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EZB: Stimmungsindikatoren erfordern keine Lockerung


15.05.14 16:15
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - EZB-Präsident Draghi hat die Märkte auf eine mögliche Senkung der Leitzinsen aufmerksam gemacht, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Man stelle sich die Frage, ob seinen Worten diesmal eine Ermäßigung von 0,25% auf 0,10% folge. Orientiere man sich am Sentiment-Index als Frühindikator für die Konjunkturentwicklung, dann sei ein solcher Schritt eigentlich nicht erforderlich. Die Wirtschaft in der Europäischen Union und in der Eurozone befinde sich auf einem Erholungskurs. Weitere Lockerungen könnten auch negative Auswirkungen haben.

Je weiter die Leitzinsen sinken würden, desto weniger würden sie zur Stimulierung nützen. Wenn ein Unternehmen bei 2% nicht investiere, werde es das auch nicht bei 1% tun aus Sorge, für die neuen Produkte keine Abnehmer zu finden. Bei einer Senkung auf 0,5% sehe sich das Unternehmen in seiner Vorsicht bestätigt, die Konjunktur verlaufe ja viel schlechter, als bisher angenommen. Bei einer Senkung von 0,25% auf 0,10% würden die Alarmglocken schrillen, die Notenbank scheine ja einen schweren Konjunktureinbruch zu befürchten. Jetzt bloß keine neuen Investitionen vornehmen. Und dieses Verhalten belaste die Konjunktur zusätzlich. Der Grenznutzen der Leitzinssenkung sei längst erreicht, jede weitere Senkung wirke kontraproduktiv.

Geholfen wäre kurzfristig nur den Finanzministern, die für weniger Zinsen noch mehr Schulden zulasten kommender Generationen machen könnten. Reformen würden auf der Strecke bleiben. In den südlichen Peripherieländern seien die Zinsen heute schon niedriger als vor Einführung der Gemeinschaftswährung. Das ermutige die dortigen Regierungen geradezu, mehr Schulden zur Finanzierung der Budgetdefizite aufzunehmen, statt den mühseligen Weg einzuschlagen, über Reformen einen Haushaltsausgleich anzustreben.

Für andere Länder, wie z.B. Deutschland, seien die Leitzinsen heute schon zu niedrig. Die Realzinsen seien fast überall in der Eurozone negativ, was allein schon die Konjunktur stimuliere, da bedürfe es keiner weiteren Senkung der Leitzinsen.

Die EZB sei mit ihrer Lockerungspolitik vermutlich schon zu weit gegangen. Eine weitere Senkung von 0,25% auf 0,10% bringe keinen Vorteil mehr. Auf diesem Niveau würden bereits kontraproduktive Kräfte auf den Konjunkturverlauf wirken. Bei einer ganzen Reihe von Ländern habe der Wille zur Reform der Staatsverschuldung durch die Nullzinspolitik bereits abgenommen. (15.05.2014/alc/a/a)