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Drei Argumente für Unternehmensanleihen


27.07.16 09:34
J.P. Morgan Asset Management

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Moderates Wirtschaftswachstum und niedrige Inflation: Dieses Marktumfeld hat sich im bisherigen Jahresverlauf 2016 als positiv für europäische Unternehmensanleihen höherer Bonität - also mit "Investment Grade"-Rating - erwiesen, so Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management in Frankfurt.

Neben dem vorteilhaften makroökonomischen Umfeld habe insbesondere auch eine Ankündigung der Europäischen Zentralbank vom März dieses Jahres dieser Assetklasse Auftrieb gegeben: Es wurde beschlossen, das bestehende Kaufprogramm für Staatsanleihen von 60 Milliarden Euro pro Monat auf 80 Milliarden Euro pro Monat auszuweiten und neben Staatsanleihen nun auch Investment Grade-Unternehmensanleihen (ex Banken) zu erwerben. Als Folge sei die durchschnittliche Rendite inzwischen unter die Marke von 1 Prozent gefallen und rund 10 Prozent des Universums rentiere sogar negativ.

Diese Entwicklung werfe natürlich die Frage auf, ob Euro-Investmentgrade-Unternehmensanleihen auf diesem Niveau überhaupt noch attraktiv seien, oder ob die Investoren besser nach Alternativen Ausschau halten sollten? Die Experten seien aus drei Gründen weiterhin positiv für diese Anlageklasse:

Erstens habe das "Leave"-Votum des EU-Referendums in Großbritannien die Sorgen um negative Folgen für das Wirtschaftswachstum verstärkt. Als Folge dessen seien die Erwartungen für zukünftige Zinserhöhungen kollabiert, sodass die Durationsrisiken für die nähere Zukunft moderat seien.

Zweitens verschiebe sich die Angebots-Nachfrage-Balance mit dem Eintritt der Europäischen Zentralbank im Unternehmensanleihenmarkt zunehmend zugunsten der Nachfrageseite. Werde das aktuelle Kauftempo beibehalten, dürfte die EZB in zwei Jahren schon rund 10 Prozent aller in EUR notierten Unternehmensanleihen halten. Innerhalb dieses Segments würden die Experten dabei eine immer größere Kluft in der Wertentwicklung zwischen Anleihen, die von der EZB gekauft werden könnten und Anleihen, die für das Kaufprogramm nicht zur Verfügung stünden, sehen. Neben der Zentralbank seien jedoch auch die Zuflüsse in die Publikumsfonds seit Februar wieder positiv geworden.

Die positiven Nachfrageeffekte würden etwas gebremst durch die steigenden Anleiheemissionen. Zahlreiche Unternehmen würden die niedrigen Zinsen am Anleihenmarkt für günstige Refinanzierungen und Akquisitionen nutzen. Im Finanzsektor erwarte man den stärksten Anstieg im Finanzierungsbedarf, während die Netto-Emissionen im Industriesektor sogar negativ werden könnten.

Der dritte Grund, weshalb nach Einschätzung der Experten Euro-Investmentgrade-Unternehmensanleihen immer noch attraktiv seien, sei das relativ geringe Kreditrisiko: Die Gewinne der Unternehmen in der Eurozone sollten nach dem Rückgang in den letzten 2,5 Jahren in der zweiten Jahreshälfte wieder im niedrigen zweistelligen Bereich ansteigen, wodurch die Schuldendienstfähigkeit weiter gestärkt werde. In Europa sehe man im Gegensatz zu den USA noch nicht den Trend, die niedrigen Anleihenrenditen zu nutzen, um mit zusätzlicher Fremdkapitalaufnahme Aktienrückkäufe zu finanzieren.

In Summe würden die anhaltend niedrigen Zinsen, die Nachfrage von der EZB und Privatanlegern und eine sich verbessernde Gewinnsituation der Unternehmen für EUR-Investment-Grade Unternehmensanleihen sprechen: Die Anleger würden aktuell mit einem Risikoaufschlag von 1,3 Prozent gegenüber Staatsanleihen immer noch angemessen kompensiert. (27.07.2016/alc/a/a)