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EZB kann keinen Turnaround bewirken
12.03.20 14:30
TARGOBANK
Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - Der Glaube an die Wirkung der Geldpolitik im aktuellen Umfeld erscheint wie die Sehnsucht nach der guten alten Zeit - als die Notenbanken mit einem Greenspan- oder einem Bernanke-Put noch die Welt retteten, so Dr. Otmar Lang, Chefvolkswirt der TARGOBANK.
So hätten Zinssenkungen den Aktienmarktcrash von 1987 sehr schnell heilen können. 2008 hätten die Notenbanken weltweit unter Führung der FED letztendlich sogar das Weltfinanzsystem vor dem Untergang bewahren können. Und Mario Draghis "whatever it takes" in 2012 sei dann schließlich die europäische Ausprägung gewesen.
Doch das helfe heute alles nicht mehr weiter. Beim Coronavirus handele es sich um einen Angebots- und Nachfrageschock, den die Notenbanken nicht wirklich beeinflussen könnten. Sie könnten globale Wertschöpfungsketten nicht retten oder heilen, und sie würden auch keine Konsumenten in die Reisebüros bringen, um Pauschalurlaube zu buchen. Es wäre grob vermessen, darauf zu setzen, dass Notenbanken aktuell mit ihrer Geldpolitik eine stabilisierende Wirkung auf Finanzmärkte und Wirtschaftsräume ausüben könnten. Das habe bereits die außerplanmäßige US-Leitzinssenkung vom 3. März gezeigt, die die gewünschte Wirkung völlig verfehlt habe. Das habe die EZB begriffen und ihre Leitzinsen heute unverändert gelassen. Dagegen habe sie ein Maßnahmenpaket verkündet, um den Banken und Unternehmern als Kreditnehmern unter die Arme zu greifen.
Das alles sei nicht falsch. Aber anders als früher seien Notenbankmaßnahmen aktuell nur schmückendes Beiwerk, das keinen Turnaround bewirken könne. Die klassische Geldpolitik sei damit nicht am Ende - aber sie sei derzeit einfach nicht das richtige Mittel.
Heute sei die Fiskalpolitik gefordert, also die Regierungen oder die EU-Kommission. Die Bundesregierung gehe mit ihren Regelungen zum Kurzarbeitergeld schon in die richtige Richtung. Auch die Aussetzung von Steuerzahlungen, vorübergehende Liquiditätshilfen oder eine Unterstützung bei Krediten könnten helfen. Dann müssten aber alle Maßnahmen auf europäischer Ebene gebündelt und koordiniert werden und sich nicht im "Kleinklein" auf nationaler Ebene verlieren.
Die EZB sei im Rahmen ihrer Möglichkeiten weiterhin bemüht. (12.03.2020/alc/a/a)
So hätten Zinssenkungen den Aktienmarktcrash von 1987 sehr schnell heilen können. 2008 hätten die Notenbanken weltweit unter Führung der FED letztendlich sogar das Weltfinanzsystem vor dem Untergang bewahren können. Und Mario Draghis "whatever it takes" in 2012 sei dann schließlich die europäische Ausprägung gewesen.
Das alles sei nicht falsch. Aber anders als früher seien Notenbankmaßnahmen aktuell nur schmückendes Beiwerk, das keinen Turnaround bewirken könne. Die klassische Geldpolitik sei damit nicht am Ende - aber sie sei derzeit einfach nicht das richtige Mittel.
Heute sei die Fiskalpolitik gefordert, also die Regierungen oder die EU-Kommission. Die Bundesregierung gehe mit ihren Regelungen zum Kurzarbeitergeld schon in die richtige Richtung. Auch die Aussetzung von Steuerzahlungen, vorübergehende Liquiditätshilfen oder eine Unterstützung bei Krediten könnten helfen. Dann müssten aber alle Maßnahmen auf europäischer Ebene gebündelt und koordiniert werden und sich nicht im "Kleinklein" auf nationaler Ebene verlieren.
Die EZB sei im Rahmen ihrer Möglichkeiten weiterhin bemüht. (12.03.2020/alc/a/a)


