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EZB: Super Mario!
29.10.19 08:45
La Financière de l´Echiquier
Paris (www.anleihencheck.de) - Wie in dem gleichnamigen Videospiel, in dem der italoamerikanische Klempner zahlreiche Hindernisse überwinden muss, um eine Prinzessin zu befreien, hat der scheidende EZB-Präsident Mario Draghi von 2011 bis heute einen steinigen Weg zurückgelegt und sich einer Herausforderung nach der anderen gestellt, um nun an die bisherige IWF-Chefin Christine Lagarde zu übergeben, so Olivier de Berranger, Chief Investment Officer, und Clément Inbona, Fondsmanager von La Financière de l'Echiquier.
"Klappe, die letzte" also. Nach acht Jahren guter und treuer Dienste heiße es Abschied nehmen für Super Mario. Böse Zungen würden behaupten, dass die Zahlen gegen ihn sprächen und er das Hauptziel seiner Amtszeit an der Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) verfehlt habe: Eine Kerninflation in Höhe von 2 Prozent. Zum Ende seiner Präsidentschaft betrage die Inflation in der Eurozone im Durchschnitt 1,1 Prozent, also kaum mehr als die Hälfte des Zielwerts. Eine weitere Niederlage habe darin bestanden, dass während seiner gesamten Amtszeit erstmals in der Geschichte der EZB keine Leitzinserhöhung vorgenommen worden sei.
Aber dieses stark verkürzte Resümee verschweige seine zahlreichen Erfolge. Ein Jahr nach seinem Amtsantritt habe Draghi den Euro mit den drei Zauberworten "Whatever it takes" gerettet. Mit seinen 77 Pressekonferenzen und 185 Reden habe er überdies die Kommunikation der Institution revolutioniert und sie transparenter, lesbarer und vorhersehbarer gemacht. Es sei ihm auch gelungen, die Zinssätze, zu denen sich die Länder der Eurozone Geld leihen würden, wieder nach unten zu drücken.
Dies zeige ein aktuelles Beispiel: Im Oktober habe Griechenland erstmals eine dreimonatige Anleihe mit negativen Zinssätzen begeben. 2011, zu Beginn von Draghis Amtszeit, habe der griechische Staat keinen Zugang zu den Märkten gehabt, um sich zu finanzieren, und niemand habe die bereits begebenen Schuldtitel umtauschen wollen. Das Land habe mithilfe des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF) die Pleite verhindern können. Draghi sei es auch zu verdanken, dass die Palette der geldpolitischen Instrumente heute breiter sei: Quantitative Easing, ein Absenken der Zinssätze in den negativen Bereich, LTRO, OMT, Tiering-System etc. Es gebe viele Methoden, um die gefürchtete Deflation abzuwenden.
Mario Draghi übergebe den Stab nun an Christine Lagarde. In der Krisenzeit von 2008 bis 2011 sei sie Frankreichs Finanzministerin gewesen. Danach habe sie als Direktorin des IWF in Schieflage geratenen Ländern beigestanden und ihr diplomatisches Gespür und ihre Fähigkeit zu Kompromissen in gefährlichen Situationen unter Beweis gestellt. Wie Draghi auf seiner letzten Pressekonferenz betont habe, werde die größte Herausforderung für sie darin bestehen, die Haushalts- und Geldpolitik in Einklang zu bringen. Denn genau hier liege die Schwäche einer unvollendeten Wirtschaftsunion: Auch wenn die Geldpolitik in der Eurozone mittlerweile einheitlich sei, entscheide jede Regierung bei Ausgaben und Steuern noch souverän. Um den Kontinent noch stärker zu machen, müsse nach Meinung Draghis eine kohärente Haushaltspolitik gefördert und der teilweisen Übertragung einzelstaatlicher Befugnisse an die Union zugestimmt werden. (29.10.2019/alc/a/a)
"Klappe, die letzte" also. Nach acht Jahren guter und treuer Dienste heiße es Abschied nehmen für Super Mario. Böse Zungen würden behaupten, dass die Zahlen gegen ihn sprächen und er das Hauptziel seiner Amtszeit an der Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) verfehlt habe: Eine Kerninflation in Höhe von 2 Prozent. Zum Ende seiner Präsidentschaft betrage die Inflation in der Eurozone im Durchschnitt 1,1 Prozent, also kaum mehr als die Hälfte des Zielwerts. Eine weitere Niederlage habe darin bestanden, dass während seiner gesamten Amtszeit erstmals in der Geschichte der EZB keine Leitzinserhöhung vorgenommen worden sei.
Dies zeige ein aktuelles Beispiel: Im Oktober habe Griechenland erstmals eine dreimonatige Anleihe mit negativen Zinssätzen begeben. 2011, zu Beginn von Draghis Amtszeit, habe der griechische Staat keinen Zugang zu den Märkten gehabt, um sich zu finanzieren, und niemand habe die bereits begebenen Schuldtitel umtauschen wollen. Das Land habe mithilfe des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF) die Pleite verhindern können. Draghi sei es auch zu verdanken, dass die Palette der geldpolitischen Instrumente heute breiter sei: Quantitative Easing, ein Absenken der Zinssätze in den negativen Bereich, LTRO, OMT, Tiering-System etc. Es gebe viele Methoden, um die gefürchtete Deflation abzuwenden.
Mario Draghi übergebe den Stab nun an Christine Lagarde. In der Krisenzeit von 2008 bis 2011 sei sie Frankreichs Finanzministerin gewesen. Danach habe sie als Direktorin des IWF in Schieflage geratenen Ländern beigestanden und ihr diplomatisches Gespür und ihre Fähigkeit zu Kompromissen in gefährlichen Situationen unter Beweis gestellt. Wie Draghi auf seiner letzten Pressekonferenz betont habe, werde die größte Herausforderung für sie darin bestehen, die Haushalts- und Geldpolitik in Einklang zu bringen. Denn genau hier liege die Schwäche einer unvollendeten Wirtschaftsunion: Auch wenn die Geldpolitik in der Eurozone mittlerweile einheitlich sei, entscheide jede Regierung bei Ausgaben und Steuern noch souverän. Um den Kontinent noch stärker zu machen, müsse nach Meinung Draghis eine kohärente Haushaltspolitik gefördert und der teilweisen Übertragung einzelstaatlicher Befugnisse an die Union zugestimmt werden. (29.10.2019/alc/a/a)


