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EZB wechselt in die Beobachterposition


21.07.25 10:45
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Mit 2% liegt der Einlagensatz auf Höhe der Euro-Inflation, der Inflationserwartungen sowie des Inflationsziels der EZB, so die Analysten der Helaba.

Der EZB-Rat gehe in Wartestellung.

Angesichts deutlich steigender Inflationsraten habe die EZB vor fast genau drei Jahren ihren markanten Straffungskurs gestartet. EZB-Präsidentin Lagarde habe damals von dem Beginn einer Reise gesprochen. Nachdem Zinsniveaus von 4% erreicht worden seien, habe sie vor etwa einem Jahr in den Lockerungsmodus geschaltet. Nach acht Zinssenkungen in Folge auf 2% dürfte die nun anstehende Sitzung des EZB-Rats erstmals keine weitere Reduktion der Leitzinsen bringen. Die gemeinsame Reise hinauf zum Zinsgipfel und wieder hinunter dürfte mit dem gleichzeitigen Erreichen des 2-Prozent-Inflationsziels praktisch einen Endpunkt erreicht haben.

Bei der anstehenden Sitzung gebe es keinen Handlungsdruck auf Seiten der EZB: Seit der Zinssenkung im Juni hätten sich die Markterwartungen im Euroraum insgesamt kaum verändert. Die Euro-Teuerung sei zuletzt leicht gestiegen, liege mit 2,0% aber genau auf der Zielmarke der EZB. Auch die abgeleiteten Inflationserwartungen der Anleger würden auf diesem Niveau notieren. Der Rat befinde sich somit in einer komfortablen Beobachterposition. Würde er den Einlagensatz dennoch überraschend senken, könnte dies von den Anlegern als pessimistisches Konjunktur- oder sogar Krisensignal gewertet werden - was nicht im Sinne der EZB wäre.

Angesichts der aktuell stattfindenden Staatsschuldendiskussion - unter anderem jetzt auch in Frankreich - könnte durch einen fortgesetzten Lockerungskurs zudem ein falscher Eindruck in der Öffentlichkeit entstehen. Ein Blick über den Atlantik zeige die schwierige Ausgangsposition der Notenbanken im Falle einer sehr expansiven Fiskalpolitik. Neben der Zollpolitik des US-Präsidenten, die ohnehin schon erhebliche Inflationsgefahren mit sich bringe, stelle die Kombination aus hoher Staatsverschuldung und latentem politischen Druck auf die US-Notenbank, die Leitzinsen zu senken, eine erhebliche Belastung für die Inflationserwartungen dar.

Die EZB dürfte kein Interesse daran haben, mit in dieses Fahrwasser zu geraten. EZB-Direktorin Isabel Schnabel sehe aktuell vielleicht auch aus diesem Grund hohe Hürden für eine weitere geldpolitische Lockerung. Die Vertreter der "Tauben" im EZB-Rat würden die Lage dagegen etwas anders einschätzen. Sie würden vor allem die Zollunsicherheiten und einen starken Euro als ernstzunehmendes Konjunkturrisiko betrachten. (Wochenausblick vom 18.07.2025)
(21.07.2025/alc/a/a)