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Credit 2.0 - Neue Strategien bei Unternehmensanleihen


01.04.15 12:02
Meriten IM

Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - An den Bondmärkten geht ein geflügeltes Wort um. "Anleihen mit negativen Zinsen - die am schnellsten wachsende Anlageklasse der Welt", heißt es dort fast spöttisch, so Patrick König, Leiter Produkte bei Meriten IM in einer aktuellen Ausgabe des Meriten Investmentbriefs.

Auch wenn das etwas übertrieben klingen möge, stünden Anleger zweifellos vor einer bis dato nicht gekannten Situation. Die berühmte "Vier Prozent-Verzinsung" - jahrelang recht mühelos zu erreichen - rücke mit den bisherigen Strategien in weite Ferne.

Dennoch bleibe der Bereich "Credit" eine der wenigen echten Alternativen für Anleger. Gegenüber Staatsanleihen erziele er noch immer erhebliche Zinsaufschläge. Im High-Yield-Segment betrage der Aufschlag aktuell etwa 380 Basispunkte (Basis: BofA Merrill Lynch Euro High Yield Index). Obwohl die Spreads über alle Segmente hinweg bereits deutlich gesunken seien, würden viele Beobachter noch Potenzial sehen.

Für zusätzliche Erträge würden Strategien wie "Smart Beta" wichtiger. Eigentlich eher aus dem Aktienmarkt bekannt, gebe es auch im Credit-Markt zahlreiche Möglichkeiten, sich systematisch abseits der bekannten Segmente und Benchmarks zu positionieren. Ein Beispiel sei der Bereich "Crossover", der Investmentgrade- und High-Yield-Segmente mit BBB- und BB-Ratings umfasse.

Der Vorteil dieser Kombination liege auf der Hand. Investoren mit traditionellen Anlageuniversen seien gezwungen, Titel in diesem Grenzbereich genau dann zu kaufen oder zu verkaufen, wenn Hoch- oder Herabstufungen offiziell würden. Aktive Manager könnten aber schon im Vorfeld agieren. Zudem würden die Crossover-Segmente in der Regel bessere Risiko-Ertrags-Profile aufweisen als die reinen Investmentgrade- oder High-Yield-Bereiche.

Ein weiterer Ansatz sei die Auswahl von Laufzeitsegmenten innerhalb eines Universums. So würden Credit-Short-Duration-Strategien vor allem auf Anleihen mit Restlaufzeiten von weniger als vier Jahren setzen. Das reduziere Zinsänderungs- und Liquiditätsrisiken. Eine solche Strategie biete sich vor allem für Investoren an, die hohe Verzinsungen suchen, aber steigende Zinsen erwarten würden.

Am wichtigsten aber dürfte der Faktor "Alpha" werden. Hier seien verschiedene Möglichkeiten denkbar. Neben der Fundamentalanalyse, die zur erfolgreichen Selektion beitrage, würden vor allem Overlay- und Risikokonzepte an Bedeutung gewinnen. Darüber würden taktische Allokation und Portfoliorisiken gesteuert, zum Beispiel über die aktive Steuerung der Duration - unabhängig vom jeweils zugrunde liegenden Portfolio.

Andere Konzepte würden dazu dienen, Trendwechsel zu identifizieren und die strategische Allokation zu optimieren. In der Kombination würden diese Overlays helfen, komplexere Strategien wie Multi-Credit-Konzepte umzusetzen, die das gesamte Credit-Spektrum flexibel nutzen würden. Dabei hätten die Manager maximalen Freiraum, um über einen kompletten Zyklus hinweg überdurchschnittliche Erträge bei geringeren Risiken erzielen zu können. Der Credit-Bereich habe sich innerhalb der Fixed-Income-Landschaft mehr als etabliert. Kein Investor könne es sich dauerhaft leisten, auf die teilweise erheblichen Renditeaufschläge zu verzichten. Dennoch würden auch Credit-Manager künftig zeigen müssen, wie sie dauerhaft Mehrwert erzielen könnten. Dabei habe sich in der Vergangenheit das Zusammenspiel von erfahrenen Teams sowie bewährten Prozessen und Tools, kombiniert mit einem umfassenden Produktspektrum als modularer "Baukasten", über verschiedenste Marktphasen am besten bewährt. (Ausgabe März 2015) (01.04.2015/alc/a/a)