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Chinesische Staatsanleihen sind ein sicherer Hafen für globale Anleger


15.08.19 11:56
UBS Asset Management

Frankfurt am Main (www.anleihencheck.de) - Wohin entwickelt sich der chinesische Markt? Anleihe-, Aktien- und Multi-Asset-Experten von UBS Asset Management werfen einen Blick in die Zukunft Chinas.

Dank unterstützender Maßnahmen der Regierung dürfte sich die Wirtschaft im Reich der Mitte schon im zweiten Halbjahr 2019 stabilisieren. Das eröffne ein attraktives Einstiegsfenster für Hochzinsanleihen, während sich Staatsanleihen zu einem sicheren Hafen etablieren würden. Im Aktienbereich gelte es, Störgeräusche auszuschalten und sich auf die Fundamentaldaten zu konzentrieren. Vor allem Unternehmen, die von der wachsenden heimischen Nachfrage profitieren, scheinen im Vorteil, so die Experten von UBS Asset Management.

Parallel zum globalen Wirtschaftswachstum verliere auch Chinas Wirtschaft, trotz stützender staatlicher Maßnahmen, an Dynamik. Der Internationale Währungsfonds (IWF) schätze das Wachstum für 2019 auf 6,3 Prozent, nach 6,6 Prozent Zuwachs im Vorjahr. "Wir gehen jedoch nicht davon aus, dass Chinas Wirtschaft weiter abflaut", so Hayden Briscoe, Head of Asia-Pacific Fixed Income bei UBS Asset Management. Die politischen Unterstützungsmaßnahmen aus dem vierten Quartal 2018 würden in der realen Wirtschaft erst jetzt greifen. In den nächsten sechs Monaten dürften sich die geldpolitische Lockerung, Steuersenkungen und Reformen auf der Angebotsseite in den offiziellen Daten niederschlagen und die Wirtschaft stabilisieren. "Zudem erwarten wir weitere unterstützende Maßnahmen. Eine erneute Senkung des Mindestreservesatzes im zweiten Halbjahr scheint sehr wahrscheinlich, was die Kreditvergabe ankurbeln dürfte", sage Briscoe.

Investoren müssten sich nach Ansicht Briscoes in China auf eine neue Realität einstellen, die durch drei L's geprägt sein werde. Das sei erstens eine L-förmige Erholung im zweiten Halbjahr. "Das Wachstum stabilisiert sich eher, anstatt wieder anzuspringen", so Briscoe. Das zweite L beschreibe längere Wirtschaftszyklen, die es durch die wohlüberlegten Maßnahmen der Regierung geben werde. Drittens erwarte Briscoe längerfristiges Qualitätswachstum: "Entschuldungsmaßnahmen und neue Regulierungen in 2017 und 2018 haben mehr Disziplin gefordert und Firmen schlechter Qualität aus dem Markt gedrängt, was den langfristigen Ausblick für China verbessert."

Diese Entwicklungen würden interessante Möglichkeiten für Anleger eröffnen. Sie stünden vor einem großen Problem, wenn die Weltwirtschaft abflaue: Wo sollten sie noch investieren? Anleihen aus Industrieländern wie Deutschland, Japan und Großbritannien würden mit ihrer negativen Realverzinsung keinen guten Schutz bieten und auch US-Anleihen würden nicht viel mehr versprechen. "Chinesische Staatsanleihen sind dagegen eine exzellente Wahl. Sie weisen positive reale Renditen auf und korrelieren nur gering mit Anleihen aus der entwickelten Welt", erläutere Briscoe und ergänze: "Sie passen in jedes Portfolio und sind ein neu entstehender sicherer Hafen für globale Investoren." Er erwarte, dass sie ihre gute Performance aus 2018 fortsetzen würden.

Eine weitere Anlageopportunität für Anleiheinvestoren seien Hochzinsanleihen. In einer Welt magerer Renditen würden die chinesischen Papiere ein attraktives relatives Wertpotenzial gegenüber anderen High-Yield-Märkten bieten. Die Asset-Klasse überzeuge mit guten Fundamentaldaten. Bei den Neuemissionen dominiere der Immobiliensektor, der für die Gesamtwirtschaft eine wichtige Rolle spiele. Die Immobilienverkäufe hätten in den vergangenen Monaten stark angezogen, der Neubau sei jedoch zurückgeblieben. "Wenn die Projektentwickler jetzt die Häuser bauen, die sie bereits verkauft haben, wird sich dies nicht nur auf den Arbeitsmarkt auswirken, sondern der gesamten Wirtschaft einen Schub verleihen", so Briscoe. Als Anleiheemittenten favorisiere er vor allem die großen Unternehmen der Branche. "Für chinesische High-Yield-Anleihen sehen wir einen interessanten Einstiegszeitpunkt im späten dritten Quartal. Wenn sich die Wirtschaft stabilisiert, könnten sich die Anleihe-Spreads verengen und für Kapitalwachstum sorgen", erkläre Briscoe.

Aktienanleger würden in China gute Nerven brauchen, denn die Volatilität dürfte nicht zuletzt aufgrund des Handelsstreits mit den USA anhalten. "Entscheidend ist es, die Volatilität zum eigenen Vorteil zu nutzen", meine Bin Shi, Head of China Equities bei UBS Asset Management. So sollten sich Investoren nicht verunsichern lassen, sondern sich auf die Fundamentaldaten konzentrieren. Beispielsweise würden Unternehmen des MSCI China gerade einmal 1,8 Prozent ihrer Umsätze in den USA erzielen. Auch makroökonomisch habe der Handelsstreit begrenzte Auswirkungen. Nettoexporte würden nur 2 Prozent der chinesischen Wirtschaftsleistung ausmachen und US-Exporte hätten einen Anteil von 19 Prozent an den Gesamtexporten.

Shi fokussiere sich eher auf die heimische Nachfrage, die er langfristig vor allem durch vier Faktoren unterstützt sehe: Den wachsenden Konsum, die anhaltende Urbanisierung, Automatisierung und Innovation sowie Chinas alternde Bevölkerung, die für eine hohe Nachfrage nach Dienstleistungen im Gesundheits- und Versicherungssektor sorgen werde. "Hier sehen wir noch viel Spielraum für Wachstum und damit gute Anlagechancen an den chinesischen Aktienmärkten für disziplinierte Investoren", sage Shi. Die Bewertungen seien weiterhin attraktiv, sowohl im historischen Vergleich als auch gegenüber anderen Märkten in der asiatisch-pazifischen Region. Nach der Öffnung der Onshore-Märkte durch die Stock-Connect-Programme halte Shi einen Ansatz, der alle Märkte im Blick habe und die besten Möglichkeiten aus den Onshore- und Offshore-Märkten vereine, für besonders erfolgsversprechend.

Im Multi-Asset-Bereich bevorzuge Gian Plebani, Portfoliomanager bei UBS Asset Management, Aktien gegenüber Anleihen. Sein spezieller Fokus liege dabei auf A-Aktien. "Wir denken, heimische Unternehmen sind besser positioniert, um von den unterstützenden Maßnahmen der Regierung zu profitieren. Diese zielen diesmal vor allem auf kapitaleffiziente private Unternehmen ab und nicht wie 2009 auf hochverschuldete Immobilien- und Staatsunternehmen", begründe Plebani. Im Anleihebereich bevorzuge er in US-Dollar notierte High-Yield-Bonds und sehe Renminbi-Anleihen als guten Diversifikator fürs Portfolio. Plebani: "Mit diesem Ansatz können wir Chinas Wachstumsstory spielen, den Investoren aber gleichzeitig eine ruhigere Reise durch die Marktschwankungen bieten." (15.08.2019/alc/a/a)