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EZB dürfte das Ankaufsprogramm weiter hochfahren


09.03.20 09:45
National-Bank AG

Essen (www.anleihencheck.de) - Obwohl das schwächere Wachstum im Kern temporär sein dürfte und eben nicht in eine reguläre globale Rezession einmünden wird, hat es natürlich erhebliche Folgen für unsere Finanzmarktprojektionen, berichten die Analysten der National-Bank AG.

So habe die US-Notenbank ihren Leitzinskorridor um 50 Basispunkte auf 1,00% bis 1,25% gesenkt. Vorausgegangen sei zwar die Ankündigung der US-Notenbank mit Blick auf das Coronavirus, "angemessen" zu handeln, um die Wirtschaft zu unterstützen. Mit Blick auf das Timing seien die Märkte dann aber doch überrascht worden, zumal mit einer Senkung von 50 Basispunkten doch sehr dezidiert gehandelt worden sei.

Aus Sicht der Analysten der National-Bank AG handle die FED hier einmal mehr auch aus der globalen Verantwortung heraus - aus der binnenwirtschaftlichen Perspektive hätte die US-Notenbank auch weiterhin abwarten können, wie stark die dämpfenden Effekte dann tatsächlich ausfallen würden. Der Zinsschritt der FED sei kurz nach dem Kommuniqué der Finanzminister und Notenbankchefs der G7 gefolgt, das eine konzertierte Aktion der Notenbanken weltweit in Aussicht gestellt habe. Der FED komme hier naturgemäß die Führungsrolle zu, die es auch den anderen Notenbanken ermöglichen solle, ihre Sätze friktionsfrei zu senken, vor allem auch, um etwa keine Verwerfungen auf den Devisenmärkten auszulösen.

Ein weiterer Grund dafür, dass die FED es nicht bei einem Schritt von 25 Basispunkten belassen habe, möge auch sein, dass sich die Bank hier soweit wie möglich aus dem US-Wahlkampf heraushalten wolle und ihre Maßnahmen möglichst nach vorne gezogen habe. Allerdings sei es sicherlich möglich, dass je nach Verlauf der Epidemie noch ein bis zwei weitere Schritte folgen würden. Dies würde nach Einschätzung der Analysten der National-Bank AG dann aber voraussetzen, dass stärkere Bremsspuren auch in der Binnenwirtschaft der USA spürbar würden.

Am US-Kapitalmarkt habe die Maßnahme der FED naturgemäß erhebliche Wirkungen gezeigt: Die Renditen der 10-jährigen US-Treasuries seien auf die Marke von 0,8% gesunken - das bisherige zyklische Tief aus dem Jahre 2016 habe noch bei 1,5% gelegen. Das seien historische Entwicklungen!

Vor dem Hintergrund der internationalen Konzertierung sei es höchstwahrscheinlich, dass die EZB ebenfalls weitere Maßnahmen beschließe. Allerdings habe die EZB das Problem, dass der geldpolitische Manövrierraum wesentlich kleiner sei als bei der FED: Die EZB habe den Zeitpunkt verpasst, um die Zinssätze zumindest zwischenzeitlich wieder etwas anzuheben. Auch sei das "Window of Opportunity" der wirtschaftlich starken Jahre 2017 bis 2018 für ordnungspolitische Reformen nicht genutzt worden. Die Gründe hierfür seien bekannt, die Eurozone stecke somit in einer Sackgasse, aus der es immer weniger politisch gangbare Auswege gebe.

Bestenfalls werde die europäische Geldpolitik auf Dauer wirkungslos, es nahe aber der Punkt, wo das Zinsniveau ökonomisch kontraproduktiv wirke. Dies nicht nur, weil Sparen nicht mehr möglich sei und die Wirtschaftssubjekte ihren Konsum aufgrund des Abschmelzens ihrer Altersvorsorge einschränken müssten, sondern auch weil die Stabilität des europäischen Finanzsystems durch die anhaltenden negativen Zinssätze unter Druck gesetzt werde. Für Christine Lagarde dürfte es daher schwer werden, den notwendigen Konsens über ein Maßnahmenpaket im EZB-Rat herbeizuführen.

Die Analysten der National-Bank AG würden aber damit rechnen, dass die EZB kurzfristig - also auf der Sitzung in der kommenden Woche - handeln werde und zumindest das Ankaufsprogramm weiter hochfahren werde. Hier werde eine Verdopplung der Volumina um 20 Mrd. Euro auf dann 40 Mrd. Euro für sechs Monate diskutiert. Weitere Maßnahmen wie etwa eine weitere Senkung des Einlagensatzes seien zu recht heftig umstritten, da der Trade-off zwischen Vor- und Nachteilen der Maßnahmen wie oben beschrieben immer ungünstiger ausfalle.

Die Analysten der National-Bank AG stellen sich die Frage, was diese Entwicklung für ihre Zinsprognose bedeute. Die Märkte und auch die Analysten der National-Bank AG von der Entscheidung der US-Notenbank überrascht worden. Nachdem wir die Projektionen für die US-Sätze zuletzt bereits gesenkt hatten, nehmen wir diese nun abermals zurück, so die Analysten der National-Bank AG. Konkret würden die Analysten erwarten, dass die 10-jährigen Treasuries auf Sicht eines Jahres Renditen um 1,5% aufweisen würden. Die Projektionen für die 10-jährigen Sätze in Europa würden die Analysten ebenfalls auf Niveaus um - 0,5% auf Sicht der nächsten zwölf Monate senken. Beide Projektionen lägen deutlich unter dem Konsensus (Bloomberg: USA: 1,96%, Europa: -0,2%). (Ausgabe vom 06.03.2020) (09.03.2020/alc/a/a)