Erweiterte Funktionen
EZB: Der geldpolitische Anker sitzt tief
23.01.20 14:30
TARGOBANK
Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - Die Europäische Zentralbank hat heute wie erwartet nichts am Zinsniveau verändert, so Otmar Lang, Chefvolkswirt der TARGOBANK.
EZB-Chefin Christine Lagarde komme aus dem geldpolitischen Rahmen ihres Vorgängers Mario Draghi nicht so schnell heraus. Der geldpolitische Anker sitze so tief, dass ihr nichts anderes übrig bleibe als die lockere monetäre Gangart fortzusetzen.
Zwar hätten die jüngsten ZEW-Daten für Deutschland Hoffnung gemacht, dass es möglicherweise doch zu einer schnelleren geldpolitischen Wende kommen könnte. Wenig wachstumsförderlich würden sich allerdings die jüngsten Äußerungen von US-Präsident Trump auswirken: Europa sei schwieriger als China, daher wolle er zuerst mit China über handelspolitische Themen sprechen. In die gleiche Kerbe - wenngleich auch aus einer ganz anderen Richtung - schlage die Ausbreitung des chinesischen Corona-Virus. Sicherlich wäre es zum aktuellen Zeitpunkt vermessen, die weltweiten Wachstumsprognosen deshalb anzupassen. Doch eines stehe fest: Die Risiken seien zuletzt wieder gewichtiger geworden und würden die Chancen für eine Wachstumsbeschleunigung dämpfen.
Die EZB werde daher ihren Lockerungs-Bias beibehalten: Sie stehe also Gewehr bei Fuß und werde handeln, sobald es die Situation erfordere. Lang rechne allerdings vorerst nicht mit weiteren zinspolitischen Maßnahmen. Die Währungshüter aus Frankfurt würden sich wohl eher die Bundesregierung vorknöpfen und mehr öffentliche Ausgaben fordern. In den laufenden Diskussionen im Rahmen ihrer Strategieüberprüfung könnte die EZB außerdem ein symmetrisches Inflationsziel in den Vordergrund rücken - ähnlich wie in den USA. Die Teuerung dürfte dann nach einer Phase der Zielverfehlung auch mal eine längere Zeit über dem Ziel liegen.
Zuletzt aufgekommene Markterwartungen über eine mögliche frühere Zinswende dürften wieder völlig ausgepreist werden. (23.01.2020/alc/a/a)
EZB-Chefin Christine Lagarde komme aus dem geldpolitischen Rahmen ihres Vorgängers Mario Draghi nicht so schnell heraus. Der geldpolitische Anker sitze so tief, dass ihr nichts anderes übrig bleibe als die lockere monetäre Gangart fortzusetzen.
Die EZB werde daher ihren Lockerungs-Bias beibehalten: Sie stehe also Gewehr bei Fuß und werde handeln, sobald es die Situation erfordere. Lang rechne allerdings vorerst nicht mit weiteren zinspolitischen Maßnahmen. Die Währungshüter aus Frankfurt würden sich wohl eher die Bundesregierung vorknöpfen und mehr öffentliche Ausgaben fordern. In den laufenden Diskussionen im Rahmen ihrer Strategieüberprüfung könnte die EZB außerdem ein symmetrisches Inflationsziel in den Vordergrund rücken - ähnlich wie in den USA. Die Teuerung dürfte dann nach einer Phase der Zielverfehlung auch mal eine längere Zeit über dem Ziel liegen.
Zuletzt aufgekommene Markterwartungen über eine mögliche frühere Zinswende dürften wieder völlig ausgepreist werden. (23.01.2020/alc/a/a)


