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EZB-Ankaufsprogramm übertrifft Markterwartungen


05.06.20 08:45
M&G Investments

London (www.anleihencheck.de) - Anleger brauchten am Donnerstag weitere Zinssenkungen nicht zu befürchten, so Wolfgang Bauer, Fondsmanager Anleihen bei M&G Investments.

Die EZB habe bei ihrer Sitzung überdeutlich klar gemacht, dass das Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) ihr Instrument der Wahl sei, um die wirtschaftlichen Folgen von COVID-19 zu bekämpfen. Die bekannt gegebene Erhöhung des PEPP-Ankaufsvolumens um 600 Milliarden auf insgesamt 1,35 Billionen Euro habe die ohnehin schon hohen Markterwartungen übertroffen. Darüber hinaus sei der Zeithorizont für Nettokäufe im Rahmen des PEPP bis mindestens Ende Juni 20121 verlängert worden. Die Zinssätze und Nettokäufe im Rahmen des bestehenden Asset Purchase Programme (APP), die unverändert beibehalten worden seien, würden derzeit eindeutig die zweite Geige spielen.

Natürlich sei es aus Sicht der EZB sinnvoll, den Schwerpunkt auf PEPP-Käufe zu legen. Angesichts der aktuell so unsicheren Wirtschafts- und Inflationsaussichten sei Flexibilität besonders wichtig. Und das unterscheide das PEPP von anderen Kaufprogrammen. Wenn es hart auf hart komme, könnte die EZB vom Kapitalschlüssel abweichen und beispielsweise mehr PEPP-Käufe von Staatsanleihen europäischer Peripherieländer vornehmen.

Folglich hätten die Anleihemärkte die Aufstockung des PEPP als positives Zeichen für italienische BTPs gewertet, deren Risikoaufschlag gegenüber Bundesanleihen sogleich um etwa 20 Basispunkte gefallen sei. Zum Thema mehr Flexibilität bei der Kreditqualität von Unternehmensanleihen habe Präsidentin Lagarde in der heutigen Sitzung deutlich gemacht, dass die EZB zumindest vorläufig nicht bereit sei, den Rubikon zu überschreiten, wenn es um den Kauf von Sub-Investment-Grade-Anleihen gehe.

Weil sich die Renditeaufschläge europäischer Hochzinsanleihen seit März so stark erholt hätten - der iTraxx Xover sei von über 700 auf etwa 375 Basispunkte gesunken - könnte es an der Zeit sein, Bestände zu reduzieren und Gewinne mitzunehmen. Da der technische Rückenwind durch EZB-Käufe fehle, könnte die Anlageklasse anfälliger sein für eine eventuelle Verschlechterung der COVID-19-Situation oder für Wirtschaftsdaten, die schlechter ausfallen würden, als erwartet. (Ausgabe vom 04.06.2020) (05.06.2020/alc/a/a)