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Nach der EZB-Zinssenkung: Wohin mit meinem Geld?


30.06.14 15:53
Franklin Templeton

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Finanzmärkte spekulierten schon seit geraumer Zeit auf eine weitere Öffnung der Geldschleusen durch die Europäische Zentralbank (EZB), berichten die Experten von Franklin Templeton.

Laut David Zahn, Head of European Fixed Income, Senior Vice President und Portfolio Manager der Franklin Templeton Fixed Income Group, habe allerdings die Aggressivität, mit der die Notenbanker gegen eine drohende Deflation und eine schwächelnde Wirtschaft vorgehen möchten, viele Marktteilnehmer überrascht.

Die wichtigsten Entscheidungen der EZB im Überblick: Der Leitzins sei von 0,25% auf 0,15% gesenkt worden (der Leitzins sei der Zinssatz, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld leihen könnten); der Einlagensatz, zu dem Banken kurzfristig Geld bei der Notenbank parken könnten, sei erstmals negativ geworden. Er sinke von 0% auf -0,10%. Damit sollten Banken bewegt werden, ihr Geld lieber in Form von Krediten an ihre Kunden weiterzugeben, als es der EZB zu überlassen; ein groß angelegtes Kreditprogramm in Höhe von bis zu 400 Mrd. Euro über vier Jahre sei aufgelegt worden. Die so genannten "Targeted Longer-Term Refinancing Operations" oder TLTROs würden es Banken ermöglichen, Geld zu ultraniedrigen Zinsen von der EZB zu leihen. Die Bedingung sei allerdings, dass das Geld in Form von Krediten bei Unternehmen und Privathaushalten lande.

Der Chef der Notenbank, Mario Draghi, habe es nicht bei den teilweise gravierenden Maßnahmen belassen, sondern auch verkündet, dass die EZB, wenn nötig, zu weiteren Schritten bereit sei. So werde angeblich hinter vorgehaltener Hand schon über ein Anleihenkaufprogramm im Stile der Amerikanischen Zentralbank diskutiert. Aber auch andere quantitative Maßnahmen seien möglich. Laut David Zahn werde die EZB voraussichtlich erst einmal abwarten, welche der zuletzt beschlossenen Maßnahmen am besten funktionieren würden, um dann mehr davon zu tun.

Ziel der Notenbanker sei es, die Liquidität sowie die Inflation in der Eurozone zu erhöhen. Zuletzt habe die Preissteigerung nur noch bei 0,5% gelegen - weit entfernt von der Zielvorgabe der EZB von 2%. Des Weiteren solle vor allem in den südeuropäischen Ländern die stockende Kreditvergabe angekurbelt werden und das Wirtschaftswachstum einen neuen Schub bekommen.

Hätten sich die Börsen als erste Reaktion erfreut über die Vorgehensweise der Notenbank gezeigt - der DAX sei erstmals über 10.000 Punkte gestiegen - würden Ökonomen und Politiker teilweise bezweifeln, ob so der gewünschte Erfolg erzielt werde. Beispielsweise halte ifo-Chef, Prof. Hans-Werner Sinn, die Politik der EZB langfristig für verhängnisvoll. Seiner Ansicht nach würden die Krisenländer wichtige Reformen verschleppen, solange sie an billiges Geld kämen.

Während die Bedeutung des EZB-Maßnahmenkatalogs für die Konjunktur und die Inflation umstritten sei, seien die Auswirkungen auf den klassischen Geldsparer offensichtlicher: Dank der erneuten Zinssenkung werde mit großer Wahrscheinlichkeit in Kürze auch die Verzinsung für Tagesgeldkonten fallen - Zinsen deutlich unter 1% dürften dann die Regel sein. Somit werde die schon seit geraumer Zeit bestehende Realzinsfalle, Zinsen abzüglich Inflation, nochmals tiefer. Ein Großteil der Sparer werde dadurch real an Vermögen verlieren.

Was in erster Linie für Tagesgeldkonten und Sparbücher gelte, betreffe auch andere klassische Anlageformen. So sei beispielsweise auch bei festverzinsten Papieren wie Bundesanleihen kaum noch etwas zu verdienen - je nach Risiko und Laufzeit würden auch hier negative Realzinsen drohen. Ein ähnliches Bild herrsche bei Lebensversicherungen. So sei erst kürzlich in Deutschland beschlossen worden, den Garantiezins für Neuverträge zu senken. Ab dem 1. Januar 2015 falle der Zins von heute 1,75% auf dann 1,25%.

Neben fallenden Zinsen drohe Bankkunden noch weiteres Ungemach. Die Kosten, die den Banken aufgrund des von der EZB eingeführten negativen Einlagenzinses entstünden, könnten möglicherweise in Form von höheren Gebühren auf Privatkunden abgewälzt werden. Langfristig dramatischer würden aber die Folgen der niedrigen Zinsen sein, vor allem wenn davon ausgegangen werden könne, dass das aktuelle Niedrigzinsumfeld noch eine Weile anhalte.

Anleger sollten in Zeiten wie diesen darüber nachdenken, ihr Erspartes umzuschichten, um den niedrigen Erträgen des Kontos zu entkommen. Trotz der deutlichen Kursanstiege der letzten Wochen und Monate seien Aktien nach wie vor die erste Wahl. Obwohl in den USA die Geldpolitik einen restriktiveren Kurs eingeschlagen habe, würden die Geldschleusen in Japan und Europa weiter geöffnet bleiben, bzw. sich in Zukunft wahrscheinlich noch weiter öffnen.

Global betrachtet bedeute das, es werde der Welt mehr Liquidität zugeführt als in der Vergangenheit. Im Allgemeinen wirke sich solch eine Entwicklung positiv auf die Preise von Anlagegütern aus. So sehe David Zahn bei einigen Anlageklassen Potenzial: "In diesem Klima gehe ich davon aus, dass das, was einige als "Risikowerte" sehen oder kategorisieren, wie High-Yield-Unternehmensanleihen oder Aktien, sich möglicherweise besser entwickeln könnte, als dies der Fall wäre, wenn die EZB diese Maßnahmen nicht ergreifen würde." (30.06.2014/alc/a/a)