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Credit-Märkte 2026: High-Yield-Gewinne sichern - Chancen in EM-Anleihen nutzen


04.12.25 13:00
Wellington Management

London (www.anleihencheck.de) - Globale Aktien setzten ihren Anstieg im dritten Quartal fort; während der ein oder andere die überschwängliche Stimmung am Markt für globale Aktien durchaus skeptisch sehen mag, rechnet Wellington Management auf Sicht von zwölf Monaten mit weiterhin unterstützenden Fundamentaldaten - in ihrem anlageklassenübergreifenden Ausblick für 2026 zeigen sich Supriya Menon, Leiterin Multi Asset Strategie EMEA, und Nanette Abuhoff Jacobson, Strategin für globale Investments und Multi-Asset, grundsätzlich optimistisch.

Menon und Jacobson würden weiter an einer leichten Übergewichtung globaler Aktien gegenüber Anleihen festhalten, jedoch beim Blick auf die Bewertungen zugleich zur Vorsicht mahnen und eine Diversifizierung von Wachstums- zu Substanzwerten für entscheidend halten.

Darüber hinaus sollten Anleger bei Rentenwerten beispielsweise eine Verbesserung der Qualität in Betracht ziehen und auf mögliche Chancen achten, regionale Unterschiede in der Geldpolitik und bei den Marktbewertungen zu nutzen.

Die beiden Expertinnen von Wellington Management würden fünf Punkte zusammenfassen, die Orientierung in Allokationsfragen bieten könnten:

1. Man solle erwägen, eine leicht risikoorientierte Ausrichtung beizubehalten: In Bezug auf globale Aktien seien die Expertinnen von Wellington Management relativ optimistisch und würden eine moderate Erhöhung des Engagements befürworten. Die Gewinne würden höhere Bewertungen stützen, insbesondere in den USA. Die Geld- und Fiskalpolitik setze positive Impulse, während die handelspolitische Unsicherheit nachgelassen habe. Wellington sehe nur ein geringes Rezessionsrisiko und bevorzuge Aktien gegenüber Anleihen.

2. Bei Aktien den Schwerpunkt auf Gewinnwachstum statt auf Bewertungen setzen: Bei Aktien aus Industrieländern würden die Expertinnen von Wellington Management die USA und Japan gegenüber Europa bevorzugen. Die Euphorie rund um das Thema KI werde in den USA wohl kaum nachlassen. In Japan sehe man Anzeichen für eine verbesserte Kapitalrendite für Aktionäre sowie positive Gewinnkorrekturen. Europäische Unternehmen sähen sich mit einer schwierigen Kombination aus langsamem Wirtschaftswachstum und Gewinnprognosen, die hinter denen anderer Regionen zurückbleiben würden, konfrontiert.

3. An den Rentenmärkten nach regionalen Divergenzen suchen und bei Credit-Anlagen eine Verbesserung der Qualität erwägen: Die Expertinnen von Wellington Management würden Duration und Credit-Anlagen leicht übergewichten. Hinsichtlich der Duration würden sie eine leichte Übergewichtung des Vereinigten Königreichs sowie eine leichte Untergewichtung der USA, Japans und der Eurozone empfehlen. Im Credit-Segment hätten sie ihre Einschätzung für High-Yield-Anleihen auf "neutral" herabgestuft und ihre Einschätzung für Hartwährungsanleihen der Emerging Markets (EM) auf "moderat übergewichten" angehoben.

4. Die Entwicklung von Rohstoffen im Auge behalten: Supriya Menon und Nanette Abuhoff Jacobson würden Öl weiterhin untergewichten, da sie davon ausgehen würden, dass der Ölmarkt in diesem Jahr aufgrund der verlangsamten Produktionskürzungen der OPEC einen Überschuss aufweisen werde. Die Expertinnen von Wellington Management würden Gold gegenüber weiterhin positiv eingestellt bleiben. Allerdings sähen sie derzeit gute Gründe, Gewinne mitzunehmen, neutral zu bleiben und auf einen besseren Wiedereinstiegspunkt zu warten.

5. Die Risiken nicht außer Acht lassen: Ein deutlicher Inflationsschub stelle nach wie vor das größte Abwärtsrisiko für die Märkte dar. Darüber hinaus könnte ein deutlich schwächerer US-Arbeitsmarkt das Rezessionsrisiko erhöhen und auch die geopolitische Lage bleibe ein Risiko, das es zu beobachten gelte. Zu den Aufwärtsrisiken würden tragbare Handelsabkommen der USA mit Europa, Japan und China sowie konkrete Anzeichen für eine durch KI erzielte Produktivitätssteigerung zählen.

Die Expertinnen von Wellington Management würden nach wie vor eine leichte Übergewichtung globaler Aktien befürworten. Die Gewinne würden sich weltweit solide entwickeln und die politischen Rahmenbedingungen seien günstig. Obwohl noch Fragen zu den US-Zöllen offen seien, scheine ein Großteil der Unsicherheit inzwischen hinter uns zu liegen. Die beiden Expertinnen stünden KI weiterhin positiv gegenüber. Die massiven Investitionen würden kurzfristig für einen konjunkturellen Aufschwung sorgen und könnten langfristig zu noch bedeutenderen Produktivitätssteigerungen führen.

Quelle: Wellington Management | Die Einschätzungen haben einen Zeithorizont von zwölf Monaten und sind die der Autoren sowie des Wellington Solutions-Bereichs. Sie datieren vom September 2025, basieren auf aktuell verfügbaren Informationen und können ohne vorherige Ankündigung Änderungen unterliegen. Einzelne Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Investitionsentscheidungen treffen. Diese Unterlagen sind weder als Anlageberatung noch als Empfehlung zum Kauf oder Verkauf eines bestimmten Wertpapiers auszulegen.

Warum seien Supriya Menon und Nanette Abuhoff Jacobson von Wellington Management angesichts dieser Faktoren nicht positiver gestimmt? Die Bewertungen seien gestiegen, speziell in Nicht-US-Märkten mit schwächerem Gewinnwachstum. Gleichzeitig bleibe die Unsicherheit in mehreren politischen Bereichen in den USA und anderen Ländern hoch.

Ihre Einschätzung der USA habe sich von einer moderaten Unter- zu einer moderaten Übergewichtung geändert. Während sich die Gewinne bisher auf eine relativ kleine Gruppe von Mega-Caps beschränkt hätten, sähen die Expertinnen von Wellington Management nun gewisse Anzeichen für eine breitere Erholung der Gewinne: Unter anderem unterstützt die Zinssenkungen der Fed Small Caps sowie substanzorientierten Segmenten. Der Markt sei zwar hoch bewertet, zugleich sehe man aber eine hohe Eigenkapitalrendite. Zudem würden die Gewinnerwartungen immer noch erfüllt.

Die Expertinnen von Wellington Management würden weiterhin eine leichte Übergewichtung japanischer Aktien empfehlen, auf die sich beispielsweise die anhaltende Reflation positiv auswirke.

Supriya Menon und Nanette Abuhoff Jacobson von Wellington Management hätten ihre Einschätzung für die Region Europa (ohne UK) sowie für das Vereinigte Königreich von "neutral" auf "moderat untergewichten" gesenkt. Das fehlende Gewinnwachstum deute darauf hin, dass die jüngsten Kursgewinne in Europa (ohne UK) auf Bewertungsfaktoren zurückzuführen gewesen seien. Die Region sei daher nun nicht mehr günstig oder unbeliebt.

Auf Sektorebene würden die Präferenzen von Wellington von verschiedenen Faktoren bestimmt und nicht von einem klaren übergeordneten Thema. Die Expertinnen würden eine Übergewichtung der Bereiche Kommunikation, Basiskonsumgüter und Versorger und eine Untergewichtung der Sektoren Werkstoffe, Gesundheit und Industrie empfehlen. Technologie- und Finanzwerte würden sie neutral einschätzen.

Staatsanleihen: Divergenz und Chancen

Supriya Menon und Nanette Abuhoff Jacobson von Wellington Management sähen bei Staatsanleihen Chancen im Zusammenhang mit der Zinspolitik, durch die regionale Unterschiede entstehen könnten. Am stärksten seien die Expertinnen auf regionaler Ebene von einer leichten Übergewichtung britischer Staatsanleihen überzeugt.

Die USA, Europa und Japan sähen die Expertinnen eher pessimistisch und würden eine leichte Untergewichtung empfehlen. Der Markt habe hinsichtlich der erwarteten Zinssenkungen der Fed vorschnell reagiert. Schließlich sei die Inflation immer noch recht hoch und das Risiko einer Rezession niedrig.

Credit-Anlagen: Sei es Zeit, Gewinne bei High-Yield-Anleihen mitzunehmen?

Die engen Spreads würden immer enger. Das begrenze das Aufwärtspotenzial. Supriya Menon und Nanette Abuhoff Jacobson von Wellington Management sähen vereinzelt Kreditprobleme bei den US-Verbraucherkrediten, die von einkommensschwachen Bevölkerungsgruppen ausgehen würden. Dennoch sähen die Expertinnen keinen eindeutigen Auslöser für eine breitere Ausweitung der Spreads. Das allgemeine Umfeld scheine für Risikoanlagen positiv. Angesichts der hohen Bewertungen könnte es jedoch an der Zeit sein, die Kreditqualität zu erhöhen und High-Yield-Anleihen durch Staatsanleihen aus den Emerging Markets zu ersetzen.

Die makroökonomischen Rahmenbedingungen für die Emerging Markets würden die Expertinnen von Wellington Management für positiv halten. EM-Anleihen würden sich zu jeweils etwa 50 Prozent aus Investment-Grade- und High-Yield-Anleihen zusammensetzen. Im Vergleich zu Aktien würden sie daher eine defensivere Allokation als High-Yield-Anleihen darstellen. Darüber hinaus würden EM-Anleihen im Vergleich zu globalen Investment-Grade-Unternehmensanleihen und High-Yield-Anleihen noch Spielraum für eine Spreadverbesserung bieten. In einem angespannteren US-Wirtschaftsumfeld würden die Spreads von EM-Anleihen auch tendenziell von ihrer längeren Duration im Vergleich zu anderen Spread-Märkten. (04.12.2025/alc/a/a)