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EZB senkt die Zinsen im Juli nicht


12.07.24 10:09
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - In der vergangenen Woche verzeichneten die Renditen der zehnjährigen Staatsanleihen in den USA und Deutschland einen Rückgang, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.

Derzeit würden sich die Renditen der T-Notes auf 4,28% (- 8 Basispunkte) und die der Bunds auf 2,53% (- 4 Basispunkte) belaufen. Datenseitig habe es den US-Arbeitsmarktbericht am Freitag gegeben, der die Märkte ordentlich bewegt habe. Für ausschließliche Bewegung am europäischen Markt hätten die insbesondere Industrieproduktionsdaten aus Deutschland und Frankreich gesorgt, die insgesamt deutlich schwächer als erwartet veröffentlicht worden seien.

Der vergangene Woche Freitag erschienene US-Arbeitsmarktbericht habe Zinssenkungsfantasien an den Finanzmärkten verstärkt. Auch wenn die neugeschaffenen Stellen im Juni mit 206.000 relativ robust ausgefallen sei und sogar über den Erwartungen gelegen habe, hätten die Revisionen der Monate März und April es in sich gehabt. Im März und April seien 111.000 weniger Jobs neugeschaffen worden, als man es noch vorher angenommen habe.

Außerdem seien im privaten Sektor mit 136.000 neuen Jobs weniger Stellen geschaffen worden, als man erwartet habe (160.000). Auch die Arbeitslosenrate habe sich leicht von 4,0% im Mai auf 4,1% im Juni erhöht. Für das Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten würden erste Schätzungen des US-Statistikamtes BEA am 25.07 erwartet, dort erwarte das HCOB Nowcast der Analysten derzeit 1,3% annualisiert, auch die Ergebnisse des Atlanta FED Nowcasts seien in den vergangenen Tagen auf dieses Niveau gefallen.

Die Industrieproduktionsdaten aus Deutschland und Frankreich seien enttäuschend ausgefallen. In Deutschland sei die Industrieproduktion im Mai um 2,4% im Monatsvergleich gesunken, weitaus weniger als vom Konsens erwartet worden sei (+0,5%). Auch in Frankreich habe das Statistikamt eine ähnlich starke Schrumpfung vermeldet, dort seien 2,1% für den Berichtsmonat Mai veröffentlicht worden. Sektoral betrachtet sei die Bewegung der beiden Länder ähnlich. Der Subsektor der Investitionsgüter sei am stärksten geschrumpft, wobei die Energiebranche als einziger Subsektor habe wachsen können. Das HCOB Nowcast der Analysten für das zweite Quartal zeige nun ein Wirtschaftswachstum für die Eurozone von 0,1% (vorher 0,3%), für Frankreich 0% und für Deutschland mit - 0,1% sogar negatives Wachstum an.

Weiterhin habe Chef der US-Notenbank Jerome Powell den halbjährlichen "Monetary Report" der Federal Reserve vor dem Senat vorgestellt. Dort habe Powell betont, dass das FOMC sich weiterhin bewusst sei, dass sie ein duales Mandat hätten. Zum einen müsse die Inflation auf das langfristige Ziel der FED von 2% zurückkehren, zum anderen müsse der Arbeitsmarkt stabil bleiben. Zum Arbeitsmarkt habe sich Powell in seiner Anfangsrede geäußert, dass dieser weiterhin robust wachsen würde, sich jedoch auf das Vorpandemieniveau abgekühlt habe - wortwörtlich habe er "Stark, aber nicht überhitzt" gesagt.

Nächste Woche Donnerstag (18.07) werde die EZB erneut tagen, um über die Zinsentwicklung zu entscheiden. Der niederländische Zentralbankchef Klaas Knot habe sich wie folgt zur kommenden Sitzung geäußert: "Ich sehe keinen Grund, die Zinsen im Juli erneut zu senken. Das nächste Mal, wenn wir wirklich darüber diskutieren sollten, ist im September." Dort würden dann die neuen Projektionen der EZB über die Inflations- und Wirtschaftsentwicklung veröffentlicht. In ihrer Publikation ECB Watcher, die die Analysten heute veröffentlichen würden (12.07), seien sie durch ihre ausführliche Analyse der Reden der einzelnen EZB-Ratsmitglieder zu dem Ergebnis gekommen, dass sich 95% der Mitglieder bei diesem Treffen für das Halten des aktuellen Zinsniveaus einsetzen dürften.

Auf der politischen Ebene habe die zweite Runde der Neuwahlen in Frankreich für Erleichterung an den Märkten gesorgt. Das Rassemblement National (RN) von Marine Le Pen sei mit 142 Sitzen nur auf Platz Drei gelandet, hinter dem Ensemble (Macron, auf Platz Zwei mit 161 Sitzen) und der Nouveau Front Populaire (NFP, auf Platz Eins mit 188 Sitzen). Durch den ersten Wahlgang habe man erwartet, dass das Rassemblement National auf Platz Eins landen würde und gegebenenfalls sogar eine absolute Mehrheit (mehr als 289 Sitze) holen könnte.

Nun bleibe zu klären, wie eine mögliche Regierung gebildet werden könne. Macron könnte mit seinem Bündnis weiterhin an einer neuen Regierung beteiligt sein, sofern sein Bündnis mit den einzelnen Parteien der NFP zusammenarbeiten würde. Einzig und allein die Partei "La France Insoumise", die mit 75 Sitzen bereits knapp 40% der Stimmen der NFP auf sich vereinige, dürfte aufgrund der europakritischen Haltung bei einer möglichen Regierungsbildung nicht mit einbezogen werden.

Datenseitig erscheinen am Montag (15.07) Mai-Daten zu den Einzelhandelsumsätze aus Deutschland, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG. Zur Beobachtung der Konjunkturentwicklung seien diese relativ wichtig, da die Einzelhandelsumsätze knapp 30% am privaten Konsum ausmachen würden, der wiederum mehr als die Hälfte an der Wirtschaft ausmache. Im April seien diese um 0,2% gesunken, für den Mai werde 0% erwartet. In den USA würden dann am Dienstag (16.07) ebenfalls Einzelhandelsumsätze, jedoch für den Berichtsmonat Juni, veröffentlicht. Diese seien ein relativ entscheidender Frühindikator für den privaten Konsum, der in den Vereinigten Staaten sogar 70% der Wirtschaftsleistung ausmache. Außerdem erscheinen am Montag (15.07) schon BIP-Daten aus China für das zweite Quartal, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG. Dazu passend hätten die Analysten ihre Publikation "China Quarterly" am 10. Juli veröffentlicht.

In dieser Publikation würden die Analysten unter anderem zu dem Ergebnis kommen, dass die chinesische Wirtschaft im zweiten Quartal um knapp 1% im Vergleich zum Vorquartal gewachsen sein dürfte. Außerdem finde vom 15.07 - 18.07 das Dritte Plenum des derzeit 20. Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas statt. Es stelle traditionell die Weichen für die Wirtschaftspolitik der kommenden fünf Jahre. Im gleichen Zeitraum finde der Parteitag der Republikaner in den USA statt. Dort werde erwartet, dass Donald Trump mit breiter Mehrheit als Präsidentschaftskandidat für die Republikaner gewählt und ganz offiziell ins Rennen geschickt werde. (Ausgabe vom 11.07.2024) (12.07.2024/alc/a/a)