yield-Anleihen im Speziellen darlegen. Die einzig wirklich belastbaren Daten für diese These finde man in der Datenbank der New Yorker FED. Die designierten Market Maker für US-Staatsanleihen, die so genannten Primary Dealer, würden jeden Donnerstag ihre Handelsbücherbestände an die Notenbank melden. Die Aufzeichnungen würden zeigen, dass das Volumen der Handelsbestände der Primary Dealer für USD-denominierte Unternehmensanleihen seit dem Beginn der Finanzmarktkrise von USD 264 Milliarden (Anfang 2007) auf zuletzt lediglich USD 11 Milliarden, also auf nur noch ca. 4% dramatisch gesunken sei. Über den gleichen Zeitraum sei das Gesamtvolumen des Marktes der USD-denominierten Unternehmensanleihen von USD 21.000 Milliarden um USD 1.000 Milliarden gewachsen. Bis Anfang 2008 seien sowohl das Volumen der Handelsbücher wie auch deren jeweilige Volumina stetig gewachsen.
Was sei also geschehen? Zum einen hätten die Banken auf die deutlich steigenden Refinanzierungskosten am Markt reagiert, was letztendlich ja auch den Zusammenbruch von Lehman Brothers im September 2008 verursacht habe. Die Banken hätten zu diesem Zeitpunkt zwar noch nicht ihre Handelsbücher mit Eigenkapital unterfüttern müssen, seien aber zunehmend vorsichtiger geworden. Erst die Einführung von Basel III ab 2014 habe eine rechtliche Zuordnung von Eigenkapital in den Handelsbüchern erfordert, was deren Attraktivität natürlich signifikant reduziert habe.
Die Aufsichtsbehörden hätten reagiert und den Kapitalmarkt in ihren Augen ein Stück sicherer gemacht. Für den Bankensektor möge das auch soweit richtig sein. Mehr haftendes Eigenkapital vermeide die Entstehung von Banken, die eigentlich eher wie Hedge-Fonds agieren würden, von denen es vor der Finanzmarktkrise einige gegeben habe. Allerdings hätten die Behörden mit Basel III möglicherweise das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Die "Pufferfunktion" der Banken sei zu einem großen Teil verloren gegangen. Während die Banken vor der Finanzmarktkrise in Zeiten sich abschwächender Konjunktur und sich ausweitender Credit Spreads von Anleihen ihre Bücher sukzessive gefüllt hätten und diese Phase mithilfe von Risikomanagement hätten überstehen können, würden Banken heute eher als Broker fungieren, d.h. sie würden diese Positionen mehr oder minder einfach weiter handeln. Wenn sich Kapitalsammelstellen also in einer anstehenden Schwächephase unisono von Kreditrisiken befreien möchten, dann sei das weitere Handeln dieser Positionen kaum mehr möglich, da schlichtweg der Käufer fehle. Der Abgabedruck führe dann dazu, dass die Renditen ohne nennenswerten Umsatz ansteigen bzw. die Preise nach unten rauschen würden.
Bei Fonds habe sich erst in den letzten Jahren ein Herdentrieb so deutlich ausgebildet. Extrem niedrige Renditen und damit auch eine entsprechend niedrig laufende Verzinsung, die zum Teil dem Aufkaufprogramm der EZB geschuldet seien, würden Fondsmanager zum Handeln zwingen. Adverse Marktbewegungen müssten möglichst vermieden werden, um die mageren Erträge über die Ziellinie zu retten. Die ganze Herde laufe also fast immer in die gleiche Richtung, verstärke damit die Trends und vergrößere die Amplitude.
Wir haben es also mit einem sehr fragilen Markt zu tun, bei dem aus einem kleinen Schnupfen schnell eine ausgewachsene Lungenentzündung entstehen kann, so die Experten von ETHENEA. Allerdings könne die besagte Lungenentzündung auch genauso schnell vorüber sein, wie sie gekommen sei. Im November und Dezember 2018 habe der Markt für Unternehmensanleihen bereits eine starke Erkältung gehabt. Die Liquidität sei quasi nicht mehr vorhanden gewesen - vor allem, wenn man habe verkaufen wollen. Die Renditeaufschläge hätten sich deutlich ausgeweitet, um sich dann im Januar 2019 wieder deutlich einzuengen. Trotz hoher Emissionsvolumen der Unternehmen seien neue Anleihen vielfach überzeichnet, was schon während der Emissionsphase zu einer deutlichen Spreadeinengung führe. Die Käufer würden sich derzeit verhalten, als ob die letzten beiden Monate des vergangenen Jahres nicht gewesen wären. Kurzzeitgedächtnis!
Eine andere besondere Entwicklung bei vielen Banken führe ein weiteres Dilemma vor Augen. Viele Wertpapierhändler würden mit progressiven Kapitalkosten belastet. Das bedeute, je länger ein Wertpapier in den Büchern des Händlers stehe, umso höher seien seine (fiktiven) Kosten. Diese Tatsache führe zu einer weiteren Verzerrung des Marktes zugunsten so genannter Frequent Issuers, also Emittenten die häufig am Kapitalmarkt auftreten würden. Seltene Emittenten oder schlechtere Ratings oder Nachrangpapiere hätten eine stark eingeschränkte Liquidität.
Man sollte in der Lage sein, die sprichwörtlichen Regenwürmer husten zu hören, um im Idealfall vor der Herde den Fonds auf schlechtere Zeiten umzustellen: Bessere Ratings, kürzere Laufzeiten, bekanntere Namen. Wenn man zu früh agiere, dann koste es im Vergleich zu viel Performance und sei weder für den Portfolio Manager noch den Kunden zufrieden stellend. Wenn man jedoch zu spät agiere, dann koste es auch zu viel Performance und sei ebenfalls weder für den Portfolio Manager noch den Kunden zufrieden stellend. Nur die richtige Balance zwischen Chance und Risiko sei daher für Investments in dieser Assetklasse angemessen und ein langjähriges Credo bei ETHENEA.
Zum einen scheint die wirtschaftliche Entwicklung, ähnlich wie wir es bereits in unserem Marktkommentar im Januar umrissen hatten, einen ausgesprochen großen "Softspot" zu entwickeln, so die Experten von ETHENEA. Die deutsche Wirtschaftsleistung habe im vierten Quartal 2018 gerade noch 0% vorweisen können, sodass hier im Gegensatz zu Italien die technische Rezession gerade so habe vermieden werden können. Die Industrieproduktion sei europaweit arg am schwächeln. Auch in den USA habe der Konsum zuletzt einen Rückgang verzeichnet.
Die Bloomberg Überraschungsindikatoren für die USA wie auch für die Eurozone würden ein ernüchterndes Bild zeigen. Während die USA erst seit Jahresbeginn mit negativen Überraschungen aufwarten würden, verschlechtere sich das Bild in der Eurozone seit einem Jahr gegenüber den Erwartungen. Es falle einem zunehmend schwer den Optimismus der Aktienmärkte nachzuvollziehen. Der DAX seit Jahresbeginn bei plus 4,13%, der S&P 500 bei plus 3,11%. Die Credit Spreads engen sich ein und nur die Renditen von Staatsanleihen scheinen die wirtschaftliche Schwäche zu spüren, so die Experten von ETHENEA. Ein Rätsel, das für den Moment ungelöst sei.
Der Brexit, etwas, was für viele ein Synonym für Chaos und Durcheinander zu sein scheine, gehe in die letzte Runde. Auch wenn es viele für nicht möglich halten würden, deute einiges darauf hin, dass Großbritannien kollektiv wirtschaftlichen Selbstmord begehe und ohne Deal aus der EU austrete. Inoffiziellen Zählungen zufolge habe Großbritannien bereits jetzt durch einen kumulativen Jobverlust von mehreren hunderttausend Stellen unwiderruflichen Schaden genommen. Dyson, ein Befürworter des Brexits, habe nonchalant seine Produktion nach Singapur verlegt! Es würden unzählige weitere Beispiele von scheinheiligem Verhalten der bekannten Brexit-Befürworter existieren. Es mute bizarr an, dass bei all dem Ungemach der gemeine, in die Irre geführte Brite nicht längst auf den Barrikaden stehe. Es sei ihm wahrscheinlich nicht in die Wiege gelegt. "Stiff upper lip" sei eben nicht jedermanns Sache. Man mag sich kaum ausmalen, wie die Situation z.B. bei unserem Streik-verliebten Nachbarn Frankreich aussehen würde, so die Experten von ETHENEA.
Das hochgelobte britische Parlament scheine indes unfähig, der Lösung näher zu kommen, geschweige denn zu definieren, was denn überhaupt "die Lösung" sei. Komplettes Versagen der repräsentativen Demokratie. Auch das Agieren einer Theresa May scheine schon fast hilflos. Ohne jede Mehrheit im Parlament sei sie fast der Inbegriff einer "Lame Duck". Auch ihr bisher letzter Versuch, Ordnung in das Abstimmungswirrwarr zu bringen, sei gescheitert. Ob es am 12.30., 13.03. oder 14.03. besser laufe? Man möge es kaum glauben. Man könne nur hoffen, dass kurz vor Toresschluss noch ein Einsehen einsetze und der Brexit schlicht und ergreifend zurückgenommen werde. Ein zweites Referendum indes sollte nicht mehr stattfinden. Das Land sei tief gespalten zwischen Befürwortern und Gegnern und es erscheine wenig sinnvoll, die Gräben noch zu vertiefen. Denn schließlich gelte nach wie vor meine Überzeugung, dass ein derartig komplexes Problem wie der Brexit denkbar ungeeignet für ein Plebiszit ist, und das gilt auch für das zweite oder gar dritte Mal, so Guido Barthels, Senior Portfolio Manager bei ETHENEA. Hier gelte Daumen drücken und auf die Queen hoffen.
Eine andere Baustelle tauche indes auf der iberischen Halbinsel auf. Minderheitsregierungschef Sánchez rufe am 15. Februar nach gerade mal acht Monaten Regierungszeit Neuwahlen aus. Der Markt scheine dies zu begrüßen, wenn man sich den Preisverlauf des spanischen Credit Default Swap ansehe. Nachdem letztes Frühjahr im Chaos um die Provinz Katalonien die Prämie nach oben geschnellt sei, sehe der Markt Neuwahlen als etwas Positives. Man könne es eigentlich nur so erklären, dass die instabile Situation mit einer Minderheitsregierung schlechter sei als die Möglichkeit, selbst auf die Gefahr eines Erstarkens der Rechtspopulisten hin eine stabile Mehrheit zu bekommen.
Was für Spanien möglicherweise gut sei, werde für Europa aber schlecht sein. Die Europawahl, gerade einmal einen Monat nach der vorgezogenen Wahl in Spanien, bringe möglicherweise dann weitere Europaskeptiker in das Europaparlament. Und das zu einer Zeit, zu der viele Stimmen für ein stärkeres Europa plädieren würden, gerade im Hinblick auf die globale Konkurrenz aus den USA, China, Russland und Indien. Kurzfristig die Partikularinteressen eines Landes oder gar einer Provinz zu vertreten, sei genau das: Kurzsichtig und engstirnig. Um die Stellung Europas im globalen Wettbewerb, um Märkte und Interessen wahrnehmen zu können, bedürfe es eines starken Europas. (Ausgabe 3 vom März 2019) (06.03.2019/alc/a/a)


