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Die EZB hat geliefert


05.06.20 10:45
DONNER & REUSCHEL AG

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Obwohl einige erst mit einer Ausweitung des Notkaufprogramms (PEPP) im September rechneten, lieferte die EZB am Donnerstag wie von den Märkten erwartet, so Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank DONNER & REUSCHEL.

Es habe im EZB-Rat Einigkeit darüber bestanden, dass weitere expansive geldpolitische Schritte notwendig seien. Interessant sei die Begründung für die Aufstockung des PEPP-Programms um 600 Mrd. Euro auf 1.350 Mrd. Euro und die zeitliche Ausdehnung auf mindestens Juni 2021 gewesen. Es sei klar auf die krisenbedingt gesunkenen Inflationsprojektionen referenziert worden. Dies sei ein eindeutiger Hinweis auf das Agieren innerhalb des Mandates der Notenbank, das sich auf die Sicherung der Preisstabilität im Sinne des Erreichens einer Inflationsrate von nahe aber unter zwei Prozent konzentriere und möglicherweise ein Vorgriff auf künftige Klagen gegen die erweiterten Wertpapierkäufe.

Durch die Ankündigung der langfristigen Wiederanlage von Kapitalrückzahlungen im Rahmen des PEPP (bis mindestens Ende 2022) und des zweiten Wertpapierkaufprogramms APP (bis mindestens nach der ersten Leitzinsanhebung) sowie der besonders sensiblen Vorgehensweise beim zeitlich noch unbestimmten Abbau des PEPP-Portfolios werde vor allem den Staaten der Eurozone-Peripherie der Rücken für Refinanzierungen noch lange freigehalten. Die EZB habe gleichzeitig untermauert, dass sie das im PEPP zur Verfügung stehende Kapital flexibel - also nicht gemäß Kapitalschlüssel und somit wohl verstärkt zugunsten von Peripherie-Anleihen - für Käufe nutzen werde. Entsprechend dürften die Risikoprämien der Peripherie bis auf weiteres niedrig bleiben. Unternehmensanleihen und Realwerte wie Aktien, Immobilien und Edelmetalle dürften angesichts eines langfristig zementierten Niedrigzinsniveaus grundsätzlich unterstützt bleiben. (Ausgabe vom 04.06.2020) (05.06.2020/alc/a/a)