Deutsche High Yields versprechen wieder zweistellige Renditen


28.09.11 10:56
Smart Investor

Wolfratshausen (anleihencheck.de) - Die Experten vom "Smart Investor" haben in ihrer aktuellen Ausgabe den Markt für deutsche High Yield Unternehmens- und Mittelstandsanleihen unter die Lupe genommen.

Auch an den Anleihemärkten hätten die jüngsten Entwicklungen tiefe Spuren hinterlassen. Seien manchen Emittenten neue Schuldverschreibungen vor wenigen Monaten noch geradezu aus den Händen gerissen worden, sei ein Teil dieser Papiere inzwischen mit Abschlägen von 10% oder mehr auf den Nominalwert zu haben. Besonders hart erwischt habe es dabei naturgemäß Anleihen solcher Schuldner, die nicht nur von der gesamtwirtschaftlichen Gemengelage, sondern darüber hinaus auch noch von hausgemachten Problemen betroffen seien. Gleichwohl könnten die Kursabschläge aufgrund der stark gestiegenen Risikoaversion vieler Anleger im einen oder anderen Fall etwas hoch ausgefallen sein.

So könne mit den Anleihen (ISIN DE000AB100A6 / WKN AB100A) (ISIN DE000AB100B4 / WKN AB100B) der Air Berlin nach dem Abgang des Gründers und langjährigen Vorstandsvorsitzenden Joachim Hunold inzwischen auf jährliche Renditen von 10 bis 11% spekuliert werden.

Die jeweils mit BBB gerateten "Photovoltaik-Papiere" von CENTROSOLAR und Payom Solar (ISIN DE000A1H3M96/ WKNA1H3M9) würden es auf ähnliche Werte bringen, und bei der 3W Power seien sogar gut 13% per annum drin, wenn im Dezember 2015 tatsächlich die planmäßige Rückzahlung erfolge. Bei einem Rating von B- liege die statistische Ausfallwahrscheinlichkeit für den Schuldtitel des Systemanbieters im Bereich effizienter Elektrizitätsflüsse auf Sicht von vier Jahren allerdings auch bei 30%.

Immer wieder für hohe Renditen sowie für schlaflose Nächte gut seien auch die Anleihen von Heckler & Koch. Das sei beim jüngst zurückgezahlten Bond, der zeitweise bei lediglich 84% notiert habe, schon so gewesen, werde von der im Mai begebenen Schuldverschreibung des Waffenfabrikanten (ISIN XS0626438112/ WKN: A1KQ5P) aber noch deutlich getoppt. Hier stünden aktuell nur noch 67% auf der Kurstafel. Bei einem Kupon von 9,25% und Fälligkeit im Mai 2018 ergebe sich daraus eine potenzielle Rendite von 18,4% per annum. Das Bondrating von S&P liege allerdings auch nur bei CCC+. Laut Medienberichten sollten H&K im zweiten Quartal zudem einen Umsatz- und Ertragseinbruch erlitten haben, so dass der für 2012 angepeilte Börsengang wieder in Frage stehe. Ein noch größeres Problem dürfte allerdings die Stückelung sein, die bei 100.000 EUR liege.

"30% auf alles, auch auf Anleihen", könnte es derzeit bei Praktiker heißen. Nachdem die Baumarktkette schon in den vergangenen beiden Jahren Verluste habe verkraften müssen, habe sich die negative Entwicklung in den ersten sechs Monaten 2011 nochmals verstärkt. Bei rückläufigen Umsätzen sei es von Anfang Januar bis Ende Juni zu einem operativen Verlust von fast 100 Mio. EUR gekommen. Zudem habe das Unternehmen 160 Mio. EUR auf seine 236 inländischen Märkte abgeschrieben. Die Eigenkapitalquote sei von gut 40 auf 25% gefallen. Die 5,875%ige Schuldverschreibung mit Fälligkeit im Februar 2016 (ISIN DE000A1H3JZ8/ WKN: A1H3JZ) sei daraufhin zeitweise auf rund 60% abgetaucht. Inzwischen sei es zwar wieder etwas nach oben gegangen, eine jährliche Rendite von gut 16% sei aber immer noch drin. Grundvoraussetzung hierfür sei allerdings die Beseitigung des drohenden Liquiditätsengpasses (Ende September werde beispielsweise noch eine Wandelanleihe im Volumen von 100 Mio. EUR fällig) sowie die erfolgreiche Restrukturierung des Unternehmens. Denn nur wenn der Mitte August angeheuerte Restrukturierungsspezialist und Karstadt-Sanierer Thomas Fox mit seinen Umbauplänen Erfolg haben sollte, werde es in viereinhalb Jahren wohl tatsächlich zur planmäßigen Rückzahlung des Papiers kommen.

Gleich ein ganzes Bündel verschiedener Schuldtitel finde sich bei der TUI AG, von denen zumindest die beiden zuletzt begebenen Wandelanleihen kleinanlegerfreundliche Stückelungen aufweisen würden. Dabei sei der Kurs der beiden Papiere nicht in Prozent, sondern als Stücknotiz in Euro angegeben. Der bis März 2016 laufende Wandler (ISIN DE000TUAG158/ WKN: TUAG15) bringe es bei einem Kurs von 36,80 EUR derzeit auf eine jährliche Rendite von rund 15%, sofern es bei Fälligkeit tatsächlich zu einer Rückzahlung in Höhe des Nennwertes von 59,26 EUR komme. Noch mehr sei drin, wenn der Aktienkurs des Reisekonzerns bis dahin über den Wandlungspreis von 11,85 EUR hinaus ansteigen sollte.

Bei dem bis November 2014 laufenden Pendant (ISIN DE000TUAG117/ WKN: TUAG11) betrage die jährliche Rendite derzeit zwar "nur" 9,4%, dafür lohne sich die Wandlung aber bereits ab einem TUl-Kurs von 5,63 EUR. Auf der Risikoseite schlage insbesondere die niedrige Eigenkapitalquote von lediglich 16,2% zu Buche. Entsprechend lägen die Ratings von S&P und Moody's auch nur bei B- bzw. B3 und würden damit eine geringe Sicherung von Zins und Tilgung signalisieren. Alexej Mordaschow scheine dies allerdings etwas anders zu sehen. Der russische Stahlmilliardär habe seinen Anteil an der TUI AG erst Anfang September auf über 25% ausgebaut.

Mit den jüngsten Kursrückschlägen habe so manch eine hochspekulative Unternehmensanleihe Schnäppchenniveau erreicht. Nicht jedes vermeintliche Schnäppchen erweise sich im Nachhinein jedoch als günstige Kaufgelegenheit. Die Vorstellung der hier aufgeführten Anleihen sei deshalb auch keineswegs als Kaufempfehlung zu verstehen.

Vielmehr sei sie als Anregung gedacht, sich mit dem ein oder anderen Papier selbst einmal etwas intensiver auseinanderzusetzen. Ein entsprechendes Risikoprofil vorausgesetzt, lassen sich dann durchaus reizvolle Spekulationsmöglichkeiten finden, so die Experten vom "Smart Investor". (Ausgabe 10) (28.09.2011/alc/a/a)

Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

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