Erweiterte Funktionen

EZB: Abwarten und Tee trinken


09.06.25 09:45
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Wie erwartet hat der EZB-Rat den Einlagensatz auf 2,0% gesenkt. Dies war der achte Zinsschritt in Folge, wodurch sich der Leitzins innerhalb eines Jahres halbiert hat, so die Analysten der Helaba.

Die Inflationsrate im Euroraum sei zuletzt wieder unter die 2-Prozent-Zielmarke gefallen. Man könne der EZB nur gratulieren, ihre Mission sei erfolgreich gewesen. Wie es nach guter Arbeit allgemein üblich sei, habe man sich erst einmal eine Auszeit verdient. Dies gelte auf jeden Fall für den nächsten Termin am 25. Juli. Spannender sei der 11. September, wenn der EZB-Rat neue Quartalsprojektionen präsentiere.

Die gerade neu vorgestellten Projektionen würden sich bei der BIP-Schätzung nur wenig verändert zeigen. Für die Jahre 2025 bis 2027 werde ein Wirtschaftswachstum der Eurozone von 0,9 %, 1,1 % bzw. 1,3 % unterstellt. Niedrigere Werte gebe es hingegen bei der Inflationsprognose. Die Abwärtsrevisionen gegenüber den Projektionen vom März um 0,3 Prozentpunkte sowohl für 2025 als auch für 2026 auf 2,0 % bzw. 1,6 % seien im Wesentlichen auf die Annahme niedrigerer Energiepreise und eines stärkeren Euro zurückzuführen. Der Wert von 2,0 % für 2027 sei unverändert geblieben.

Laut Christine Lagarde fühle sich der EZB-Rat mit dem jetzt erreichten Zinsniveau in einer komfortablen geldpolitischen Lage. Ob dies im September noch immer der Fall sein werde, bleibe abzuwarten. Allerdings habe die EZB-Chefin bei der Pressekonferenz durchblicken lassen, dass der EZB-Rat die als günstig empfundene Leitzinsposition von 2 % nicht ohne Not verlassen dürfte. Zudem habe sie angedeutet, dass mit der jüngsten Lockerung das Ende der Zinssenkungen vermutlich erreicht worden sei.

In diesen unruhigen Zeiten sei es durchaus sinnvoll, nicht gleich sein ganzes Pulver zu verschießen. Zwar mache das Bankensystem derzeit einen robusten Eindruck, und auch die Spreads im Euroraum seien unauffällig, es bestünden jedoch auch hier Risiken. Insgesamt stehe die Konjunktur noch auf wackligen Beinen. Mit deflationären Tendenzen rechne die EZB gleichwohl nicht. Vielmehr dürfte sie die geplanten Fiskalpakete, die durchaus längerfristige Inflationsrisiken mit sich brächten, mit Argusaugen beobachten.

In ihrem Basisszenario halte Helaba die Wahrscheinlichkeit einer längeren geldpolitischen Seitwärtsphase daher für höher als die Wahrscheinlichkeit weiterer Lockerungen. Lagardes Aussagen hätten an den Kapitalmärkten für eine gewisse Ernüchterung gesorgt. Während der Pressekonferenz seien die Renditen von Bundesanleihen spürbar gestiegen. Inzwischen liege die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen klar über dem Niveau des Euro-Leitzinses. Dies werde vermutlich noch für lange Zeit so bleiben. (Ausgabe vom 06.06.2025) (09.06.2025/alc/a/a)