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Bundeswertpapiere: Sicherheit ohne Performance, Investoren handeln noch nicht antizyklisch
05.07.12 14:26
Baader Bank
Unterschleissheim (www.anleihencheck.de) - Es ist schon verwunderlich wie gelassen Deutschlands Bürgerinnen und Bürger auf den Ausverkauf ihrer Werte und Güter reagieren, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG.
Nach dem Aus im Halbfinale der Fußball-Europameisterschaft dränge sich der Eindruck auf, dass in Deutschland zwar Millionen von Bundestrainern leben würden, aber keine Menschen mit finanzpolitischem Sachverstand. Anders sei es nicht zu verstehen, dass nach den Beschlüssen in Brüssel und im Bundestag bzw. Bundesrat kein Aufschrei durch unser Land gegangen sei. Denn eigentlich müsste man auf die Straße gehen und sich gegen das "Diktat der Schuldnerländer" wehren. Aber wo seien nur unsere "Wutbürger"? Der deutsche Michel scheine an dem Kinderspiel "Blinde Kuh" Gefallen zu haben. Sich nun auf die Richter des Bundesverfassungsgerichts zu verlassen, sei töricht. Im besten Fall würden noch verschiedene Auflagen angeregt, aber verhindern werde kein Richter den Fiskalpakt und den ESM. Damit müsse man sich abfinden oder aufbegehren.
Ansonsten sei der Weg frei für eine Transferunion. Denn unser Geld stehe nun allen zur Verfügung. Der Selbstbedienungsladen sei eröffnet!
Bleibe uns etwa nur noch das Motto: "Konsumiere, esse, trinke, solange es noch schmeckt, denn schon bald ist unser Geld verreckt?" So demutsvoll könne man sich doch nicht zur Schlachtbank führen lassen.
Die Wettquoten seien schlecht. Denn zwei Drittel aller Experten würden glauben, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die geldpolitischen Zügel weiter lockern werde. Die Konjunkturdaten, die eine nachlassende Wirtschaftsaktivität in der Eurozone signalisieren und der Rückgang der Teuerungsraten würden es möglich machen: Eine bisher nicht dagewesene Zinssenkung der EZB unter das bislang wie zementiert wirkende Niveau von 1% sei möglich. Größtenteils werde eine Reduzierung um 25 Basispunkte erwartet. Damit dürfte wohl EZB-Chef Mario Draghi versuchen, die Wirtschaft der Eurozone in der Krise anzuschieben. Ob die homöopathische Dosis von 25 Basispunkten die notwendigen Impulse für die Wirtschaft bringen könne, möge bezweifelt werden. Einige Ökonomen würden sagen, es verbessere lediglich die Stimmung in der Wirtschaft. Kritiker würden anmerken, dass es nur den Banken helfe.
Es gebe aber auch noch die Option, dass die Zinsen in Kombination von Spitzen- und Hauptrefinanzierungssatz sowie des Einlagensatzes gesenkt würden. Man dürfe auf die erklärenden Worte bei der anberaumten Pressekonferenz gespannt sein, wohingegen die Bank of England damit liebäugle das Anleihekaufprogramm um weitere 50 Mrd. GBP auf sage und schreibe 375 Mrd. GBP aufzustocken.
Nach dem Spiel sei vor dem Spiel. Habe diese Weisheit des ehemaligen Bundestrainers Sepp Herberger nicht für den Fußball gegolten? Ähnliches könnte man auch über den griechischen Schuldenschnitt sagen. EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen habe durch seine Andeutung in einem Interview, dass trotz der Schuldenreduzierung das Konstrukt erneut auf des Messers Schneide stehe, für neue Spekulationen gesorgt. Und das trotz zweier Hilfspakete in einem Gesamtvolumen von 240 Mrd. EUR und einem Schuldenschnitt von 105 Mrd. EUR. Doch wegen der Rezession und nicht durchgeführter Reformen werde ein Defizit von 8% des Bruttoinlandprodukts (BIP) befürchtet. Angestrebt gewesen seien 4,6%.
Die Schuldenquote erscheine trotz des Schuldenschnitts wie fest zementiert bei 170%. Und statt wie prognostiziert in den kommenden Jahren auf 120% sukzessive zu fallen, dürfte die Quote auf 180% steigen. Bereits im Spätsommer brauche das Land voraussichtlich die nächste Kreditrate, sonst drohe wiederum der Staatsbankrott. Dennoch sollte endlich ein Schlussstrich unter dieses Thema gesetzt werden. Mit einem neuerlichen Schuldenschnitt könnte man sich auch die Freiheit des Euros erkaufen. Es sei an der Zeit, auch einmal Zeichen zu setzen.
Bedenkenträger würden selten geliebt. Umso erfreuter sei der neutrale Beobachter, dass unter den 17 europäischen Staaten wenigstens zwei Länder Vorbehalte gegen die vom EU-Gipfel beschlossenen Erleichterungen bei der Nutzung des Rettungsfonds hätten. Die Regierung in Helsinki plane gegen die Staatsanleihekäufe durch den ESM ein Veto einzulegen. Ministerpräsident Jyrki Katainen halte die umstrittenen Käufe für einen ineffizienten Weg, um die Märkte zu stabilisieren. Zumal die Ressourcen begrenzt seien. Auch unser Nachbarland Niederlande sehe das Vorhaben kritisch und wolle von Fall zu Fall entscheiden. Doch was nutze es? Blockieren könnten beide Länder die ESM-Ankäufe im Zweifelsfall wohl nicht. Ein Beschluss benötige nicht die Einstimmigkeit, sondern nur die einfache Mehrheit.
Die ganze Welt kaufe deutsche Bundeswertpapiere und akzeptiere in gewissen Laufzeiten sogar eine Null-Verzinsung. Damit reich werden können hätten im 1. Halbjahr 2012 allerdings niemand, gerade einmal 2,3% Performance (Zins und Kursgewinn) seien hängengeblieben. Wer deutsche DAX (ISIN DE0008469008/ WKN 846900)-Werte am 2. Januar eingesammelt habe, habe das Halbjahr mit einem Gewinn von 10,1% beendet. Mit High-Yield Bonds seien sogar 12,3% Performance erzielt worden; allerdings würden sich solche Titel nur risikobewussten Spezialisten als Anlageform anbieten.
Trotz aller negativen Schlagzeilen hätten Anleger mit unbesicherten Anleihen von Banken sogar 6,1% erzielen können und damit mehr als mit Unternehmensanleihen. Hierbei habe das Segment der Bankanleihen - trotz negativer Unternehmensnachrichten - von den jüngsten Absichtserklärungen aus Brüssel profitiert. Somit könnte der ESM Miteigentümer von Banken werden und verzichte anscheinend auf einen bevorrechtigten Gläubigerstatus. Zusätzlich dürften mittlerweile die meisten Rating-Herabstufungen vollzogen sein.
Bei den Unternehmensanleihen hätten sich die Bonds von Firmen aus Kern-Europa deutlich besser entwickelt als die von Staaten der europäischen Peripherie (oder vulgo der Südländer). Der Grund liege in befürchteten weiteren Rating-Herabstufungen bei den Staaten in den High-Yield- oder Junk-Bereich, was auch auf Firmenratings durchschlagen würde. Da viele Investoren keine Junk-Bonds halten dürfen, hätten sich erste Anleger bereits vorsorglich verabschiedet. Für künftige Anlageentscheidungen gelte es den Dauerbrenner Schuldenkrise nicht zu vergessen und verstärkt wieder auf die sich eintrübenden wirtschaftlichen Perspektiven zu achten. Noch sei von der üblichen antizyklischen Vorgehensweise der Anleger nichts zu spüren, denn die Renditen ausgewählter Unternehmensanleihen seien trotz der sich andeutenden Konjunktureintrübung weiter rückläufig.
So habe die Anleihe (ISIN DE000A1MA9H4/ WKN A1MA9H) der Thyssen Krupp AG (ISIN DE0007500001/ WKN 750000), endfällig 28.02.2017, am 13.Juni noch bei 5,44% und inzwischen lediglich bei 3,81% rentiert. Dieser Trend sei in abgeschwächter Form - trotz rückläufigem Future - auch bei der am 19.01.2017 fälligen Anleihe (ISIN DE000A1C9VQ4/ WKN A1C9VQ) der Daimler AG (ISIN DE0007100000/ WKN 710000) und der am 18.01.2017 fälligen Anleihe (ISIN XS0478931354/ WKN A1ASBN) von BMW (ISIN DE0005190003/ WKN 519000) deutlich geworden. In dem gleichen Zeitraum habe sich die Rendite der Stuttgarter Autoschmiede von 1,78% auf 1,63% und bei der bayerischen Marke von 1,84% auf 1,53% ermäßigt.
Der französische Rechnungshof habe auch dem letzten Franzosen die Augen geöffnet. Um die Grande Nation stehe es nicht viel besser als um Spanien und Italien. Didier Migaud, Erster Vorsitzender des Cour des comptes, wie der Rechnungshof im Nachbarland heiße, habe ein Budgetloch von 40 Mrd. EUR ausgemacht. Für den sozialistischen Präsident Francois Hollande werde es wegen des nachlassenden Wirtschaftswachstums nicht einfach, dieses Loch wieder zu füllen. Im laufenden Jahr müsse er bis zu 10 Mrd. EUR und im kommenden Jahr bis zu 33 Mrd. EUR einsparen, um 2013 das allgemeine Defizitziel von 3,0% zu erreichen. Helfen solle ein Nachtragshaushalt, in dem neben der Anhebung der Vermögenssteuer, neue Abgaben für Banken sowie die Abschaffung steuerlicher Ausnahmefälle verabschiedet werden. Es werde nicht einfach sein, das Budgetziel bei nachlassendem Wirtschaftswachstum zu erreichen.
Rege entwickle sich weiterhin das Neuemissionsgeschäft. Bei den in Deutschland gut gefragten Titeln hätten zwei im Mittelpunkt des Interesses gestanden: Über große Nachfrage hätten sich die Konsortialbanken von Schaeffler gefreut, sodass der Konzern 300 Mio. anstatt der geplanten 200 Mio. EUR habe emittieren können. Das Maschinenbauunternehmen zahle seinen Investoren für den fünfjährigen Bond (ISIN XS0801261156/ WKN A1G6WT) einen Kupon von 6,75%. Aufgrund der Mindeststückelung von 1.000 Euro sei der Bond auch für Privatanleger interessant. Schaeffler sei mit einem niedrigen Rating von "B1" bewertet und eigne sich damit nur für risikobewusste Anleger.
Als regelmäßiger Gast habe sich der französische Baustoffhersteller Lafarge SA (ISIN FR0000120537/ WKN 850646) gezeigt. (Ba1/BB+) der sich mit 500 Mio. EUR über den Kapitalmarkt refinanziert habe. Dafür zahle das Unternehmen einen jährlichen Kupon von 5,875%. Die Anleihe (ISIN XS0801954867/ WKN A1G62E) sei im Jahre 2019 fällig.
In den vergangenen Handelstagen habe der Euro-Bund-Future (ISIN DE0009652644/ WKN 965264) eine von vielen nicht erwartete Performance erzielen können. Nun dürfe man gespannt sein, ob das Rentenbarometer -trotz der ungeklärten Zukunft der Euroländer- weiterhin nach oben tendiere oder ob es wieder den Rückwärtsgang einlege. Denn bei nachhaltigem Überwinden des Hochs vom 25. Juni (142,26%) warte bereits bei 143,09% (Hoch vom 18. Juni) der nächste Widerstand. Nach unten erscheine der Abstand zum Tief vom 29. Juni (139,72%) recht komfortabel, aber in unsicheren Märkten sei grundsätzlich immer alles möglich. Die heute anstehende Zinsentscheidung werde die unterschiedlichsten Interpretationen erlauben und die Marktteilnehmer seien gut damit beraten, sich ihre "Schmerzgrenzen" (d.h. Pflöcke) nicht zu eng zu stecken, da in den nächsten Handelstagen mit einer erhöhten Volatilität zu rechnen sei.
Vor 16 Wochen sei die Europäische Zentralbank (EZB) zum vorerst letzten Mal bereit gewesen, Staatsanleihen am Sekundärmarkt anzukaufen. Somit hätten auch in dieser Woche unverändert "lediglich" 210,5 Mrd. EUR über ein siebentägiges Refinanzierungsgeschäft absorbiert werden müssen.
Nachdem in der vergangenen Woche die Refinanzierung Italiens nur zu deutlich erhöhten Renditen möglich gewesen sei, stehe nun Spanien auf dem Prüfstand. Am heutigen Donnerstag dürfe man bei der ersten Auktion nach dem Gipfel gespannt sein auf das Bieterverhalten für Anleihen eines Sorgenkindes der Analysten mit Laufzeiten von drei, vier und zehn Jahren.
Die Konditionen würden allerdings nicht annähernd an die Zuteilungssätze der am gestrigen Mittwoch um 4 Mrd. EUR aufgestockten 0,5% Bundesobligation Serie 163 (ISIN DE0001141638/ WKN 114163) heranreichen. Die Zuteilung der fünfjährigen Wertpapiere sei bei einer 2,7-fachen Überzeichnung zu einer Durchschnittsrendite von 0,52% erfolgt. Aber auch hierbei gelte wie im richtigen Leben: "Mitleid wird einem geschenkt und Neid muss man sich hart erarbeiten."
Nach dem großen EU-Gipfeltreffen zum Ende der vergangenen Woche habe sich die Einheitswährung nur kurzzeitig aus ihrer Lethargie gelöst. Zwar seien die Signale zum Teil positiv gewesen, allerdings würden weiterhin konkrete Lösungen fehlen wie die Krise schnell und effektiv bekämpft werden könne. So sei es nicht verwunderlich, dass die Gemeinschaftswährung nicht nachhaltig die Handelsrange zwischen 1,2405 und 1,2692 USD nach oben habe verlassen können.
Auch im Vergleich zu den Alternativwährungen mache der Euro momentan keine gute Figur. Besonders erwähnenswert sei hier die Entwicklung der schwedischen Krone. Bei der Marke von 8,6445 SEK (Schwedische Krone) sei ein neues Jahrestief erreicht worden, Mitte Mai sei die Krone noch bei 9,17 SEK gehandelt worden.
Die Sorgen um den Euro würden die Anleger dazu bewegen, ihr Vermögen zu diversifizieren. Im Sinne der Anlageoptimierung und Risikostreuung würden Währungsanleihen weiterhin sehr stark nachgefragt. Zu den Spitzenreitern würden Anleihen auf Norwegische Krone, Australischen Dollar, Türkischen Lira und Chinesischen Renminbi gehören.
Disclaimer
Die hier wiedergegebenen Publikationen, Kommentare oder sonstigen Beiträge wurden von den im Namen der Baader Bank AG Stellung nehmenden Autoren oder Kommentatoren sorgfältig zusammengestellt und beruhen zum Teil auf allgemein zugänglichen Quellen und Daten Dritter, für deren Richtigkeit und Vollständigkeit wir keine Gewähr übernehmen können. Sie stellen eine Übersicht und Zusammenfassung ausgewählter Meldungen und Zahlen dar. Die Informationen stellen keine Anlageberatung, keine Anlageempfehlung und keine Aufforderung zum Erwerb oder zur Veräußerung dar.
Die Informationen wurden einzig zu Informations- und Marketingzwecken zur Verwendung durch den Empfänger erstellt. Sie stellen keine Finanzanalyse i.S. des § 34b WpHG dar und genügen deshalb nicht allen gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit von Finanzanalysen und unterliegen nicht dem Verbot des Handelns vor der Veröffentlichung von Finanzanalysen.
Es wird keine Gewähr für die Geeignetheit und Angemessenheit der dargestellten Finanzinstrumente sowie für die wirtschaftlichen und steuerlichen Konsequenzen einer Anlage in den dargestellten Finanzinstrumenten und für deren zukünftige Wertentwicklung übernommen. Die in der Vergangenheit erzielte Performance ist kein Indikator für zukünftige Wertentwicklungen. Bitte beachten Sie, dass Aussagen über zukünftige wirtschaftliche Entwicklungen grundsätzlich auf Annahmen und Einschätzungen basieren, die sich im Zeitablauf als nicht zutreffend erweisen können. Es wird daher dringend geraten, unabhängigen Rat von Anlage- und Steuerberatern einzuholen.
Durch das Zurverfügungstellen dieser Informationen wird der Empfänger weder zum Kunden der Baader Bank AG, noch entstehen der Baader Bank AG dadurch irgendwelche Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten dem Empfänger gegenüber, insbesondere kommt kein Auskunftsvertrag zwischen der Baader Bank AG und dem Empfänger dieser Informationen zustande.
Es wird darauf hingewiesen, dass die Baader Bank an fünf deutschen Börsen als Skontroführer tätig ist und es möglich ist, dass das Institut in den beschriebenen Anlageinstrumenten eigene Positionen hält. Dieser Aspekt kann Einfluss auf die Informationen haben. Bitte beachten Sie auch die Ausführungen in dem Dokument "Umgang mit Interessenkonflikten bei der Baader Bank Aktiengesellschaft" das Sie unter www.baaderbank.de abrufen können.
Der Versand oder die Vervielfältigung dieses Dokuments ist ohne die vorherige schriftliche Zustimmung der Baader Bank AG nicht gestattet. Dieses Dokument enthält möglicherweise Links oder Hinweise auf die Webseiten von Dritten, welche von der Baader Bank AG nicht kontrolliert werden können und daher kann die Baader Bank AG keine Verantwortung für den Inhalt von solchen Webseiten Dritter oder darin enthaltenen weiteren Links übernehmen.
Copyright © 2011: Veröffentlicht von Baader Bank AG, Weihenstephaner Straße 4, 85716 Unterschleißheim, Deutschland.
Baader Bank AG ist eine Aktiengesellschaft nach dem Recht der Bundesrepublik Deutschland mit Hauptgeschäftssitz in München. Baader Bank AG ist beim Amtsgericht in München unter der Nummer HRB 121537 eingetragen und wird beaufsichtigt von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Lurgiallee 12, 60439 Frankfurt am Main und Graurheindorfer Straße 108, 53117 Bonn. Die Umsatzsteueridentifikationsnummer von Baader Bank AG ist DE 114123893.
Der Vorsitzende des Aufsichtsrats ist Dr. Horst Schiessl. Die Mitglieder des Vorstands sind Uto Baader (Vorsitzender), Nico Baader, Dieter Brichmann und Dieter Silmen. (05.07.2012/alc/a/a)
Nach dem Aus im Halbfinale der Fußball-Europameisterschaft dränge sich der Eindruck auf, dass in Deutschland zwar Millionen von Bundestrainern leben würden, aber keine Menschen mit finanzpolitischem Sachverstand. Anders sei es nicht zu verstehen, dass nach den Beschlüssen in Brüssel und im Bundestag bzw. Bundesrat kein Aufschrei durch unser Land gegangen sei. Denn eigentlich müsste man auf die Straße gehen und sich gegen das "Diktat der Schuldnerländer" wehren. Aber wo seien nur unsere "Wutbürger"? Der deutsche Michel scheine an dem Kinderspiel "Blinde Kuh" Gefallen zu haben. Sich nun auf die Richter des Bundesverfassungsgerichts zu verlassen, sei töricht. Im besten Fall würden noch verschiedene Auflagen angeregt, aber verhindern werde kein Richter den Fiskalpakt und den ESM. Damit müsse man sich abfinden oder aufbegehren.
Ansonsten sei der Weg frei für eine Transferunion. Denn unser Geld stehe nun allen zur Verfügung. Der Selbstbedienungsladen sei eröffnet!
Bleibe uns etwa nur noch das Motto: "Konsumiere, esse, trinke, solange es noch schmeckt, denn schon bald ist unser Geld verreckt?" So demutsvoll könne man sich doch nicht zur Schlachtbank führen lassen.
Die Wettquoten seien schlecht. Denn zwei Drittel aller Experten würden glauben, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die geldpolitischen Zügel weiter lockern werde. Die Konjunkturdaten, die eine nachlassende Wirtschaftsaktivität in der Eurozone signalisieren und der Rückgang der Teuerungsraten würden es möglich machen: Eine bisher nicht dagewesene Zinssenkung der EZB unter das bislang wie zementiert wirkende Niveau von 1% sei möglich. Größtenteils werde eine Reduzierung um 25 Basispunkte erwartet. Damit dürfte wohl EZB-Chef Mario Draghi versuchen, die Wirtschaft der Eurozone in der Krise anzuschieben. Ob die homöopathische Dosis von 25 Basispunkten die notwendigen Impulse für die Wirtschaft bringen könne, möge bezweifelt werden. Einige Ökonomen würden sagen, es verbessere lediglich die Stimmung in der Wirtschaft. Kritiker würden anmerken, dass es nur den Banken helfe.
Es gebe aber auch noch die Option, dass die Zinsen in Kombination von Spitzen- und Hauptrefinanzierungssatz sowie des Einlagensatzes gesenkt würden. Man dürfe auf die erklärenden Worte bei der anberaumten Pressekonferenz gespannt sein, wohingegen die Bank of England damit liebäugle das Anleihekaufprogramm um weitere 50 Mrd. GBP auf sage und schreibe 375 Mrd. GBP aufzustocken.
Nach dem Spiel sei vor dem Spiel. Habe diese Weisheit des ehemaligen Bundestrainers Sepp Herberger nicht für den Fußball gegolten? Ähnliches könnte man auch über den griechischen Schuldenschnitt sagen. EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen habe durch seine Andeutung in einem Interview, dass trotz der Schuldenreduzierung das Konstrukt erneut auf des Messers Schneide stehe, für neue Spekulationen gesorgt. Und das trotz zweier Hilfspakete in einem Gesamtvolumen von 240 Mrd. EUR und einem Schuldenschnitt von 105 Mrd. EUR. Doch wegen der Rezession und nicht durchgeführter Reformen werde ein Defizit von 8% des Bruttoinlandprodukts (BIP) befürchtet. Angestrebt gewesen seien 4,6%.
Die Schuldenquote erscheine trotz des Schuldenschnitts wie fest zementiert bei 170%. Und statt wie prognostiziert in den kommenden Jahren auf 120% sukzessive zu fallen, dürfte die Quote auf 180% steigen. Bereits im Spätsommer brauche das Land voraussichtlich die nächste Kreditrate, sonst drohe wiederum der Staatsbankrott. Dennoch sollte endlich ein Schlussstrich unter dieses Thema gesetzt werden. Mit einem neuerlichen Schuldenschnitt könnte man sich auch die Freiheit des Euros erkaufen. Es sei an der Zeit, auch einmal Zeichen zu setzen.
Bedenkenträger würden selten geliebt. Umso erfreuter sei der neutrale Beobachter, dass unter den 17 europäischen Staaten wenigstens zwei Länder Vorbehalte gegen die vom EU-Gipfel beschlossenen Erleichterungen bei der Nutzung des Rettungsfonds hätten. Die Regierung in Helsinki plane gegen die Staatsanleihekäufe durch den ESM ein Veto einzulegen. Ministerpräsident Jyrki Katainen halte die umstrittenen Käufe für einen ineffizienten Weg, um die Märkte zu stabilisieren. Zumal die Ressourcen begrenzt seien. Auch unser Nachbarland Niederlande sehe das Vorhaben kritisch und wolle von Fall zu Fall entscheiden. Doch was nutze es? Blockieren könnten beide Länder die ESM-Ankäufe im Zweifelsfall wohl nicht. Ein Beschluss benötige nicht die Einstimmigkeit, sondern nur die einfache Mehrheit.
Die ganze Welt kaufe deutsche Bundeswertpapiere und akzeptiere in gewissen Laufzeiten sogar eine Null-Verzinsung. Damit reich werden können hätten im 1. Halbjahr 2012 allerdings niemand, gerade einmal 2,3% Performance (Zins und Kursgewinn) seien hängengeblieben. Wer deutsche DAX (ISIN DE0008469008/ WKN 846900)-Werte am 2. Januar eingesammelt habe, habe das Halbjahr mit einem Gewinn von 10,1% beendet. Mit High-Yield Bonds seien sogar 12,3% Performance erzielt worden; allerdings würden sich solche Titel nur risikobewussten Spezialisten als Anlageform anbieten.
Trotz aller negativen Schlagzeilen hätten Anleger mit unbesicherten Anleihen von Banken sogar 6,1% erzielen können und damit mehr als mit Unternehmensanleihen. Hierbei habe das Segment der Bankanleihen - trotz negativer Unternehmensnachrichten - von den jüngsten Absichtserklärungen aus Brüssel profitiert. Somit könnte der ESM Miteigentümer von Banken werden und verzichte anscheinend auf einen bevorrechtigten Gläubigerstatus. Zusätzlich dürften mittlerweile die meisten Rating-Herabstufungen vollzogen sein.
Bei den Unternehmensanleihen hätten sich die Bonds von Firmen aus Kern-Europa deutlich besser entwickelt als die von Staaten der europäischen Peripherie (oder vulgo der Südländer). Der Grund liege in befürchteten weiteren Rating-Herabstufungen bei den Staaten in den High-Yield- oder Junk-Bereich, was auch auf Firmenratings durchschlagen würde. Da viele Investoren keine Junk-Bonds halten dürfen, hätten sich erste Anleger bereits vorsorglich verabschiedet. Für künftige Anlageentscheidungen gelte es den Dauerbrenner Schuldenkrise nicht zu vergessen und verstärkt wieder auf die sich eintrübenden wirtschaftlichen Perspektiven zu achten. Noch sei von der üblichen antizyklischen Vorgehensweise der Anleger nichts zu spüren, denn die Renditen ausgewählter Unternehmensanleihen seien trotz der sich andeutenden Konjunktureintrübung weiter rückläufig.
So habe die Anleihe (ISIN DE000A1MA9H4/ WKN A1MA9H) der Thyssen Krupp AG (ISIN DE0007500001/ WKN 750000), endfällig 28.02.2017, am 13.Juni noch bei 5,44% und inzwischen lediglich bei 3,81% rentiert. Dieser Trend sei in abgeschwächter Form - trotz rückläufigem Future - auch bei der am 19.01.2017 fälligen Anleihe (ISIN DE000A1C9VQ4/ WKN A1C9VQ) der Daimler AG (ISIN DE0007100000/ WKN 710000) und der am 18.01.2017 fälligen Anleihe (ISIN XS0478931354/ WKN A1ASBN) von BMW (ISIN DE0005190003/ WKN 519000) deutlich geworden. In dem gleichen Zeitraum habe sich die Rendite der Stuttgarter Autoschmiede von 1,78% auf 1,63% und bei der bayerischen Marke von 1,84% auf 1,53% ermäßigt.
Der französische Rechnungshof habe auch dem letzten Franzosen die Augen geöffnet. Um die Grande Nation stehe es nicht viel besser als um Spanien und Italien. Didier Migaud, Erster Vorsitzender des Cour des comptes, wie der Rechnungshof im Nachbarland heiße, habe ein Budgetloch von 40 Mrd. EUR ausgemacht. Für den sozialistischen Präsident Francois Hollande werde es wegen des nachlassenden Wirtschaftswachstums nicht einfach, dieses Loch wieder zu füllen. Im laufenden Jahr müsse er bis zu 10 Mrd. EUR und im kommenden Jahr bis zu 33 Mrd. EUR einsparen, um 2013 das allgemeine Defizitziel von 3,0% zu erreichen. Helfen solle ein Nachtragshaushalt, in dem neben der Anhebung der Vermögenssteuer, neue Abgaben für Banken sowie die Abschaffung steuerlicher Ausnahmefälle verabschiedet werden. Es werde nicht einfach sein, das Budgetziel bei nachlassendem Wirtschaftswachstum zu erreichen.
Rege entwickle sich weiterhin das Neuemissionsgeschäft. Bei den in Deutschland gut gefragten Titeln hätten zwei im Mittelpunkt des Interesses gestanden: Über große Nachfrage hätten sich die Konsortialbanken von Schaeffler gefreut, sodass der Konzern 300 Mio. anstatt der geplanten 200 Mio. EUR habe emittieren können. Das Maschinenbauunternehmen zahle seinen Investoren für den fünfjährigen Bond (ISIN XS0801261156/ WKN A1G6WT) einen Kupon von 6,75%. Aufgrund der Mindeststückelung von 1.000 Euro sei der Bond auch für Privatanleger interessant. Schaeffler sei mit einem niedrigen Rating von "B1" bewertet und eigne sich damit nur für risikobewusste Anleger.
Als regelmäßiger Gast habe sich der französische Baustoffhersteller Lafarge SA (ISIN FR0000120537/ WKN 850646) gezeigt. (Ba1/BB+) der sich mit 500 Mio. EUR über den Kapitalmarkt refinanziert habe. Dafür zahle das Unternehmen einen jährlichen Kupon von 5,875%. Die Anleihe (ISIN XS0801954867/ WKN A1G62E) sei im Jahre 2019 fällig.
Vor 16 Wochen sei die Europäische Zentralbank (EZB) zum vorerst letzten Mal bereit gewesen, Staatsanleihen am Sekundärmarkt anzukaufen. Somit hätten auch in dieser Woche unverändert "lediglich" 210,5 Mrd. EUR über ein siebentägiges Refinanzierungsgeschäft absorbiert werden müssen.
Nachdem in der vergangenen Woche die Refinanzierung Italiens nur zu deutlich erhöhten Renditen möglich gewesen sei, stehe nun Spanien auf dem Prüfstand. Am heutigen Donnerstag dürfe man bei der ersten Auktion nach dem Gipfel gespannt sein auf das Bieterverhalten für Anleihen eines Sorgenkindes der Analysten mit Laufzeiten von drei, vier und zehn Jahren.
Die Konditionen würden allerdings nicht annähernd an die Zuteilungssätze der am gestrigen Mittwoch um 4 Mrd. EUR aufgestockten 0,5% Bundesobligation Serie 163 (ISIN DE0001141638/ WKN 114163) heranreichen. Die Zuteilung der fünfjährigen Wertpapiere sei bei einer 2,7-fachen Überzeichnung zu einer Durchschnittsrendite von 0,52% erfolgt. Aber auch hierbei gelte wie im richtigen Leben: "Mitleid wird einem geschenkt und Neid muss man sich hart erarbeiten."
Nach dem großen EU-Gipfeltreffen zum Ende der vergangenen Woche habe sich die Einheitswährung nur kurzzeitig aus ihrer Lethargie gelöst. Zwar seien die Signale zum Teil positiv gewesen, allerdings würden weiterhin konkrete Lösungen fehlen wie die Krise schnell und effektiv bekämpft werden könne. So sei es nicht verwunderlich, dass die Gemeinschaftswährung nicht nachhaltig die Handelsrange zwischen 1,2405 und 1,2692 USD nach oben habe verlassen können.
Auch im Vergleich zu den Alternativwährungen mache der Euro momentan keine gute Figur. Besonders erwähnenswert sei hier die Entwicklung der schwedischen Krone. Bei der Marke von 8,6445 SEK (Schwedische Krone) sei ein neues Jahrestief erreicht worden, Mitte Mai sei die Krone noch bei 9,17 SEK gehandelt worden.
Die Sorgen um den Euro würden die Anleger dazu bewegen, ihr Vermögen zu diversifizieren. Im Sinne der Anlageoptimierung und Risikostreuung würden Währungsanleihen weiterhin sehr stark nachgefragt. Zu den Spitzenreitern würden Anleihen auf Norwegische Krone, Australischen Dollar, Türkischen Lira und Chinesischen Renminbi gehören.
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