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COP 28 und Anleihen


22.01.24 10:15
La Française

Frankfurt am Main (www.anleihencheck.de) - Die mit Spannung erwartete COP 28 ist vorbei, so Hervé Chatot, Portfolio Manager und Spezialist für ESG-Staatsanleihen bei La Française Systematic Asset Management.

Im Rahmen unseres kohlenstoffarmen Klimamanagements staatlicher Emittenten haben wir eine erste Bewertung der eingegangenen Verpflichtungen vorgenommen, um herauszufinden, inwieweit sie unsere klimapolitischen Analysen der Staaten verändern werden, so die Experten von La Française Systematic Asset Management.

Der Ansatz der Experten zur Analyse des staatlichen Klimarisikos basiere auf zwei wesentlichen Aspekten: Anpassung und Übergang. Der Anpassungsaspekt messe die Klimaanfälligkeit von Ländern im Verhältnis zu ihrer Anpassungsfähigkeit. Der Übergangsaspekt messe die Fähigkeit der Länder, von einer kohlenstoffintensiven zu einer grünen Wirtschaft überzugehen.

Betrachten wir also den Beitrag der COP 28 zu diesen beiden Punkten: Sind die möglichen Auswirkungen der Klimaschutzverpflichtungen weitreichend und ehrgeizig genug, um die Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen, oder handelt es sich wieder einmal nur um eine Absichtserklärung, fragen die Experten von La Française Systematic Asset Management.

Neben der erneuten Verpflichtung, die Emissionen auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, fordere der Bericht zur globalen Bestandsaufnahme einen "Übergang weg von fossilen Brennstoffen". Dies sei jedoch vor allem ein symbolischer Hinweis, der bei weitem nicht präzise genug sei.

Bezüglich des ersten Schwerpunkts, der Anpassung seien die Ergebnisse sehr enttäuschend. Anpassung sei auf der COP 28 als zweitrangiges Thema behandelt worden, mit unzureichenden Diskussionen über die Finanzierung, geringen Fortschritten und wenig Klarheit über das globale Anpassungsziel (Global Goal on Adaptation). Die Unterstützung für die durch den Klimawandel am stärksten gefährdeten Länder sei eindeutig unzureichend. Es wirke befremdlich, dass die größten Verursacher des Klimawandels sich nicht ausreichend um die schwerwiegenden Folgen kümmern würden, mit denen die am stärksten betroffenen Länder konfrontiert seien.

Bezüglich des zweiten Schwerpunkts, dem Übergang, seien zweifellos positive Fortschritte bei der Dekarbonisierung des Energiesektors zu verzeichnen. Die Frage sei jedoch, ob die getroffenen Zusagen die globalen Treibhausgasemissionen wirklich schneller reduzieren würden, um bis 2030 und 2050 wieder einen mit den Zielen des Pariser Abkommens vereinbarten Verlauf zu erreichen. Die wichtigste Verpflichtung sei die Verdreifachung der Kapazität erneuerbarer Energien und die Verdopplung der jährlichen Energieeffizienzrate bis 2030.

Laut Climate Action Tracker (CAT) würde diese Maßnahme - wenn vollständig umgesetzt - die Lücke (Emissionslücke) zwischen den Emissionswerten der aktuellen Klimapolitik und den Emissionswerten eines 1,5 Grad Celsius-Szenarios nur um ein Drittel verringern. Darüber hinaus gebe es viele Überschneidungen: Etwa ein Viertel der gesamten Emissionsreduktionen, die bei Annahme aller Maßnahmen erreicht werden könnten, seien bereits in den aktuellen NDCs (Nationally Determined Contributions) enthalten.

Deshalb würden die Experten die auf der COP 28 eingegangenen Verpflichtungen nach wie vor für völlig unzureichend halten, wenn es darum gehe, die Emissionslücke zu schließen und zu einem Kurs zurückzukehren, der mit einem auf 1,5 Grad Celsius begrenzten Temperaturanstieg vereinbar sei. Von den angekündigten Initiativen würden nur wenige einen nennenswerten Beitrag leisten, und viele seien noch zu vage und wenig ehrgeizig, um etwas zu bewirken. Die Glaubwürdigkeit der Regierungen bei der Umsetzung ihrer Versprechen bleibe unbeantwortet. (22.01.2024/alc/a/a)