EZB-Leitzinsen weiter auf historischem Tief - Kursgewinne bei Bunds und Bonds


10.02.14 15:01
Alte Leipziger Trust

Oberursel (www.anleihencheck.de) - "Es gibt keine Deflation", so der Kommentar von Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank, nach der jüngsten Entscheidung, nicht weiter an der Zinsschraube zu drehen, schreiben die Experten der Alte Leipziger Trust.

Die Notenbank habe ihren Leitzins mit 0,25 Prozent auf unverändert niedrigem Niveau belassen und sei damit der US-amerikanischen Notenbank FED gefolgt, die zuletzt die Zinsen ebenfalls unberührt gelassen habe.

Im Vorfeld der Entscheidung hätten einige Beobachter mit einer Reaktion der EZB auf die jüngste Entwicklung der Preise im Euroraum gerechnet. Sie hätten ein Drehen an der Zinsschraube erwartet, fühle sich doch mancher Experte angesichts deflationärer Tendenzen mittlerweile an die Entwicklung in Japan erinnert. Auch sei die Inflationsrate im Euroraum, die im Januar von 0,8 auf 0,7 Prozent nachgegeben habe, mittlerweile ein gutes Stück weit vom anvisierten EZB-Inflationswert in Höhe von "nahe, aber unter 2 Prozent" entfernt. Als im vergangenen Herbst die Inflationsrate ebenfalls auf 0,7 Prozent gefallen sei, habe Draghi den Leitzins umgehend auf das noch heute gültige Niveau gesenkt.

Der erneute Rücksetzer der Preissteigerungsrate offenbare somit die Zwickmühle, in der sich die EZB insbesondere durch ihre Rhetorik selber hinein manövriert habe. Die bislang diskutierten Instrumente würden sich entweder als tendenziell wirkungslos, wie die verpuffte Zinssenkung, erweisen, oder hätten nicht gewünschte Nebeneffekte. Die niedrige Inflation sei insbesondere auf die rückläufigen Energiepreise und auf die zwischenzeitlichen Anpassungsmechanismen in den EU-Peripheriestaaten zurückzuführen.

Die inzwischen zu beobachtende langsame Aufhellung der Konjunktur in der Euro-Peripherie spreche ebenfalls gegen eine drohende Deflation. Auch die schwache Kreditvergabe der Banken in den Peripheriestaaten sei weniger der mangelnden Liquidität geschuldet, als vielmehr der fehlender Nachfrage der Unternehmen, deren Kapazitäten nicht ausgelastet seien. Weiterhin würden sich die Banken bei der Kreditvergabe mit Blick auf die bevorstehenden Stress-Tests der EZB zurückhalten.

Die Turbulenzen an den Finanzmärkten einiger Schwellenländer im Zuge des US-Taperings habe Anleger in bestens geratete Staatsanleihen flüchten lassen. Die zunehmende Risikoaversion habe zu einer kräftig anziehenden Nachfrage nach hochwertigen Assets wie US-Treasuries oder Bundesanleihen geführt. Die Renditen von Treasuries und Bunds mit Restlaufzeiten von zehn Jahren seien im Januar an ihren Widerständen bei 3 Prozent bzw. 2 Prozent nach unten abgeprallt. Die Abwärtsbewegung der Renditen dürfte sich nach Einschätzung der Experten jedoch nicht in diesem Ausmaß fortsetzen.

Bis in die erste Februar-Woche sei die Rendite 10-jähriger US-Treasuries von 3,00 Prozent auf 2,67 Prozent gesunken. Hierdurch habe sich die Zinskurve ebenso deutlich verflacht wie in Deutschland. Die Rendite 10-jähriger Anleihen sei von 1,94 Prozent Ende des letzten Jahres auf 1,66 Prozent kräftig gefallen, wodurch sich Kursgewinne eingestellt hätten. Die Experten würden erwarten, dass die Renditen der 10-jährigen US-Treasuries ihre Unterstützungszone bei 2,5 Prozent nicht unterschreiten würden. Auch bei deutschen Staatsanleihen seien weitere Kursgewinne eher unwahrscheinlich.

Die neuesten Daten vom US-Arbeitsmarkt hätten im Januar, mit einem Stellenwachstum von 74.000, die optimistischen Erwartungen sehr deutlich verfehlt. Ein Grund für die schwachen Arbeitsmarktzahlen dürfte der Kälteeinbruch in den USA gewesen sein. Das Wachstum der US-Wirtschaft habe im vierten Quartal bei annualisierten 3,2 Prozent gelegen. Damit habe es sich in der zweiten Jahreshälfte 2013 kräftig erhöht, weshalb im weiteren Jahresverlauf die tendenzielle Fortsetzung der Rückführung der Anleihekäufe durch die FED derzeit das wahrscheinlichste Szenario darstelle.

Die deutsche Wirtschaft sei im vierten Quartal 2013 um 0,25 Prozent gewachsen, für das Gesamtjahr ergebe sich damit ein Wachstum um 0,4 Prozent. Ein wichtiger Treiber des Wachstums seien im letzten Jahr die Konsumausgaben gewesen. Aktuell liege das GfK-Konsumklima auf dem höchsten Stand seit mehr als sechs Jahren und zeige damit eine sehr gute Stimmung der Verbraucher an. Aufgrund der weiterhin positiven Entwicklung am Arbeitsmarkt dürfte der Konsum auch in diesem Jahr einen wichtigen Beitrag zum Wachstum geben. Die Unternehmen seien allerdings noch nicht so optimistisch wie die Verbraucher, rückläufige Investitionen hätten das Wirtschaftswachstum im letzten Jahr belastet. Zum Jahresende zeige sich allerdings eine anziehende Nachfrage nach Investitionsgütern. Dies wecke Hoffnungen, dass sich die Investitionsbereitschaft der Unternehmen in diesem Jahr erhöhe.

Die aktuell schwierige Lage in vielen Schwellenländern und die Erholungstendenzen in der Eurozone dürften Investitionen im Inland wieder attraktiver machen. Die Einkaufsmanagerindices für die Eurozone hätten abermals zugelegt, der Index für das Verarbeitende Gewerbe habe sogar auf den höchsten Stand seit annähernd drei Jahren ansteigen können. (Ausgabe Februar 2014) (10.02.2014/alc/a/a)





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