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EZB hält an ihrem Kurs fest
27.10.22 16:00
State Street Global Advisors
Boston (www.anleihencheck.de) - Die EZB überraschte niemanden mit ihrer heutigen Zinserhöhung um 75 Basispunkte, so Altaf Kassam, Leiter des Investment Strategy & Research EMEA bei State Street Global Advisors.
Diese Zinserhöhung sei sogar noch deutlicher als die letzte gewesen, da verschiedene EZB-Sprecher bereits Prognosen für die Zukunft abgegeben hätten, so dass der Schritt von den Märkten nahezu perfekt eingepreist worden sei.
Zuvor sei die Möglichkeit einer schockartigen Anhebung der Leitzinsen um 100 Basispunkte ins Gespräch gebracht worden, doch sei dies zunächst nur eine entfernte Möglichkeit gewesen. Diese sei allerdings nach der Veröffentlichung der "Anti-Goldlöckchen"-Energieindikatoren für Oktober am Montag, die weitere Anzeichen für einen rezessiven Druck, aber kaum eine Abschwächung der Inflation gezeigt hätten, endgültig vom Tisch gewesen. Da sich die EZB nach wie vor mehr Sorgen um die Inflation als um das Wachstum mache, hätten die Preisdaten nicht auf einen Kurswechsel hingedeutet und da die Wachstumsdaten eine Anhebung um 100 Basispunkte ausgeschlossen hätten, seien 75 Basispunkte die einzig sinnvolle Option geblieben.
Dieser Schritt zeige, dass die EZB weiterhin auf die Kritik reagiere, hinter der Kurve zurückzubleiben, insbesondere in Bezug auf die FED. Und auch auf die zunehmenden Rufe nach einer Untergrenze für den Euro, um die zusätzliche importierte Inflation (insbesondere bei den Energiepreisen), die seine Schwäche mit sich gebracht habe, einzudämmen. Mit dieser zweiten Erhöhung um 75 Basispunkte liege der Einlagensatz in der Mitte der von EZB-Vertretern genannten Spanne von ein bis zwei Prozent für den neutralen Zinssatz, was angesichts der hohen Wahrscheinlichkeit einer Rezession in der Eurozone im vierten Quartal ein natürlicher Ausgangspunkt für eine Verlangsamung der Zinserhöhung sein dürfte.
Infolgedessen erwarte Kassam, dass die EZB ihr Tempo bei den Zinserhöhungen verlangsamt und im Dezember "nur" weitere 50 Basispunkte anhebe, so dass der Einlagensatz zum Jahresende bei zwei Prozent liegen werde. Angesichts des Konsenses über die heutige Zinserhöhung habe das meiste Interesse der Ausstiegsstrategie der EZB gegolten: Die Quantitative Straffung sei auf dieser Sitzung erörtert worden, eine Entscheidung werde jedoch nicht vor Dezember fallen. Es scheine, dass die Umsetzung aufgrund von Bedenken hinsichtlich der Fragmentierung und der Marktstabilität nur langsam und erst nach Erreichen des Endpunkts der Leitzinsen erfolgen könnte. Wie die revidierten Prognosen der EZB gezeigt hätten, werde 2023 ein düsteres Jahr werden, und die Zentralbank brauche so viel Flexibilität wie möglich. (27.10.2022/alc/a/a)
Diese Zinserhöhung sei sogar noch deutlicher als die letzte gewesen, da verschiedene EZB-Sprecher bereits Prognosen für die Zukunft abgegeben hätten, so dass der Schritt von den Märkten nahezu perfekt eingepreist worden sei.
Dieser Schritt zeige, dass die EZB weiterhin auf die Kritik reagiere, hinter der Kurve zurückzubleiben, insbesondere in Bezug auf die FED. Und auch auf die zunehmenden Rufe nach einer Untergrenze für den Euro, um die zusätzliche importierte Inflation (insbesondere bei den Energiepreisen), die seine Schwäche mit sich gebracht habe, einzudämmen. Mit dieser zweiten Erhöhung um 75 Basispunkte liege der Einlagensatz in der Mitte der von EZB-Vertretern genannten Spanne von ein bis zwei Prozent für den neutralen Zinssatz, was angesichts der hohen Wahrscheinlichkeit einer Rezession in der Eurozone im vierten Quartal ein natürlicher Ausgangspunkt für eine Verlangsamung der Zinserhöhung sein dürfte.
Infolgedessen erwarte Kassam, dass die EZB ihr Tempo bei den Zinserhöhungen verlangsamt und im Dezember "nur" weitere 50 Basispunkte anhebe, so dass der Einlagensatz zum Jahresende bei zwei Prozent liegen werde. Angesichts des Konsenses über die heutige Zinserhöhung habe das meiste Interesse der Ausstiegsstrategie der EZB gegolten: Die Quantitative Straffung sei auf dieser Sitzung erörtert worden, eine Entscheidung werde jedoch nicht vor Dezember fallen. Es scheine, dass die Umsetzung aufgrund von Bedenken hinsichtlich der Fragmentierung und der Marktstabilität nur langsam und erst nach Erreichen des Endpunkts der Leitzinsen erfolgen könnte. Wie die revidierten Prognosen der EZB gezeigt hätten, werde 2023 ein düsteres Jahr werden, und die Zentralbank brauche so viel Flexibilität wie möglich. (27.10.2022/alc/a/a)


