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Covered Bond-Markt meldet sich eindrucksvoll zurück - Normalisierung dennoch nicht in Sicht
02.09.15 11:52
Scope Ratings
Berlin (www.anleihencheck.de) - Mit fast 8 Milliarden Euro in den vergangenen zwei Wochen hat sich der europäische Markt für Covered Bonds aus der Sommerpause zurückgemeldet, so die Experten von Scope Ratings.
Eine nachhaltige Erholung der Emissionsaktivitäten sei nach Ansicht von Scope Ratings aber noch nicht in Sicht.
In den vergangenen zwei Wochen hätten europäische Banken erfolgreich fast 8 Milliarden Euro Pfandbriefe bzw. Covered Bonds emittieren können. Bereits im Juli habe sich der Markt mit einem Rekordwert von über 22 Milliarden Euro Emissionsvolumen in die Sommerpause verabschiedet.
Seit Jahresanfang seien insgesamt rund 125 Milliarden Covered Bonds emittiert worden. Damit liege das Emissionsvolumen zum jetzigen Zeitpunkt schon mehr als ein Drittel höher als in 2014 und mehr als 20% höher als im Jahr 2013.
"Das war das erste Aufbäumen des Marktes nach vielen schwachen Monaten", sage Karlo Fuchs, Head of Covered Bonds bei Scope Ratings. Eine Trendwende sei die jüngste Emissionswelle aber nicht, urteile Fuchs. "Es gibt einen starken Nachholeffekt, weil der Markt während der Griechenlandkrise monatelang verschlossen war und Investoren Fälligkeiten von Covered bonds reinvestieren wollen."
Das Volumen auslaufender Covered Bonds bis zum Jahresende belaufe sich auf mehr als 100 Milliarden und es sei zu erwarten, dass die Neuemissionen auch in 2015 nicht ausreichen würden das Bestandvolumen konstant zu halten, sodass das gesamte ausstehende Volumen von Pfandbriefen und Covered Bonds unter dem Strich weiter schrumpfen werde.
In den Jahren nach der Finanzkrise hätten Kreditinstitute Covered Bonds als gute Möglichkeit gesehen, dringend benötigte Liquidität zu beschaffen. Mittlerweile habe sich der Finanzbedarf der Banken wieder normalisiert. Zugleich könnten sich viele Banken günstig direkt über die Europäische Zentralbank (EZB) finanzieren. Aus diesen Gründen würden sie weniger neue Covered Bonds emittieren, als Papiere auslaufen würden.
Das sinkende Angebot an Covered Bonds treffe auf eine enorm große Nachfrage. Der größte Käufer sei mittlerweile die EZB. Sie kaufe im Rahmen ihres Anleihekaufprogramms gedeckte Schuldscheine im großen Stil. Zwischen einem Viertel und einem Drittel des Neuemissionsvolumens von Covered Bonds gehe an die EZB. Im Rahmen des dritten Ankaufprogramms habe die EZB bis Ende August im Primär- und Sekundärmarkt Covered Bonds mit einem Volumen von mehr als 110 Milliarden Euro gekauft.
"Die EZB kauft sehr konstant und diszipliniert", beobachte Scope-Analyst Fuchs. Wenn die Zentralbank diesen Kurs beibehalte, werde sie rund 30 bis 40 Prozent des gesamten Angebots auf dem Markt besitzen, wenn ihr Programm Ende des Jahres 2016 auslaufe. "Damit drängt die EZB andere Investoren faktisch aus dem Markt", sage der Scope-Analyst.
Viele Marktteilnehmer würden infolge des EZB-Kaufprogramms bereits deutliche Verwerfungen bei der Preisbildung sehen. Inzwischen seien die Unterschiede zwischen Emittenten unterschiedlicher Bonität tatsächlich stark gesunken: Gemessen an den entsprechenden Iboxx Indices hätten sich die Refinanzierungskosten von deutschen Pfandbriefen von 50 Basispunkten im Januar 2012 auf ein Tief von minus 17 Basispunkte im August 2015 reduziert.
Die Refinanzierungskosten von portugiesischen Covered Bonds hätten sich im gleichen Zeitraum von 860 auf 28 Basispunkte verringert. "Eine solch massive Nivellierung der Spreads spiegelt die unterschiedlichen Risiken der Papiere nicht mehr wieder", warne Fuchs. Das könnte spätestens dann zum Problem werden, wenn die Zinsen wieder steigen würden und das Ankaufprogram ausgelaufen sei. "Niemand weiß, wie die Zentralbank den Markt entwöhnen will", sage Fuchs.
Dass Covered Bonds langfristig für Investoren aber interessant bleiben würden, sei auch den neuen Regeln zur Abwicklung von Banken geschuldet. Die EU-Staaten würden derzeit Regeln umsetzen, wie angeschlagene Banken in Zukunft per Bail-in gerettet werden sollten: Für Verluste und eine mögliche Rekapitalisierung sollten künftig die Gläubiger der Bank aufkommen - nicht mehr die Steuerzahler.
Covered Bonds würden von dieser Regel aber weitgehend unberührt bleiben. Covered Bonds Investoren würden von einem möglichen Bail-in-Szenario verschont bleiben. Deshalb könnten diese Papiere im Rating bis zu neun Ratingstufen besser bewertet sein als das emittierende Kreditinstitut. (02.09.2015/alc/a/a)
Eine nachhaltige Erholung der Emissionsaktivitäten sei nach Ansicht von Scope Ratings aber noch nicht in Sicht.
In den vergangenen zwei Wochen hätten europäische Banken erfolgreich fast 8 Milliarden Euro Pfandbriefe bzw. Covered Bonds emittieren können. Bereits im Juli habe sich der Markt mit einem Rekordwert von über 22 Milliarden Euro Emissionsvolumen in die Sommerpause verabschiedet.
Seit Jahresanfang seien insgesamt rund 125 Milliarden Covered Bonds emittiert worden. Damit liege das Emissionsvolumen zum jetzigen Zeitpunkt schon mehr als ein Drittel höher als in 2014 und mehr als 20% höher als im Jahr 2013.
"Das war das erste Aufbäumen des Marktes nach vielen schwachen Monaten", sage Karlo Fuchs, Head of Covered Bonds bei Scope Ratings. Eine Trendwende sei die jüngste Emissionswelle aber nicht, urteile Fuchs. "Es gibt einen starken Nachholeffekt, weil der Markt während der Griechenlandkrise monatelang verschlossen war und Investoren Fälligkeiten von Covered bonds reinvestieren wollen."
Das Volumen auslaufender Covered Bonds bis zum Jahresende belaufe sich auf mehr als 100 Milliarden und es sei zu erwarten, dass die Neuemissionen auch in 2015 nicht ausreichen würden das Bestandvolumen konstant zu halten, sodass das gesamte ausstehende Volumen von Pfandbriefen und Covered Bonds unter dem Strich weiter schrumpfen werde.
Das sinkende Angebot an Covered Bonds treffe auf eine enorm große Nachfrage. Der größte Käufer sei mittlerweile die EZB. Sie kaufe im Rahmen ihres Anleihekaufprogramms gedeckte Schuldscheine im großen Stil. Zwischen einem Viertel und einem Drittel des Neuemissionsvolumens von Covered Bonds gehe an die EZB. Im Rahmen des dritten Ankaufprogramms habe die EZB bis Ende August im Primär- und Sekundärmarkt Covered Bonds mit einem Volumen von mehr als 110 Milliarden Euro gekauft.
"Die EZB kauft sehr konstant und diszipliniert", beobachte Scope-Analyst Fuchs. Wenn die Zentralbank diesen Kurs beibehalte, werde sie rund 30 bis 40 Prozent des gesamten Angebots auf dem Markt besitzen, wenn ihr Programm Ende des Jahres 2016 auslaufe. "Damit drängt die EZB andere Investoren faktisch aus dem Markt", sage der Scope-Analyst.
Viele Marktteilnehmer würden infolge des EZB-Kaufprogramms bereits deutliche Verwerfungen bei der Preisbildung sehen. Inzwischen seien die Unterschiede zwischen Emittenten unterschiedlicher Bonität tatsächlich stark gesunken: Gemessen an den entsprechenden Iboxx Indices hätten sich die Refinanzierungskosten von deutschen Pfandbriefen von 50 Basispunkten im Januar 2012 auf ein Tief von minus 17 Basispunkte im August 2015 reduziert.
Die Refinanzierungskosten von portugiesischen Covered Bonds hätten sich im gleichen Zeitraum von 860 auf 28 Basispunkte verringert. "Eine solch massive Nivellierung der Spreads spiegelt die unterschiedlichen Risiken der Papiere nicht mehr wieder", warne Fuchs. Das könnte spätestens dann zum Problem werden, wenn die Zinsen wieder steigen würden und das Ankaufprogram ausgelaufen sei. "Niemand weiß, wie die Zentralbank den Markt entwöhnen will", sage Fuchs.
Dass Covered Bonds langfristig für Investoren aber interessant bleiben würden, sei auch den neuen Regeln zur Abwicklung von Banken geschuldet. Die EU-Staaten würden derzeit Regeln umsetzen, wie angeschlagene Banken in Zukunft per Bail-in gerettet werden sollten: Für Verluste und eine mögliche Rekapitalisierung sollten künftig die Gläubiger der Bank aufkommen - nicht mehr die Steuerzahler.
Covered Bonds würden von dieser Regel aber weitgehend unberührt bleiben. Covered Bonds Investoren würden von einem möglichen Bail-in-Szenario verschont bleiben. Deshalb könnten diese Papiere im Rating bis zu neun Ratingstufen besser bewertet sein als das emittierende Kreditinstitut. (02.09.2015/alc/a/a)


