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EZB: Mehr Aufsehen als erwartet
12.03.21 09:45
Janus Henderson Investors
London (www.anleihencheck.de) - Die EZB-Sitzung erregte mehr Aufsehen, als viele am Markt erwartet hatten, so Andy Mulliner, Head of Global Aggregate Strategies bei Janus Henderson Investors.
Laut der Pressemitteilung erwarte die EZB, dass "die Käufe im Rahmen des PEPP (Pandemic Emergency Purchase Program) im nächsten Quartal in einem deutlich höheren Tempo als in den ersten Monaten des Jahres durchgeführt werden". Begründet worden sei dieser Schritt damit, eine "Verschärfung der Finanzierungsbedingungen zu verhindern, die im Widerspruch zur Bekämpfung der negativen Folgen der Pandemie auf den prognostizierten Inflationsverlauf steht".
Die EZB habe sich in den vergangenen Wochen vehement gegen den Anstieg der europäischen Anleiherenditen während der letzten Monate ausgesprochen. Angesichts des bereits sehr hohen Niveaus geldpolitischer Akkommodation war der Konsens jedoch, dass wir mehr Worte, aber nur begrenzte Taten erhalten würden, so die Experten von Janus Henderson Investors.
Auf den ersten Blick sei es der EZB gelungen, die Erwartungen des Marktes zu übertreffen. Wenn man etwas tiefer grabe, spüre man, dass die EZB so viel Saft wie möglich aus ihrer geldpolitischen Zitrone presse, was sowohl ermutigend als auch ein Hinweis auf den begrenzten Handlungsspielraum sei, den sie derzeit habe. Die gestrige Ankündigung nutze die Flexibilität des aktuellen PEPP-Programms aus, ohne die Parameter zu verändern. Technisch gesehen hätte die Aufstockung der Käufe im PEPP etwas sein können, das unter der vorherigen Ausrichtung automatisch hätte passieren können. Lagarde habe jedoch ausdrücklich betont, dass es sich hierbei um eine geldpolitische Entscheidung handle, und zwar eine bedeutende. Potenziell erschwerend komme hinzu, dass die Prognosen der EZB für Wachstum und Inflation auf kurze Sicht nach oben korrigiert und auf längere Sicht (2023) unverändert gelassen worden seien. Die Tatsache, dass ihre Inflationsprognosen immer noch eine signifikante Abweichung von ihrem eigenen Ziel aufweisen würden, sollte Anlass zur Sorge sein. In diesem Kontext habe sich die EZB entschieden zu handeln.
Die EZB befinde sich in einer misslichen Lage: Höhere Anleiherenditen aufgrund besserer globaler Wachstumsaussichten, wie man sie in diesem Jahr habe beobachten können, würden sowohl eine positive Nachricht als auch eine Herausforderung hinsichtlich einer passiven Straffung der geldpolitischen Bedingungen in der Eurozone darstellen. Die Tatsache, dass die Inflationsprognose der EZB deutlich unter ihren Zielen bleibe, rechtfertige ihre heutige Reaktion. Das sei eine positive Überraschung für die Märkte und die Renditen seien gefallen. Das chronische Problem der niedrigen Inflation werde jedoch auch nach Ablauf des Quartals bestehen bleiben. Was dann passiere, sei weniger eindeutig. (Ausgabe vom 11.03.2021) (12.03.2021/alc/a/a)
Laut der Pressemitteilung erwarte die EZB, dass "die Käufe im Rahmen des PEPP (Pandemic Emergency Purchase Program) im nächsten Quartal in einem deutlich höheren Tempo als in den ersten Monaten des Jahres durchgeführt werden". Begründet worden sei dieser Schritt damit, eine "Verschärfung der Finanzierungsbedingungen zu verhindern, die im Widerspruch zur Bekämpfung der negativen Folgen der Pandemie auf den prognostizierten Inflationsverlauf steht".
Auf den ersten Blick sei es der EZB gelungen, die Erwartungen des Marktes zu übertreffen. Wenn man etwas tiefer grabe, spüre man, dass die EZB so viel Saft wie möglich aus ihrer geldpolitischen Zitrone presse, was sowohl ermutigend als auch ein Hinweis auf den begrenzten Handlungsspielraum sei, den sie derzeit habe. Die gestrige Ankündigung nutze die Flexibilität des aktuellen PEPP-Programms aus, ohne die Parameter zu verändern. Technisch gesehen hätte die Aufstockung der Käufe im PEPP etwas sein können, das unter der vorherigen Ausrichtung automatisch hätte passieren können. Lagarde habe jedoch ausdrücklich betont, dass es sich hierbei um eine geldpolitische Entscheidung handle, und zwar eine bedeutende. Potenziell erschwerend komme hinzu, dass die Prognosen der EZB für Wachstum und Inflation auf kurze Sicht nach oben korrigiert und auf längere Sicht (2023) unverändert gelassen worden seien. Die Tatsache, dass ihre Inflationsprognosen immer noch eine signifikante Abweichung von ihrem eigenen Ziel aufweisen würden, sollte Anlass zur Sorge sein. In diesem Kontext habe sich die EZB entschieden zu handeln.
Die EZB befinde sich in einer misslichen Lage: Höhere Anleiherenditen aufgrund besserer globaler Wachstumsaussichten, wie man sie in diesem Jahr habe beobachten können, würden sowohl eine positive Nachricht als auch eine Herausforderung hinsichtlich einer passiven Straffung der geldpolitischen Bedingungen in der Eurozone darstellen. Die Tatsache, dass die Inflationsprognose der EZB deutlich unter ihren Zielen bleibe, rechtfertige ihre heutige Reaktion. Das sei eine positive Überraschung für die Märkte und die Renditen seien gefallen. Das chronische Problem der niedrigen Inflation werde jedoch auch nach Ablauf des Quartals bestehen bleiben. Was dann passiere, sei weniger eindeutig. (Ausgabe vom 11.03.2021) (12.03.2021/alc/a/a)


