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EZB: Kann Lagarde die Wogen glätten?
24.10.19 14:30
TARGOBANK
Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - Es war Mario Draghis letzte Sitzung und sie verlief erwartungsgemäß unspektakulär, so Dr. Otmar Lang, Chefvolkswirt der TARGOBANK.
Nach acht Jahren sage der Italiener der Europäischen Zentralbank "Arrivederci", die Französin Christine Lagarde rücke im November nach. Man dürfe gespannt sein, wie Draghis Amtszeit historisch bewertet werde - über die Nachhaltigkeit seines geldpolitischen Erbes könne man sicherlich trefflich streiten. Klar sei auf jeden Fall, dass er den Handlungsspielraum seiner Nachfolgerin maximal eng gestaltet habe.
Eine Zins-Entscheidung sei in Frankfurt heute nicht getroffen worden - wichtiger sei jedoch auch, was sich hinter den Kulissen des EZB-Rates abspiele. Dessen Mitglieder hätten zuletzt in nie da gewesener Deutlichkeit gegen die jüngsten Entscheidungen, insbesondere das neue Anleihekaufprogramm, opponiert. Die Kritik am EZB-Chef komme aus Ländern, die gemeinsam 60 Prozent der europäischen Wirtschaftsleistung und rund 52 Prozent der Bevölkerung hinter sich vereinen würden.
Trotz ihrer ausgewiesenen Fähigkeit zur Moderation werde auch Christine Lagarde diesen eisigen Wind zu spüren bekommen. Sie liege mit Draghi geldpolitisch auf einer Wellenlänge und werde sich daher schwer tun, die Wogen zu glätten.
Es sei denn, die Konjunktur komme ihr zu Hilfe: Möglicherweise könnte sich bereits zum Ende des Jahres eine Belebung abzeichnen. Vorausgesetzt, die Entspannung bei den beiden größten Unsicherheitsfaktoren für die Weltwirtschaft, dem Handelskrieg und dem Brexit, setze sich fort: Dann wäre auch eine anziehende Investitionsbereitschaft vor dem Hintergrund einer ungebrochen starken Konsumneigung nicht auszuschließen. Flankiert würde diese positive Gemengelage zusätzlich von extrem niedrigen Leitzinsen weltweit und gedrückten Rohstoffpreisen. In einem solchen Umfeld sollte es dann nicht verwundern, wenn die Notenbanker spätestens im nächsten Frühjahr wieder einvernehmlich über Zinserhöhungen sprechen würden, anstatt kontrovers über Anleihekaufprogramme zu diskutieren. (24.10.2019/alc/a/a)
Nach acht Jahren sage der Italiener der Europäischen Zentralbank "Arrivederci", die Französin Christine Lagarde rücke im November nach. Man dürfe gespannt sein, wie Draghis Amtszeit historisch bewertet werde - über die Nachhaltigkeit seines geldpolitischen Erbes könne man sicherlich trefflich streiten. Klar sei auf jeden Fall, dass er den Handlungsspielraum seiner Nachfolgerin maximal eng gestaltet habe.
Trotz ihrer ausgewiesenen Fähigkeit zur Moderation werde auch Christine Lagarde diesen eisigen Wind zu spüren bekommen. Sie liege mit Draghi geldpolitisch auf einer Wellenlänge und werde sich daher schwer tun, die Wogen zu glätten.
Es sei denn, die Konjunktur komme ihr zu Hilfe: Möglicherweise könnte sich bereits zum Ende des Jahres eine Belebung abzeichnen. Vorausgesetzt, die Entspannung bei den beiden größten Unsicherheitsfaktoren für die Weltwirtschaft, dem Handelskrieg und dem Brexit, setze sich fort: Dann wäre auch eine anziehende Investitionsbereitschaft vor dem Hintergrund einer ungebrochen starken Konsumneigung nicht auszuschließen. Flankiert würde diese positive Gemengelage zusätzlich von extrem niedrigen Leitzinsen weltweit und gedrückten Rohstoffpreisen. In einem solchen Umfeld sollte es dann nicht verwundern, wenn die Notenbanker spätestens im nächsten Frühjahr wieder einvernehmlich über Zinserhöhungen sprechen würden, anstatt kontrovers über Anleihekaufprogramme zu diskutieren. (24.10.2019/alc/a/a)


