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EZB-Sitzung: Kommunikationsänderung verschoben


09.03.18 10:15
Deutsche Bank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Betrachtet man die Entwicklung des Euro während der vergangenen fünf Handelstage alleine unter dem Aspekt einer etwaigen Erwartungshaltung gegenüber der gestrigen Sitzung des EZB-Rates, könnte man durchaus auf die Idee kommen, die Marktteilnehmer seien enttäuscht worden, so die Analysten der Deutschen Bank.

Im großen Kursbild, etwa seit der Januar-Zusammenkunft der EZB (der Euro habe an jenem Tag bei knapp 1,24 geschlossen), zeige sich ohnehin, dass viele Akteure die Wahrscheinlichkeit, dass die Zentralbank ihre Kommunikation zur Geldpolitik ändern könne, als sehr gering eingeschätzt haben müssten. Und so sei die erste Reaktion auf die Meldung, die EZB habe ihre vorherige Zusicherung, unter bestimmten Umständen das quantitative Lockerungsprogramm zu erhöhen, ersatzlos gestrichen, sogar fast etwas überzogen ausgefallen.

Denn EZB-Präsident Mario Draghi habe in der Pressekonferenz versucht, diesen Wegfall des sogenannten "Easing Bias" herunterzuspielen. Zumal sich das Inflationsbild (trotz einer leicht reduzierten Inflationsprognose für 2019) seit der vergangenen Sitzung nicht signifikant verändert habe. Und genau deswegen habe es auch nicht viele Diskussionen über Änderungen in der Geldpolitik - Draghi habe diese als "reaktiv" bezeichnet - in den kommenden Monaten gegeben, so Draghi. Mit anderen Worten: Sobald die Inflation steige, werde auch der Ausblick klarer werden. Kein Wunder also, dass der gestrige Beschluss einstimmig gefällt worden sei. Und dass die Leitzinsen unverändert bleiben würden, damit hätten ja ohnehin alle gerechnet.

Was den Ausblick betreffe, gehe der volkswirtschaftliche Stab der EZB bezüglich des Bruttoinlandsprodukts im laufenden Jahr davon aus, dass dieses um 2,4 Prozent, also um etwas mehr als zuletzt im Dezember geschätzt (2,3 Prozent) steigen werde. Hinsichtlich der Wertpapierkäufe erwarten nun, die Analysten der Deutschen Bank eingeschlossen, die meisten Analysten, dass die EZB bei ihrer Sitzung im Juni darüber entscheiden wird, wie sich die Wertpapierkäufe ab Oktober weiterentwickeln und welchen Verlauf der Leitzinsen sie den Finanzmärkten signalisieren soll. Per Saldo bleibe allerdings unklar, ob es die Enttäuschung über die heutige EZB-Sitzung gewesen sei, die den Euro gegen Handelsschluss in Europa regelrecht habe abstürzen lassen. Denn die deutsche Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries habe in einem Brief an ihren US-Kollegen Wilbur Ross vor Gegenmaßnahmen der EU auf die angedrohten Importzölle der USA gewarnt. Damit sei der Euro unter die Mitte seiner großen Konsolidierungszone zwischen 1,2155 und 1,2555 gefallen. (09.03.2018/alc/a/a)