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EZB behält umfangreiche Anleihekäufe bei


14.06.21 12:30
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Wenig Überraschendes präsentierte die Europäische Zentralbank am Donnerstag, so die Experten von Union Investment.

Die Geldschleusen der EZB würden vorerst weit geöffnet bleiben. Die kurzfristigen Wachstumsprognosen seien deutlich erhöht worden, während der mittelfristige Preisdruck verhalten scheine. Letzteres sei in den USA weniger der Fall gewesen, die Konsumentenpreise seien im Mai mit fünf Prozent deutlich angestiegen. Die Rentenmärkte seien angesichts der hohen Inflationsdaten jedoch nicht in die Knie gegangen. Ganz im Gegenteil, vor allem die US-Renditen seien im Rahmen steigender Anleihenotierungen teils deutlich gefallen. Dies alles habe auch die Aktienbörsen kalt gelassen, die in der Mehrheit bis Freitagvormittag leicht im Plus gelegen hätten. In den USA habe der S&P 500-Index mit knapp 4.250 Punkten ein Rekordhoch markiert.

Die EZB habe am Donnerstag ihre Zinspolitik unverändert beibehalten, aber auch beschlossen in den kommenden Monaten im Rahmen ihres Pandemieprogrammes (PEPP) Anleihen in signifikant höherem Maße als in den ersten Monaten des Jahres anzukaufen. Die Zentralbank wolle weiterhin verhindern, dass sich im Zuge steigender Zinsen die Finanzierungsbedingungen der Wirtschaft im Euroraum zu sehr, zu früh und/oder aus den(teilweise) falschen Gründen verschlechtern könnten. Hintergrund sei, dass die EZB ihren Ausblick für den mittelfristigen Preisdruck im Jahr 2023 beibehalte, der mit 1,4 Prozent deutlich unter ihrer Zielrate von unter, aber nahe, 2 Prozent liege. Ob die EZB das Tempo der Anleihekäufe der letzten Monate beibehalten werde, habe sie allerdings offen gelassen. Offenkundig bestehe hinsichtlich des Tempos auch Uneinigkeit im EZB-Rat, was in den nächsten Monaten auch noch für einige Diskussionen sorgen könne.

Darüber hinaus habe die EZB die Wirtschaftsprognosen auf kurze Sicht deutlich verbessert, während die Einschätzung für den mittelfristigen Preisdruckverhalten bleibe. Für 2021/2022 seien die Wachstumsraten deutlich hochgeschraubt worden (jeweils um 0,6 auf 4,6 und 4,7 Prozent). Für 2023 bleibe die Wachstumserwartung mit 2,1 Prozent unverändert. Dies gelte auch für die Inflationsrate, die 2023 wie bereits oben aufgeführt mit 1,4 unverändert geblieben sei. Der Preisanstieg für 2021 sei um 0,4 auf 1,9, für 2022 um 0,3 auf 1,5 Prozent erhöht worden. Die nächsten Prognosen bzw. Anpassungen erwarte man im kommenden September sowie im Dezember.

Als Nachtrag zu den am Freitagnachmittag der Vorwoche veröffentlichten US-Arbeitsmarktdaten: Die Anzahl der im Mai neu geschaffenen Stellenaußerhalb der Landwirtschaft (non farm payrolls) habe mit 559.000 um einiges unter den über Bloomberg abgegebenen Erwartungen (675.000) gelegen. Die Beschäftigungsquote sei dabei minimal angestiegen. Die Experten würden das Glas bezüglich der Entwicklung als halbvoll ansehen. Der Zuwachs sei als solide einzuschätzen, sie würden mit einer weiteren Zunahme der Erwerbsquote rechnen, vor allem vor dem Hintergrund der sukzessive ansteigenden Schulöffnungen. Dies werde es künftig vielen Personen erlauben, wieder eine Beschäftigung aufzunehmen. Zumal das wirtschaftliche Angebot der allgemeinen Nachfrage derzeit hinterlaufe und weiteres Potenzial berge. Mit den Erstanträgen in Höhe von 376.000 in der Vorwoche habe sich auch die Verbesserung am Arbeitsmarkt fortgesetzt. In der vorhergehenden Woche seien es noch 385.000 Neuanträge gewesen.

Am Donnerstag hätten sich dann die mit großer Spannung erwarteten US-Verbraucherpreise für den Mai etwas höher als erwartet gezeigt. Habe der Konsensus schon bei beachtlichen 4,7 Prozent (gegen Vorjahr) gelegen, habe dieses Mal mit 5,0 Prozent sogar eine fünf vor dem Komma gestanden. Die um Lebensmittel und Energie bereinigte Kernrate habe bei plus 3,8 Prozent und damit auf einem 30-Jahreshoch gelegen. Aber nach wie vor gelte, dass die US-Notenbank den Anstieg aufgrund der Corona-bedingten Ursachen sowie von Basiseffekten als vorübergehend ansehe. Wenngleich der Anteil der für den Preisanstieg nicht direkt von Corona verantwortlichen Komponenten zuletzt zugenommen habe.

Mit Blick auf Deutschland seien sowohl die Industrieproduktion als auch die Auftragseingänge im April gegenüber dem Vormonat rückläufig gewesen und auch schlechter als erwartet. Die Nachfrage sei zwar stark, aber der Materialmangel und die Unterbrechungen in den Vorleistungsketten würden der Industrie derzeit das Leben schwer machen. Der ZEW-Index habe sich bei der Lageeinschätzung deutlich besser als erwartet gezeigt. Die Erwartungskomponente habe hingegen leicht nachgegeben, aber sei von hohem Niveau heraus erfolgt und dürfte daher keinen Anlass zur Sorge geben.

Hohe Preissteigerungen hätten im Mai auch Chinas Produzenten verzeichnet. Mit neun Prozent hätten sich die hohen Rohstoffpreise in der dortigen Entwicklung widergespiegelt. Die Konsumentenpreise seien mit plus 1,3 Prozent hingegen moderat gestiegen, der Preisdruck scheine sich dort (bislang) nicht überzuwälzen (Ausgabe vom 11.06.2021) (14.06.2021/alc/a/a)