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EZB: QE or not QE - das ist die Frage!


13.10.14 10:35
Meriten IM

Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - Die EZB hat geliefert und eigentlich hat sie mehr geliefert, als zu erwarten gewesen wäre, so die Experten von Meritem IM in ihrem aktuellen "Meriten Investmentbrief".

Das zeige sich schon daran, dass allein ihre Ankündigungen signifikante Reaktionen an den Finanzmärkten ausgelöst hätten. So sei seit der Sitzung des EZB-Rates am 5. Juni die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen um über 50 Basispunkte auf unter 1 Prozent gefallen, die Rendite zehnjähriger italienischer Staatsanleihen um 117, die spanischer um 122 und die irischer um 145 Basispunkte gesunken und der Wechselkurs des Euro gegenüber dem US-Dollar um 10 Cent gefallen.

Trotz einiger Unwägbarkeiten sei es erstaunlich, dass die Finanzmärkte ein Scheitern der EZB-Maßnahmen offenbar bereits einpreisen würden, in dem sie bereits auf die nächste Eskalation der EZB-Lockerung setzen würden. Wie sonst wäre es zu erklären, dass die Renditen weiter fallen würden und die langfristigen Inflationserwartungen weiter rückläufig seien?

Die Experten von Meritem IM halten es keineswegs für ausgemacht, dass die EZB ihren letzten Trumpf ausspielt, den offenen Ankauf von Staatsanleihen - wenn auch nicht für ausgeschlossen. Die Experten würden sich fragen, unter welchen Umständen die EZB diesen "finalen Schritt" gehen würde und warum sie ihn zeitnah gehen solle, wenn sie an den mittelfristigen Erfolg der bereits angekündigten Maßnahmen glaube.

Über Erfolg oder Misserfolg der EZB würden aber auch die unmittelbar bevorstehenden Ergebnisse des EZB-Bilanzchecks (Asset Quality Review; AQR) sowie des Banken-Stresstests entscheiden. Die Kombination aus dadurch verminderter regulatorischer Unsicherheit und der Möglichkeit der Bilanzentlastung durch den Verkauf von ABS an die EZB, die auch die Liquidität in anderen Assetklassen verbessern dürfte, sollte eine maßgebliche Verbesserung des Kreditangebots an Unternehmen gerade in den EWU-Krisenstaaten bewirken, wenn auch nicht in dem Umfang, wie ihn die von der EZB avisierte Bilanzverlängerung erwarten lassen würde.

Wenn sich dies bewahrheite, hätte der zusätzliche Ankauf von Staatsanleihen kaum zusätzliche positive Effekte auf die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen. Bestenfalls wirke der schwächere Euro positiv auf den Export. Eine nachhaltig auf Abwertung ausgerichtete Geldpolitik dürfte allerdings langfristig zu höheren Zinsen und Renditen führen. Dies könne angesichts der hohen Schuldenstände vieler EWU-Mitgliedsländer kaum im Interesse der EZB liegen.

Vor diesem Hintergrund bleiben die Experten von Meritem IM trotz wachsender Risiken durch die sich abschwächende Konjunktur bei ihrer Prognose, dass es QE der EZB wahrscheinlich nicht geben wird - zumindest nicht in naher Zukunft. (Ausgabe Oktober 2014) (13.10.2014/alc/a/a)