Erweiterte Funktionen
EZB wird Ende des Jahres handeln
07.04.22 16:06
Generali Investments
Köln (www.anleihencheck.de) - Das Ausmaß der negativen wirtschaftlichen Auswirkungen wird von den weiteren militärischen und politischen Ereignissen des Krieges abhängen, die sich auf verschiedene unbekannte Weise entwickeln können, so das Research-Team von Generali Investments.
Das zentrale Szenario der Experten gehe von langwierigen Kämpfen und anhaltenden Sanktionen aus. Sie würden davon ausgehen, dass der Preis für Öl und Gas länger auf einem höheren Niveau verharren werde. Der Stagflationsdruck werde in Europa besonders akut sein, da 57,5% des Bruttoenergiebedarfs der EU durch Importe gedeckt würden. Die Experten von Generali Investments haben ihre kumulierten Wachstumsprognosen 2022/23 für den Euroraum um 2,4 Prozentpunkte gegenüber ihrer Januar-Prognose korrigiert, vor allem wegen der Auswirkungen des Krieges. Auch würden die USA und in geringerem Maße China betroffen sein. Viele arme Länder, insbesondere auf dem afrikanischen Kontinent, würden die steigenden Lebensmittelpreise zu spüren bekommen, was nicht nur das Risiko für das Wachstum, sondern auch für soziale Unruhen erhöhe.
In einem ungünstigen Szenario einer weiteren deutlichen militärischen Eskalation und strafenden Sanktionen einschließlich russischer Gas- und Ölexporte, würden die Energiepreise weiter in die Höhe schießen. Das Eurogebiet stünde vor einer beträchtlichen Rezession in diesem Frühjahr/Sommer. Erweiterte fiskalische Unterstützung würde diesen Effekt nur teilweise abmildern. Eine überschießende Inflation werde den Zentralbanken weitgehend die Hände binden, wenn auch in unterschiedlichem Maße. Die meisten würden ihre hawkishe Position aufweichen, aber nur moderat, um nicht die Kontrolle über die Preise zu verlieren.
Der russische Krieg gegen die Ukraine habe die EZB weiter in ein Dilemma gestürzt. Einerseits würden die in die Höhe geschossenen Energie- und Rohstoffpreise den ohnehin schon hohen Inflationsdruck verstärken, der weiter anhalten werde. Import-, Erzeuger- und Rohstoffpreise sowie Konjunkturumfragen würden auf einen unverminderten Inflationsdruck hindeuten. Und da der Arbeitsmarkt in guter Verfassung sei, sähen die Experten das Potenzial für deutlich steigende Löhne. Andererseits rechtfertige die sich abzeichnende starke Verlangsamung eher eine Lockerung als eine Straffung der Politik. Auch die Finanzierungsbedingungen hätten sich aufgrund der aggressiveren Haltung der FED verschlechtert.
In diesem Dilemma würden die Experten erwarten, dass die EZB mit Vorsicht vorgehen werde. Sie werde ihre Anleihekäufe wahrscheinlich im dritten Quartal 2022 beenden, aber erst im Dezember handeln (durch eine Anhebung um 25 Basispunkte), wenn sich die Wirtschaftstätigkeit wieder verbessere und die Erwartung höherer Löhne eintrete. Danach würden die Experten eine weitere maßvolle Normalisierung der Politik erwarten. Die Risiken sprächen eindeutig für eine frühere erste Zinserhöhung, z.B. aufgrund hohen der Inflationserwartungen. Umgekehrt seien die Hürden für ein Nichthandeln oder gar eine Verlängerung der quantitativen Lockerung hoch. Es bräuchte nach Ansicht der Experten eine tiefe Rezession, um die EZB daran zu hindern, auf das erheblich veränderte Inflationsumfeld zu reagieren.
US-Firmen seien kaum in Lieferketten eingebunden, die die Ukraine oder Russland einschließen würden. Das Land sei auch fast autark in der Energieversorgung, so dass die direkten Auswirkungen des Krieges weniger akut seien als in Europa. Allerdings werde der Anstieg der bereits stark gestiegenen Rohstoffpreise den Inflationsdruck noch verstärken. Mit mehr als 1,7 verfügbaren Arbeitsplätzen pro Arbeitslosen sei der Arbeitsmarkt extrem angespannt. Rasch steigende Löhne könnten zu einer Beschleunigung der Mieten führen und die anhaltenden Auswirkungen von Versorgungsengpässen würden die Warenpreise erhöhen. Die Kerninflation habe im Februar 6,1% erreicht und werde voraussichtlich auf diesem Niveau bleiben oder sogar leicht ansteigen für das nächste Quartal. Die Experten würden nicht davon ausgehen, dass sie bis zum Jahresende unter 4,5% fallen werde.
Da sich die Anzeichen häufen würden, dass die starke Inflation nur zum Teil auf vorübergehende Faktoren zurückzuführen sei, habe sich die FED bemüht, ihre Verpflichtung zu bekräftigen, den Preisanstieg zu kontrollieren. Nach der Zinserhöhung um 25 Basispunkte im März rechne sie nun mit einer Erhöhung des Leitzinses um insgesamt 175 Basispunkte in diesem Jahr, wobei ein erhebliches Risiko für weitere Zinserhöhungen bestehe, die vor allem in der ersten Hälfte des Jahres eintreten könnten. (07.04.2022/alc/a/a)
Das zentrale Szenario der Experten gehe von langwierigen Kämpfen und anhaltenden Sanktionen aus. Sie würden davon ausgehen, dass der Preis für Öl und Gas länger auf einem höheren Niveau verharren werde. Der Stagflationsdruck werde in Europa besonders akut sein, da 57,5% des Bruttoenergiebedarfs der EU durch Importe gedeckt würden. Die Experten von Generali Investments haben ihre kumulierten Wachstumsprognosen 2022/23 für den Euroraum um 2,4 Prozentpunkte gegenüber ihrer Januar-Prognose korrigiert, vor allem wegen der Auswirkungen des Krieges. Auch würden die USA und in geringerem Maße China betroffen sein. Viele arme Länder, insbesondere auf dem afrikanischen Kontinent, würden die steigenden Lebensmittelpreise zu spüren bekommen, was nicht nur das Risiko für das Wachstum, sondern auch für soziale Unruhen erhöhe.
In einem ungünstigen Szenario einer weiteren deutlichen militärischen Eskalation und strafenden Sanktionen einschließlich russischer Gas- und Ölexporte, würden die Energiepreise weiter in die Höhe schießen. Das Eurogebiet stünde vor einer beträchtlichen Rezession in diesem Frühjahr/Sommer. Erweiterte fiskalische Unterstützung würde diesen Effekt nur teilweise abmildern. Eine überschießende Inflation werde den Zentralbanken weitgehend die Hände binden, wenn auch in unterschiedlichem Maße. Die meisten würden ihre hawkishe Position aufweichen, aber nur moderat, um nicht die Kontrolle über die Preise zu verlieren.
In diesem Dilemma würden die Experten erwarten, dass die EZB mit Vorsicht vorgehen werde. Sie werde ihre Anleihekäufe wahrscheinlich im dritten Quartal 2022 beenden, aber erst im Dezember handeln (durch eine Anhebung um 25 Basispunkte), wenn sich die Wirtschaftstätigkeit wieder verbessere und die Erwartung höherer Löhne eintrete. Danach würden die Experten eine weitere maßvolle Normalisierung der Politik erwarten. Die Risiken sprächen eindeutig für eine frühere erste Zinserhöhung, z.B. aufgrund hohen der Inflationserwartungen. Umgekehrt seien die Hürden für ein Nichthandeln oder gar eine Verlängerung der quantitativen Lockerung hoch. Es bräuchte nach Ansicht der Experten eine tiefe Rezession, um die EZB daran zu hindern, auf das erheblich veränderte Inflationsumfeld zu reagieren.
US-Firmen seien kaum in Lieferketten eingebunden, die die Ukraine oder Russland einschließen würden. Das Land sei auch fast autark in der Energieversorgung, so dass die direkten Auswirkungen des Krieges weniger akut seien als in Europa. Allerdings werde der Anstieg der bereits stark gestiegenen Rohstoffpreise den Inflationsdruck noch verstärken. Mit mehr als 1,7 verfügbaren Arbeitsplätzen pro Arbeitslosen sei der Arbeitsmarkt extrem angespannt. Rasch steigende Löhne könnten zu einer Beschleunigung der Mieten führen und die anhaltenden Auswirkungen von Versorgungsengpässen würden die Warenpreise erhöhen. Die Kerninflation habe im Februar 6,1% erreicht und werde voraussichtlich auf diesem Niveau bleiben oder sogar leicht ansteigen für das nächste Quartal. Die Experten würden nicht davon ausgehen, dass sie bis zum Jahresende unter 4,5% fallen werde.
Da sich die Anzeichen häufen würden, dass die starke Inflation nur zum Teil auf vorübergehende Faktoren zurückzuführen sei, habe sich die FED bemüht, ihre Verpflichtung zu bekräftigen, den Preisanstieg zu kontrollieren. Nach der Zinserhöhung um 25 Basispunkte im März rechne sie nun mit einer Erhöhung des Leitzinses um insgesamt 175 Basispunkte in diesem Jahr, wobei ein erhebliches Risiko für weitere Zinserhöhungen bestehe, die vor allem in der ersten Hälfte des Jahres eintreten könnten. (07.04.2022/alc/a/a)


