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EZB: Wird Draghi zum Getriebenen?
28.04.17 10:20
TARGOBANK
Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - Die gestrige Entscheidung der EZB, den Leitzins unverändert zu belassen, überrascht nicht. Denn dass Mario Draghi so kurz vor der Stichwahl in Frankreich seinen lockeren geldpolitischen Kurs ändern würde, war unwahrscheinlich, so Dr. Otmar Lang, Chefvolkswirt der TARGOBANK, zur Sitzung der Europäischen Zentralbank.
Doch im Kessel brodele es: Zum einen hätten sich die Stimmungsindikatoren für die Eurozone seit der letzten EZB-Zinssitzung entgegen den Erwartungen weiter klar verbessert - sie würden für die Eurozone inzwischen immerhin ein Wirtschaftswachstum von drei Prozent signalisieren. Zum anderen hätten sich einige der geopolitischen Risiken, die die Konjunkturentwicklung lähmen könnten, abgeschwächt: Die USA seien auf Annäherungskurs - China sei zumindest in Donald Trumps Augen doch kein Währungsmanipulator mehr. Auch das Thema Handelsprotektionismus scheine entschärft. Die Stichwahl um das französische Präsidentenamt am übernächsten Sonntag berge nur noch wenig Bedrohungspotenzial. Für Nervosität sorge allenfalls die Situation in Nordkorea.
Vor diesem Hintergrund dürfte es Draghi immer schwerer fallen, die Falken im EZB-Rat - also diejenigen Mitglieder, die eher eine restriktive Geldpolitik befürworten würden - ruhig zu halten. Seine Argumente gegen einen geldpolitischen Richtungsschwenk seien vor allem die Gefahr eines stärkeren Euro und schneller als erwartet steigende Renditen an den Rentenmärkten. Schon die Erleichterungs-Rally an den Devisenmärkten sowie die Kursrückgänge an den Rentenmärkten nach der ersten Abstimmung zur französischen Präsidentschaftswahl hätten der EZB einen Vorgeschmack darauf gegeben, was ein Schritt in Richtung Zinsnormalisierung für die Märkte bedeuten würde.
Und doch: Die Wahrscheinlichkeit, dass die europäischen Währungshüter eher früher als später wieder eine härtere geldpolitische Gangart einlegen würden, sei gestiegen. Diesen Geist bekomme Draghi wahrscheinlich nicht mehr in die Flasche zurück. Möglicherweise würden fortan die Märkte die EZB und nicht mehr umgekehrt treiben. (Ausgabe vom 27.04.2017) (28.04.2017/alc/a/a)
Doch im Kessel brodele es: Zum einen hätten sich die Stimmungsindikatoren für die Eurozone seit der letzten EZB-Zinssitzung entgegen den Erwartungen weiter klar verbessert - sie würden für die Eurozone inzwischen immerhin ein Wirtschaftswachstum von drei Prozent signalisieren. Zum anderen hätten sich einige der geopolitischen Risiken, die die Konjunkturentwicklung lähmen könnten, abgeschwächt: Die USA seien auf Annäherungskurs - China sei zumindest in Donald Trumps Augen doch kein Währungsmanipulator mehr. Auch das Thema Handelsprotektionismus scheine entschärft. Die Stichwahl um das französische Präsidentenamt am übernächsten Sonntag berge nur noch wenig Bedrohungspotenzial. Für Nervosität sorge allenfalls die Situation in Nordkorea.
Vor diesem Hintergrund dürfte es Draghi immer schwerer fallen, die Falken im EZB-Rat - also diejenigen Mitglieder, die eher eine restriktive Geldpolitik befürworten würden - ruhig zu halten. Seine Argumente gegen einen geldpolitischen Richtungsschwenk seien vor allem die Gefahr eines stärkeren Euro und schneller als erwartet steigende Renditen an den Rentenmärkten. Schon die Erleichterungs-Rally an den Devisenmärkten sowie die Kursrückgänge an den Rentenmärkten nach der ersten Abstimmung zur französischen Präsidentschaftswahl hätten der EZB einen Vorgeschmack darauf gegeben, was ein Schritt in Richtung Zinsnormalisierung für die Märkte bedeuten würde.
Und doch: Die Wahrscheinlichkeit, dass die europäischen Währungshüter eher früher als später wieder eine härtere geldpolitische Gangart einlegen würden, sei gestiegen. Diesen Geist bekomme Draghi wahrscheinlich nicht mehr in die Flasche zurück. Möglicherweise würden fortan die Märkte die EZB und nicht mehr umgekehrt treiben. (Ausgabe vom 27.04.2017) (28.04.2017/alc/a/a)


