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EZB macht den nächsten Zinsschritt


11.04.25 14:07
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der EZB-Rat wird den Einlagensatz voraussichtlich auf 2,25% senken, so die Analysten der Helaba.

Gestiegene Konjunkturrisiken und gesunkene Inflationserwartungen würden ihm die Entscheidung relativ leicht machen.

Die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung sei nach den jüngsten Manövern Trumps und dem angezettelten Handelskrieg sehr hoch. Die Rechnung für die Mitglieder des EZB-Rats werde diesmal vergleichsweise einfach sein: Die Konjunktursorgen im Euroraum würden zunehmen, gleichzeitig seien die Inflationserwartungen gesunken. Der Euro habe gegenüber dem US-Dollar deutlich an Wert gewonnen. Für eine Pause im Zinssenkungszyklus sei es zu früh.

Die Investoren würden durch das Chaos, das Trump mit seinen Zöllen angerichtet habe, sogar einen erweiterten Spielraum für Lockerungsmaßnahmen der EZB sehen. An den Terminmärkten werde teilweise bereits das Szenario einer Senkung des EZB-Einlagensatzes unter die 2-Prozent-Marke gespielt. In diesen volatilen Zeiten könnten sich die Erwartungen aber auch schnell wieder drehen. So sei noch vor einem Monat nach Äußerungen einiger EZB-Offizieller sogar eine Zinspause im April ins Spiel gebracht worden. Aktuell werde dagegen selbst ein großer Zinsschritt von 50 Basispunkten nicht mehr ausgeschlossen.

Insgesamt sei das Umfeld für die Geldpolitik jedoch komplizierter geworden. Das handelspolitische Chaos gebe aus Notenbanksicht Anlass zur Sorge, da es die Einschätzung der Inflationsentwicklung deutlich erschwere. Gefährlich werde es insbesondere dann, wenn Lieferketten unterbrochen würden und es aufgrund der starken Verflechtung nicht nur in den USA zu Engpässen und Knappheiten komme. Zwar stehe die Eurozone im Vergleich zu den USA diesbezüglich nicht im Feuer, vor allem wenn Warenüberschüsse aus Asien nach Europa umgeleitet würden. Die geldpolitischen Entscheidungen in den kommenden Monaten würden durch die unübersichtliche Lage allerdings nicht einfacher werden.

Vor dem Hintergrund der Erfahrungen der letzten Hochinflationsphase dürften sich die Falken im EZB-Rat gegen den Einstieg in eine expansive Geldpolitik mit einem Leitzins von unter 2% stemmen. Die geänderte expansivere Fiskalpolitik im Euroraum, insbesondere in Deutschland, sei dabei ein wichtiges Argument. Trete jedoch der schlimmste Fall in Form einer Weltwirtschaftskrise ein oder würden die Finanzmärkte instabil zu werden drohen, dürften solche Überlegungen in den Hintergrund treten und die Zentralbanken gemeinsam zu erheblichen Maßnahmen gezwungen sein. (11.04.2025/alc/a/a)