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EZB und FED - Ein letzter Zinsschritt im Juli?


24.07.23 10:45
ETHENEA

Munsbach (www.anleihencheck.de) - Am 26. und am 27. Juli finden die letzten Notenbanksitzungen der Federal Reserve (FED) und der Europäischen Zentralbank (EZB) vor der Sommerpause statt, so die Experten von ETHENEA Independent Investors S.A.

Volker Schmidt, Senior Portfolio Manager bei ETHENEA Independent Investors S.A. evaluiere, ob die Währungshüter im Juli eine letzte Zinserhöhung vornehmen würden und ob es danach zu einer Pause bis zum Jahresende komme.

Die EZB habe angekündigt, die Zinsen im Juli erneut um 25 Basispunkte anzuheben, was den Einlagenzins auf 3,75 Prozent erhöhe. Da im August keine planmäßige Sitzung stattfinden werde, richte sich der Fokus nun auf den Ausblick für den September. Dann werde die EZB mit dem Dilemma konfrontiert sein, dass die aktuellsten veröffentlichten Inflationsraten die des Monats August sein würden. Diese würden jedoch keine Beruhigung zeigen. Daher würden die Experten davon ausgehen, dass die EZB über die Zinserhöhung um 25 Basispunkte hinaus die Möglichkeit weiterer Zinserhöhungen betonen werde. Ob es aber tatsächlich zu einer weiteren Zinserhöhung komme, sei derzeit noch nicht absehbar.

Die Inflationsrate liege weiterhin deutlich über dem Zielbereich der Zentralbank. Das umfassende Inflationsmaß sei im Juni auf 5,5 Prozent gesunken und habe sich damit gegenüber dem Höchststand von 10,6 Prozent im Oktober 2022 fast halbiert. Aufgrund extremer Basiseffekte sei mit einem weiteren Rückgang auf unter 4 Prozent im September 2023 und sogar deutlich unter 3 Prozent im Oktober zu rechnen.

Gegen Ende des Jahres werde es dann spannend: Die jährliche Inflation werde aufgrund nachlassender Basiseffekte wieder steigen. Dann werde die EZB besonders gefordert sein. Sie müsse entscheiden, ob es sich bei dem Anstieg nur um ein kurzfristiges Intermezzo handele, oder ob er die Rückkehr zu einem fundamentalen Inflationstrend widerspiegele, der weiterhin über dem Zielbereich der Zentralbank liege.

Der zugrunde liegende Trend werde häufig an der sogenannten Kerninflation gemessen, die volatile Komponenten wie Energie und Lebensmittel nicht berücksichtigt. Diese habe im Juni bei 5,4 Prozent und damit nur geringfügig unter dem Höchststand von 5,7 Prozent im März gelegen. Selbst wenn man auch hier von einer leichten Abwärtsbewegung ausgehe, sei ein Unterschreiten der 5-Prozent-Marke bis zur Zentralbanksitzung im September praktisch ausgeschlossen.

Mit der Annahme, dass diese hohen Inflationsraten nur "vorübergehend" seien, hätten sowohl die EZB als auch die FED im Jahr 2021 völlig falsch gelegen. Die Wirtschaft in der Eurozone sei nach wie vor anfällig, insbesondere das Verarbeitende Gewerbe habe zuletzt deutliche Schwächen gezeigt. Dennoch sei die Arbeitslosigkeit weiterhin niedrig, die Liquiditätssituation der Unternehmen trotz erschwerter Kreditvergabe solide und die Ersparnisse der privaten Haushalte hoch. Die Wirtschaft boome nicht, aber eine Rezession sei kurzfristig auch nicht zu erwarten. Die EZB könne sich daher weiterhin auf ihre primäre Aufgabe, die Inflationsbekämpfung, konzentrieren. Sie bleibe eindeutig "hawkish".

Auch wenn die FED mit Verweis auf die Datenabhängigkeit noch keine klaren Aussagen zur Juli-Sitzung gemacht habe, würden gerade diese Daten darauf hindeuten, dass es auch im Juli zu einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte kommen werde. Laut FED-Chef Powell erwarte eine "starke Mehrheit" der FED-Mitglieder sogar, dass der Leitzins bis zum Jahresende mindestens zweimal angehoben werden müsse. Der Arbeitsmarkt zeige nur minimale Anzeichen von Schwäche, die in den Augen der FED sicherlich noch nicht ausreichen würden, um den Preisdruck nachhaltig zu begrenzen.

Die Inflation habe ihren Höhepunkt zwar deutlich überschritten, sei aber in der Kernrate immer noch zu hoch und hartnäckig. Obwohl die Inflationsrate im Juni auf überraschend niedrige 3 Prozent gesunken sei, deute die Kernrate von fast 5 Prozent aber darauf hin, dass der Rückgang der umfassenden Inflation zu großen Teilen auf Basiseffekte zurückzuführen sei. In den USA hätten die Energiepreise im Juni 2022 ihren Höhepunkt erreicht. Daher lasse sich in den USA früher erkennen, inwieweit der zugrundeliegende Inflationstreiber nachlasse. Der Sommer werde sehr spannend und die nächste FED-Sitzung finde erst im September statt. Bis dahin werde es erste Anzeichen dafür geben, ob die Inflation dauerhaft unter 3 Prozent fallen könne. Davon werde abhängen, ob die Zentralbank die Zinsen noch ein weiteres Mal anheben werde. (24.07.2023/alc/a/a)