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EZB scheint sich noch etwas Zeit zu lassen
21.07.16 15:21
M&G Investments
London (www.anleihencheck.de) - Im Moment scheint sich die EZB, ebenso wie die Bank of England, noch etwas Zeit zu lassen, um die Auswirkungen des Brexit beurteilen zu können, so Anthony Doyle, Investment Director, Retail Fixed Interest bei M&G Investments in seinem Kommentar zur heutigen Zinsentscheidung der EZB.
In den letzten Jahren habe sich die Wirtschaft der Eurozone langsam, aber kontinuierlich, erholt - zukünftig gebe es allerdings erhebliche Abwärtsrisiken. So dürfte die Unsicherheit rund um den Brexit das Wachstum in Europa beeinträchtigen, ebenso wie ein steigender Ölpreis und erhöhte politische Risiken weltweit. Zudem werde die EZB das Kreditwachstum der Banken im Auge behalten, um entscheiden zu können, ob sich Belastungen des Finanzsektors negativ auf die Kreditvergabe auswirken würden.
Da die Inflation in Europa bis ins nächste Jahr niedrig bleiben dürfte, würden die Experten im September mit weiteren Ankündigungen der EZB hinsichtlich einer möglichen Verlängerung des Anleihekaufprogramms sowie dessen Kriterien rechnen. Dabei gehe es zum Beispiel um die Abschaffung der Renditeuntergrenze, die Überprüfung der Kapitalkennziffern, die Heraufsetzung der bisherigen Kaufbegrenzung auf 33 Prozent einer Emission sowie den Ankauf von Anleihen mit einer Laufzeit von mehr als 30 Jahren. Damit könne die EZB sicherstellen, dass genügend Wertpapiere für das Kaufprogramm zur Verfügung stünden.
Zurzeit gebe es immer weniger Ankaufmöglichkeiten, da die Renditen der Staatsanleihen auf ein Niveau von nahe oder sogar unter dem EZB-Einlagensatz von -0,4 Prozent gefallen seien. Die Experten würden eine weitere Senkung dieses Satzes für unwahrscheinlich halten, da sich negative Zinsen ungünstig auf die Profitabilität der Banken und einen ohnehin schon belasteten Finanzsektor auswirken würden.
Institutionen wie die OECD und der IWF hätten bereits darauf hingewiesen, dass die Länder der Eurozone die Konjunkturaussichten mit einer Lockerung ihrer Haushaltspolitik verbessern könnten. Das gelte vor allem für Deutschland, das sich fiskalische Lockerungen am ehesten erlauben könnte. Höhere öffentliche Investitionen würden nicht nur kurzfristig die Binnennachfrage stärken, sondern auch die Wirtschaftsleistung auf längere Sicht ankurbeln, wovon auch andere Euro-Länder profitieren würden. Allerdings sei Deutschland bereits Nutznießer der ultralockeren Geldpolitik und einer schwachen Währung, sodass fiskalische Anreize unwahrscheinlich seien.
Zudem gebe es in Deutschland Befürchtungen, dass man am Ende die gesamte europäische Peripherie subventionieren könnte - denn wenn der Staat seine Ausgaben erhöhen und Haushaltsdefizite in Kauf nehmen würde, hätte Deutschland keine (moralische) Autorität mehr, um Haushaltsdisziplin von den Peripherieländern zu verlangen. Europa brauche eine Kombination fiskalischer und geldpolitischer Anreize, doch eine Koordination unter den Entscheidungsträgern erscheine unerreichbar. Ohne diese werde es Europa allerdings schwerfallen, einen höheren Lebensstandard für die 340 Millionen Bürger zu erreichen. (21.07.2016/alc/a/a)
In den letzten Jahren habe sich die Wirtschaft der Eurozone langsam, aber kontinuierlich, erholt - zukünftig gebe es allerdings erhebliche Abwärtsrisiken. So dürfte die Unsicherheit rund um den Brexit das Wachstum in Europa beeinträchtigen, ebenso wie ein steigender Ölpreis und erhöhte politische Risiken weltweit. Zudem werde die EZB das Kreditwachstum der Banken im Auge behalten, um entscheiden zu können, ob sich Belastungen des Finanzsektors negativ auf die Kreditvergabe auswirken würden.
Zurzeit gebe es immer weniger Ankaufmöglichkeiten, da die Renditen der Staatsanleihen auf ein Niveau von nahe oder sogar unter dem EZB-Einlagensatz von -0,4 Prozent gefallen seien. Die Experten würden eine weitere Senkung dieses Satzes für unwahrscheinlich halten, da sich negative Zinsen ungünstig auf die Profitabilität der Banken und einen ohnehin schon belasteten Finanzsektor auswirken würden.
Institutionen wie die OECD und der IWF hätten bereits darauf hingewiesen, dass die Länder der Eurozone die Konjunkturaussichten mit einer Lockerung ihrer Haushaltspolitik verbessern könnten. Das gelte vor allem für Deutschland, das sich fiskalische Lockerungen am ehesten erlauben könnte. Höhere öffentliche Investitionen würden nicht nur kurzfristig die Binnennachfrage stärken, sondern auch die Wirtschaftsleistung auf längere Sicht ankurbeln, wovon auch andere Euro-Länder profitieren würden. Allerdings sei Deutschland bereits Nutznießer der ultralockeren Geldpolitik und einer schwachen Währung, sodass fiskalische Anreize unwahrscheinlich seien.
Zudem gebe es in Deutschland Befürchtungen, dass man am Ende die gesamte europäische Peripherie subventionieren könnte - denn wenn der Staat seine Ausgaben erhöhen und Haushaltsdefizite in Kauf nehmen würde, hätte Deutschland keine (moralische) Autorität mehr, um Haushaltsdisziplin von den Peripherieländern zu verlangen. Europa brauche eine Kombination fiskalischer und geldpolitischer Anreize, doch eine Koordination unter den Entscheidungsträgern erscheine unerreichbar. Ohne diese werde es Europa allerdings schwerfallen, einen höheren Lebensstandard für die 340 Millionen Bürger zu erreichen. (21.07.2016/alc/a/a)


