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EZB wird Jumbo-Zinserhöhung um 0,75% beschließen


26.10.22 12:15
Generali Investments

Köln (www.anleihencheck.de) - Die Gründe für eine weitere Straffung der Geldpolitik sind nach wie vor gegeben, so Martin Wolburg, Senior Volkswirt bei Generali Investments.

Angesichts einer Inflationsrate von rund 10% im Jahresvergleich, eines erhöhten und umfassenden Preisdrucks und Inflationserwartungen, die durchgängig über der 2%-Norm lägen, bestehe eindeutig Bedarf an weiteren entschlossenen politischen Maßnahmen. Die Mitglieder des EZB-Rats würden weiterhin die Notwendigkeit höherer Leitzinsen betonen. Die Experten würden davon ausgehen, dass sich die EZB auf ihrer Sitzung am 27. Oktober für eine weitere Jumbo-Zinserhöhung um 75 Basispunkte entscheiden werde. Gleichzeitig werde EZB-Präsidentin Lagarde deutlich machen, dass weitere Zinserhöhungen bevorstünden. Mit einem Einlagensatz von dann 1,5% werde jedoch der so genannte neutrale Bereich (zwischen 1% und 2%) erreicht werden.

Die Experten würden Hinweise darauf erwarten, dass auch die Reduzierung der Bilanzsumme im Zuge der Rückführung der Käufe im Rahmen des Programms zum Ankauf von Vermögenswerten eine Rolle spielen werde. Da die Inflation wahrscheinlich jetzt (September/Oktober) ihren Höhepunkt erreicht habe und sich der Euroraum bereits in einer Rezession befinde, verliere die Begründung für weitere drastische Zinserhöhungen etwas an Gewicht. Alles in allem werde die EZB erneut die Datenabhängigkeit betonen, während sie im Straffungsmodus bleibe. Im Dezember werde sie bei der Aktualisierung ihrer makroökonomischen Rück- und Ausblicke eine gründlichere Bewertung der Politik vornehmen. (26.10.2022/alc/a/a)