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EZB verzerrt Risikoaufschläge
07.11.14 15:57
Weberbank
Berlin (www.anleihencheck.de) - Man kann fast den Eindruck gewinnen, dass sich nicht nur die technische Entwicklung in den letzten Jahren weiter beschleunigt hat, sondern auch die Abfolge bedeutender Ereignisse in der Wirtschaftsgeschichte, so die Analysten der Weberbank.
Erst im April 2013 hätten die Analysten an dieser Stelle von einem der größten volkswirtschaftlichen Experimente berichtet. Damals habe die japanische Notenbank angekündigt, die umlaufende Geldmenge innerhalb von zwei Jahren verdoppeln zu wollen. Damit sollte die Inflationsrate endlich nachhaltig in den positiven Bereich bis auf 2 Prozent gehoben werden. Zusätzlich sollte die Abwertung des Yen die heimische Exportwirtschaft ankurbeln. Die Maßnahmen der Notenbank hätten mit weitreichenden Reformen im Land einhergehen sollen, die der damals neugewählte Premier Shinzo Abe angekündigt habe.
Heute müsse man leider feststellen, dass die dringend benötigten Reformen - mit Ausnahme einer Mehrwertsteuererhöhung - ausgeblieben seien. Das Wirtschaftswachstum habe nur zwischenzeitlich gesteigert werden können, während die Wachstumsprognosen für 2014 zuletzt schon wieder hätten halbiert werden müssen. Ein zwischenzeitlicher Inflationsanstieg gerate - bereinigt um die Mehrwertsteuererhöhung - aktuell wieder ins Stocken. Immerhin hätten die japanischen Unternehmen vom schwächeren Yen profitieren können.
Und obwohl noch nicht einmal die Zweijahresfrist der Notenbank abgelaufen sei, habe sie sich nun dazu entschlossen, ihren historisch beispiellosen Pfad noch weiter zu beschleunigen. Zukünftig sollten japanische Staatsanleihen im Gegenwert von jährlich 80 Billionen Yen (ca. 700 Mrd. USD) aufgekauft werden. Zusätzlich wolle sie auch Aktien und Immobilienaktien (JREITS) im Umfang von 3 Billionen Yen erwerben. Darüber hinaus habe der staatliche Pensionsfonds angekündigt, zukünftig 50 Prozent seiner Mittel in Aktien investieren zu wollen (bisher 25 Prozent). Das Rad werde also immer schneller gedreht, und ein rechter Ausweg scheine nicht in Sicht.
Auch von der Europäischen Zentralbank würden die Marktteilnehmer weitere expansive Schritte erwarten, denn die europäische Inflationsrate gehe immer noch zurück. Auch seien zuletzt einige Wirtschaftsindikatoren speziell in Deutschland mit verschlechterten Werten veröffentlicht worden. Der ifo-Index sei beispielsweise zum sechsten Mal in Folge gefallen.
Auch die europäische Industrieproduktion habe eine deutliche Verschlechterung gezeigt. Schaue man aber genauer auf diese Zahl, so erkenne man, dass sie sehr stark durch die deutsche Industrieproduktion nach unten verzerrt worden sei. Und diese wiederum sei höchstwahrscheinlich ihrerseits durch die späten Ferien in Deutschland nach unten verzerrt. Insofern würden auch die Analysten weitere Maßnahmen der EZB erwarten, aber weiterhin von einer Konjunkturerholung ausgehen.
Konträr zu Europa und Japan habe die US-Notenbank (FED) ihre expansiven Anleihenkaufprogramme nun vollständig eingestellt und werde mit großer Wahrscheinlichkeit im Jahr 2015 sogar ihren Leitzins anheben. Denn in den USA laufe die Wirtschaft gut, und die Inflationsrate befinde sich auf einem deutlich komfortableren Niveau als in Europa.
So sei die US-Volkswirtschaft zuletzt mit 3,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal gewachsen, und das Verbrauchervertrauen steige deutlich über seinen historischen Durchschnitt, was nicht zuletzt an den stark gefallenen Benzinpreisen im Land liege. Dank der in Europa umstrittenen Gas- und Ölfördertechnik Fracking hätten die Amerikaner ihre Ölproduktion seit 2009 nahezu verdoppeln können und würden plötzlich feststellen, dass Benzin billiger sei als Milch.
Aus diesen Entwicklungen resultiere für die Analysten als Investor, aktienseitig ihre Engagements noch deutlicher als bisher in die USA zu verlagern. Denn neben den genannten positiven Volkswirtschaftsdaten würden sich auch die dortigen Unternehmensgewinne sehr erfreulich entwickeln. Zusätzlich spreche einiges dafür, dass der US-Dollar zinsseitig unterstützt weiter aufwerte. Die erneuten Stimuli in Japan sollten nach Ansicht der Analysten den dortigen Aktienmarkt treiben. Deshalb würden die Analysten ein taktisches Aktieninvestment hier für aussichtsreich halten.
Für europäische Renteninvestoren würden das aktuelle Umfeld und eine weiter expansive EZB allerdings auch bedeuten, dass die Renditen auf sehr niedrigem Niveau verharren würden. Auch würden Risikoaufschläge zwischen nahezu risikolosen und risikoreicheren Papieren immer weiter zusammenschrumpfen.
Die Risikoaufschläge von europäischen und deutschen Pfandbriefen würden sich beispielsweise kaum noch unterscheiden - trotz sichererer Ausgestaltung der deutschen - da die EZB seit Oktober direkt durch Käufe in diesen Markt eingreife. Eine faire Risikobetrachtung finde man deshalb nur noch in Segmenten, in denen die EZB noch nicht aktiv sei. Investoren sollten sich deshalb beispielsweise für Beimischungen das Wandelanleihen- oder High Yield-Segment genauer ansehen. (07.11.2014/alc/a/a)
Erst im April 2013 hätten die Analysten an dieser Stelle von einem der größten volkswirtschaftlichen Experimente berichtet. Damals habe die japanische Notenbank angekündigt, die umlaufende Geldmenge innerhalb von zwei Jahren verdoppeln zu wollen. Damit sollte die Inflationsrate endlich nachhaltig in den positiven Bereich bis auf 2 Prozent gehoben werden. Zusätzlich sollte die Abwertung des Yen die heimische Exportwirtschaft ankurbeln. Die Maßnahmen der Notenbank hätten mit weitreichenden Reformen im Land einhergehen sollen, die der damals neugewählte Premier Shinzo Abe angekündigt habe.
Heute müsse man leider feststellen, dass die dringend benötigten Reformen - mit Ausnahme einer Mehrwertsteuererhöhung - ausgeblieben seien. Das Wirtschaftswachstum habe nur zwischenzeitlich gesteigert werden können, während die Wachstumsprognosen für 2014 zuletzt schon wieder hätten halbiert werden müssen. Ein zwischenzeitlicher Inflationsanstieg gerate - bereinigt um die Mehrwertsteuererhöhung - aktuell wieder ins Stocken. Immerhin hätten die japanischen Unternehmen vom schwächeren Yen profitieren können.
Und obwohl noch nicht einmal die Zweijahresfrist der Notenbank abgelaufen sei, habe sie sich nun dazu entschlossen, ihren historisch beispiellosen Pfad noch weiter zu beschleunigen. Zukünftig sollten japanische Staatsanleihen im Gegenwert von jährlich 80 Billionen Yen (ca. 700 Mrd. USD) aufgekauft werden. Zusätzlich wolle sie auch Aktien und Immobilienaktien (JREITS) im Umfang von 3 Billionen Yen erwerben. Darüber hinaus habe der staatliche Pensionsfonds angekündigt, zukünftig 50 Prozent seiner Mittel in Aktien investieren zu wollen (bisher 25 Prozent). Das Rad werde also immer schneller gedreht, und ein rechter Ausweg scheine nicht in Sicht.
Auch von der Europäischen Zentralbank würden die Marktteilnehmer weitere expansive Schritte erwarten, denn die europäische Inflationsrate gehe immer noch zurück. Auch seien zuletzt einige Wirtschaftsindikatoren speziell in Deutschland mit verschlechterten Werten veröffentlicht worden. Der ifo-Index sei beispielsweise zum sechsten Mal in Folge gefallen.
Konträr zu Europa und Japan habe die US-Notenbank (FED) ihre expansiven Anleihenkaufprogramme nun vollständig eingestellt und werde mit großer Wahrscheinlichkeit im Jahr 2015 sogar ihren Leitzins anheben. Denn in den USA laufe die Wirtschaft gut, und die Inflationsrate befinde sich auf einem deutlich komfortableren Niveau als in Europa.
So sei die US-Volkswirtschaft zuletzt mit 3,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal gewachsen, und das Verbrauchervertrauen steige deutlich über seinen historischen Durchschnitt, was nicht zuletzt an den stark gefallenen Benzinpreisen im Land liege. Dank der in Europa umstrittenen Gas- und Ölfördertechnik Fracking hätten die Amerikaner ihre Ölproduktion seit 2009 nahezu verdoppeln können und würden plötzlich feststellen, dass Benzin billiger sei als Milch.
Aus diesen Entwicklungen resultiere für die Analysten als Investor, aktienseitig ihre Engagements noch deutlicher als bisher in die USA zu verlagern. Denn neben den genannten positiven Volkswirtschaftsdaten würden sich auch die dortigen Unternehmensgewinne sehr erfreulich entwickeln. Zusätzlich spreche einiges dafür, dass der US-Dollar zinsseitig unterstützt weiter aufwerte. Die erneuten Stimuli in Japan sollten nach Ansicht der Analysten den dortigen Aktienmarkt treiben. Deshalb würden die Analysten ein taktisches Aktieninvestment hier für aussichtsreich halten.
Für europäische Renteninvestoren würden das aktuelle Umfeld und eine weiter expansive EZB allerdings auch bedeuten, dass die Renditen auf sehr niedrigem Niveau verharren würden. Auch würden Risikoaufschläge zwischen nahezu risikolosen und risikoreicheren Papieren immer weiter zusammenschrumpfen.
Die Risikoaufschläge von europäischen und deutschen Pfandbriefen würden sich beispielsweise kaum noch unterscheiden - trotz sichererer Ausgestaltung der deutschen - da die EZB seit Oktober direkt durch Käufe in diesen Markt eingreife. Eine faire Risikobetrachtung finde man deshalb nur noch in Segmenten, in denen die EZB noch nicht aktiv sei. Investoren sollten sich deshalb beispielsweise für Beimischungen das Wandelanleihen- oder High Yield-Segment genauer ansehen. (07.11.2014/alc/a/a)


