Erweiterte Funktionen
EZB-Zinsentscheid: Bedeutung für die europäischen Anleihemärkte
22.10.24 10:08
Janus Henderson Investors
London (www.anleihencheck.de) - Die Zentralbanken auf der ganzen Welt senken die Zinssätze in unterschiedlichem Tempo, so Celia Soares, Client Portfolio Manager (Fixed Income) bei Janus Henderson Investors.
Die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) sei eine konsequente Senkung angesichts der Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum gewesen. Dies spiegele weitere Risiken am Horizont wider, wie etwa die Schwäche des Arbeitsmarktes und Handelskonflikte.
Die EZB habe nicht, wie von einigen erwartet, ihre Formulierung fallen lassen, die Geldpolitik so lange wie nötig ausreichend restriktiv zu halten, um das Inflationsziel von 2% zu erreichen. Sie habe an ihrem datenabhängigen Ansatz festgehalten und ihre Entscheidungen von Sitzung zu Sitzung getroffen. Es bestehe also Ungewissheit über das Tempo der Zinssenkungen, die in Zukunft erfolgen würden.
Alles in allem habe die Sitzung eher zu einer dovishen Haltung tendiert. Es seien jedoch auch einige hawkistische Aspekte betont worden, darunter die Feststellung, dass "die inländische Inflation nach wie vor hoch ist" und "die Löhne weiterhin schnell steigen". Dennoch habe der größte Teil der Diskussion auf ein wachsendes Vertrauen in den disinflationären Trend hingedeutet, was in der Bemerkung gegipfelt habe, dass man "gut auf Kurs" sei.
EZB-Präsidentin Lagarde habe auf die Schwäche aller Wirtschaftsindikatoren hingewiesen. Die europäischen Primär- oder Kernwirtschaften würden Anzeichen von Wachstumsschwäche zeigen, insbesondere in Kernländern wie Deutschland und Frankreich. Ein anhaltender Abschwung im verarbeitenden Gewerbe in Verbindung mit einem stagnierenden Wachstum im Baugewerbe habe dazu geführt, dass der Dienstleistungssektor die zentrale Wachstumsquelle der Wirtschaft darstelle. Länder, die stark vom verarbeitenden Gewerbe abhängig seien, hätten in letzter Zeit schlechtere Ergebnisse erzielt, wobei das Wirtschaftswachstum in Deutschland in den letzten fünf Jahren, mit Ausnahme von 2020, zu den niedrigsten in der Region gehört habe.
Wenn man sich jedoch auf die wichtigsten Zahlen konzentriere, übersähe man die makroökonomischen Unterschiede, die zwischen den Ländern des Euroraums bestünden. Die Peripherieländer hätten ein starkes positives Wachstum aufgewiesen, was insbesondere in Spanien, aber auch in Griechenland und Portugal spürbar sei. Dies habe auch dazu geführt, dass die Ratings mehrerer Banken der Peripherieländer heraufgestuft worden seien.
In früheren Zinssenkungszyklen habe die EZB bestrebt, die Anleiherenditen der Peripherieländer zu stabilisieren; in diesem Zyklus habe sich der Schwerpunkt jedoch auf die Unterstützung der Kernländer verlagert.
Was dies nun für die Unternehmensanleihen bedeute? Zinssenkungen würden sich positiv auf die Dynamik der Gesamtrendite auswirken, da ein Rückgang der Renditen zu Kapitalgewinnen für Anleiheinvestoren führen würde.
Abgesehen von Q4 2023 und der Corona-bedingten Rallye in Q2 2020 müsse man 12 Jahre zurückgehen, um ein besseres Quartal für die Gesamtrendite von Euro-Investment-Grade-Credits zu finden. Infolgedessen habe sich die Dispersion an den Euro-IG-Märkten verringert. Für aktive Anleger gehe es darum, die Gewinner unter denjenigen herauszufiltern, die vom günstigeren Zugang zu Kapital profitieren würden.
Einige Sektoren, wie z. B. Immobilien und Versorgungsunternehmen, könnten von den sinkenden Zinssätzen stärker profitieren als andere, doch bei anderen sei das Zusammenspiel differenzierter. Die Gewinne der Banken würden durch niedrigere Zinssätze beeinträchtigt, aber weniger Kreditausfälle wirkten sich positiv aus. Europäische Banken reagierten in der Regel weniger empfindlich auf die Auswirkungen von Zinsschwankungen als ihre US-amerikanischen Pendants. Sie verfügten häufig über Absicherungsmaßnahmen, um dieses Risiko zu steuern.
Angesichts der engen Spreads könnte es bei einem "Risk-Off"-Szenario zu einer vereinzelten Ausweitung der Spreads kommen, wie man es im Automobilsektor gesehen habe. Trotz der starken Performance von IG-Credit erschienen hochwertige IG-Anleihen im Vergleich zum breiteren Euro-IG-Markt immer noch günstig.
Positiv für die Spreads sei, dass die Mittelzuflüsse tendenziell den Renditen folgen würden. Historisch flössen nach der ersten Zinssenkung die Mittel tendenziell in hochwertige IG-Credits im Vergleich zu Euro-High-Yield, und das sei auch in diesem Zyklus bisher der Fall gewesen.
Risiken - wie z. B. die Politik - blieben am Horizont, aber die Renditen von IG-Credits blieben attraktiv. Der Titelauswahl werde nach Ansicht der Experten der Schlüssel zu den Erträgen sein - mit anderen Worten, die Auswahl des richtigen Renditeniveaus, damit das Risiko angemessen berücksichtigt werde. (22.10.2024/alc/a/a)
Die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) sei eine konsequente Senkung angesichts der Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum gewesen. Dies spiegele weitere Risiken am Horizont wider, wie etwa die Schwäche des Arbeitsmarktes und Handelskonflikte.
Die EZB habe nicht, wie von einigen erwartet, ihre Formulierung fallen lassen, die Geldpolitik so lange wie nötig ausreichend restriktiv zu halten, um das Inflationsziel von 2% zu erreichen. Sie habe an ihrem datenabhängigen Ansatz festgehalten und ihre Entscheidungen von Sitzung zu Sitzung getroffen. Es bestehe also Ungewissheit über das Tempo der Zinssenkungen, die in Zukunft erfolgen würden.
Alles in allem habe die Sitzung eher zu einer dovishen Haltung tendiert. Es seien jedoch auch einige hawkistische Aspekte betont worden, darunter die Feststellung, dass "die inländische Inflation nach wie vor hoch ist" und "die Löhne weiterhin schnell steigen". Dennoch habe der größte Teil der Diskussion auf ein wachsendes Vertrauen in den disinflationären Trend hingedeutet, was in der Bemerkung gegipfelt habe, dass man "gut auf Kurs" sei.
EZB-Präsidentin Lagarde habe auf die Schwäche aller Wirtschaftsindikatoren hingewiesen. Die europäischen Primär- oder Kernwirtschaften würden Anzeichen von Wachstumsschwäche zeigen, insbesondere in Kernländern wie Deutschland und Frankreich. Ein anhaltender Abschwung im verarbeitenden Gewerbe in Verbindung mit einem stagnierenden Wachstum im Baugewerbe habe dazu geführt, dass der Dienstleistungssektor die zentrale Wachstumsquelle der Wirtschaft darstelle. Länder, die stark vom verarbeitenden Gewerbe abhängig seien, hätten in letzter Zeit schlechtere Ergebnisse erzielt, wobei das Wirtschaftswachstum in Deutschland in den letzten fünf Jahren, mit Ausnahme von 2020, zu den niedrigsten in der Region gehört habe.
Wenn man sich jedoch auf die wichtigsten Zahlen konzentriere, übersähe man die makroökonomischen Unterschiede, die zwischen den Ländern des Euroraums bestünden. Die Peripherieländer hätten ein starkes positives Wachstum aufgewiesen, was insbesondere in Spanien, aber auch in Griechenland und Portugal spürbar sei. Dies habe auch dazu geführt, dass die Ratings mehrerer Banken der Peripherieländer heraufgestuft worden seien.
Was dies nun für die Unternehmensanleihen bedeute? Zinssenkungen würden sich positiv auf die Dynamik der Gesamtrendite auswirken, da ein Rückgang der Renditen zu Kapitalgewinnen für Anleiheinvestoren führen würde.
Abgesehen von Q4 2023 und der Corona-bedingten Rallye in Q2 2020 müsse man 12 Jahre zurückgehen, um ein besseres Quartal für die Gesamtrendite von Euro-Investment-Grade-Credits zu finden. Infolgedessen habe sich die Dispersion an den Euro-IG-Märkten verringert. Für aktive Anleger gehe es darum, die Gewinner unter denjenigen herauszufiltern, die vom günstigeren Zugang zu Kapital profitieren würden.
Einige Sektoren, wie z. B. Immobilien und Versorgungsunternehmen, könnten von den sinkenden Zinssätzen stärker profitieren als andere, doch bei anderen sei das Zusammenspiel differenzierter. Die Gewinne der Banken würden durch niedrigere Zinssätze beeinträchtigt, aber weniger Kreditausfälle wirkten sich positiv aus. Europäische Banken reagierten in der Regel weniger empfindlich auf die Auswirkungen von Zinsschwankungen als ihre US-amerikanischen Pendants. Sie verfügten häufig über Absicherungsmaßnahmen, um dieses Risiko zu steuern.
Angesichts der engen Spreads könnte es bei einem "Risk-Off"-Szenario zu einer vereinzelten Ausweitung der Spreads kommen, wie man es im Automobilsektor gesehen habe. Trotz der starken Performance von IG-Credit erschienen hochwertige IG-Anleihen im Vergleich zum breiteren Euro-IG-Markt immer noch günstig.
Positiv für die Spreads sei, dass die Mittelzuflüsse tendenziell den Renditen folgen würden. Historisch flössen nach der ersten Zinssenkung die Mittel tendenziell in hochwertige IG-Credits im Vergleich zu Euro-High-Yield, und das sei auch in diesem Zyklus bisher der Fall gewesen.
Risiken - wie z. B. die Politik - blieben am Horizont, aber die Renditen von IG-Credits blieben attraktiv. Der Titelauswahl werde nach Ansicht der Experten der Schlüssel zu den Erträgen sein - mit anderen Worten, die Auswahl des richtigen Renditeniveaus, damit das Risiko angemessen berücksichtigt werde. (22.10.2024/alc/a/a)


