Bundesanleihen mit steigenden Erträgen


31.10.16 11:00
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Von seinem Hoch im September hat sich der Euro-Bund-Future in der vergangenen Woche abermals weiter entfernt, so die Deutsche Börse AG.

Der Indikator liege für die langfristigen Zinserwartungen um die Marke von 162 Prozent, vor einer Woche habe der Wert noch deutlich oberhalb von 164 Prozent gelegen. "Zehnjährige deutsche Bundesanleihen sprangen am 28.10. auf ein Renditeniveau von fast 0,20 Prozent", kommentiere Christian Lips. In den USA seien die Erträge gleichlaufender Treasuries zeitweise über die Marke von 1,85 Prozent geklettert. "Zinsen können steigen! Auch wenn manche nicht mehr recht dran glauben wollten", erinnere der Analyst der Nord LB.

Kurseinbußen in dieser Höhe innerhalb nur weniger Tage hätten nach Ansicht von Klaus Stopp mit dem deutschen Rentenbarometer als immer höher steigenden Heißluftballon nicht mehr viel gemein. Auch in den kommenden Handelswochen würden die Kapitalmärkte kaum zur Ruhe kommen. "Diverse Notenbankentscheidungen, Roll-over-Aktivitäten bei den Futures-Kontrakten und der Ausgang der US-Präsidentschaftswahl wird die Zeit bis zum Jahresultimo kurzweilig gestalten", prognostiziere der Händler der Baader Bank.

Aufwärts gegangen sei es auch mit den Renditen britischer Guilts. Im Schlepptau eines besser als erwarteten BIP-Wachstums im dritten Quartal hätten die Erträge für zehnjährige Anleihen Großbritanniens am 27.10. mit zeitweise 1,29 Prozent den höchsten Stand seit dem Ausstiegsvotum Großbritanniens aus der Europäischen Union erreicht, wie Lips bemerke. Die überraschend starke konjunkturelle Dynamik auf der Insel erhöhe die Wahrscheinlichkeit, dass die Bank of England in der laufenden Woche von einer weiteren geldpolitischen Lockerung Abstand nehmen werde.

Nach der jüngsten EZB-Entscheidung, an den bisherigen geldpolitischen Rahmenbedingungen festzuhalten, würden Anleger Stopp zufolge bereits auf die Dezembersitzung blicken. Dabei seien sich Analysten weitgehend darüber einig, dass Notenbankchef Mario Draghi technische Änderungen des Anleihen-Kaufprogramms ankündigen werde.

Diese bezeichne auch Lips als so gut wie sicher, da die ansonsten drohende Knappheit in einigen Bond-Segmenten die Glaubwürdigkeit des Programms untergraben könne. "Eine Aufweichung der ISIN-Limite sowie der Mindestrenditeerfordernis halten wir für wahrscheinlicher als eine Abkehr vom Verteilungsschlüssel." Auch eine Verlängerung der Ankäufe über März 2017 hinaus erscheine sehr wahrscheinlich. "Alternativ könnte eine einmalige Reduktion des Tempos auf die ursprünglichen 60 Milliarden Euro je Monat erfolgen." Eine kontinuierliche Drosselung erachte die Nord LB hingegen als zu früh.

In der letzten Woche habe Österreich mit der Emission einer 70-jährigen Staatsanleihe (ISIN AT0000A1PEF7 / WKN A188ER) einen europäischen Rekord gebrochen. "Der mit jährlich 1,5 Prozent Zinsen ausgestattete Wert traf auf rege Nachfrage", berichte Arthur Brunner. In den Handel aufgenommen worden sei die Anleihe zu einem Preis von 98,717 Prozent und habe am Freitagmorgen bei 92,65 Prozent notiert. "Für Anleger bergen ultralange Bonds bei steigenden Zinsen die Gefahr von Kursverlusten," mache der Händler der ICF Bank aufmerksam. Ausgebende Staaten hingegen sicherten sich die günstigen Konditionen auf sehr lange Sicht. "Deshalb stellt sich die Frage, warum Deutschland noch keinen so genannten Methusalem-Bond aufgelegt hat."

Im Handel mit Corporate Bonds erkenne Brunner rege Nachfrage nach einer bis Oktober 2017 laufenden Eterna-Anleihe mit einem Kupon von 8,0 Prozent. "Der Wert des Hemden- und Blusenherstellers hat sich im letzten Wochenverlauf von 88,5 Prozent auf aktuell 94 Prozent ganz gut erholt."

In beide Richtungen gespielt werde eine Travel24.com-Anleihe (ISIN DE000A1PGRG2 / WKN A1PGRG) mit einem Kupon von 7,5 Prozent. Der im September 2017 fällige Wert der Tochter der insolventen Unister habe seit dem 24.10. unter Schwankungen leicht zugelegt und sei für 44,80 Prozent zu haben.

Zu den meist gehandelten Produkten gehöre bei der ICF Bank zudem ein Bond (ISIN XS1433512891 / WKN A2AAWQ) der Otto GmbH & Co KG mit Fälligkeit im Jahr 2023 und einem jährlichen Zins von 2,5 Prozent. "Auch hier überwiegen die Käufe." Die Anleihe sei am letzten Freitag für 104 Prozent zu haben gewesen.

Vor dem Hintergrund steigender Gewinnerwartungen bei Bayer mache Stopp Nachfrage nach Bonds des Chemiekonzerns aus. In Summe in den Anlegerdepots lande beispielsweise ein bis 2021 laufender und mit 1,875 Prozent verzinster Wert (ISIN XS1023268573 / WKN A1YC3K), der bei einem Kurs von etwa 107 Prozent eine Rendite von 0,20 Prozent bringe. Ebenso käme eine in 2023 fällige Bayer-Anleihe bei Anlegern gut an, die bei einem Stand von 105,50 Prozent auf einen Ertrag von rund 0,45 Prozent komme.

Von einer K+S-Anleihe (ISIN XS0997941355 / WKN A1YCR5) mit einem Kupon von 4,125 Prozent und Fälligkeit im Dezember 2021 hätten sich Anleger Stopp zufolge tendenziell getrennt. Der Händler vermute einen Zusammenhang mit der Herabsetzung der Kreditwürdigkeit für den Dünger- und Salzkonzern durch die Ratingagentur Standard & Poor's. (Ausgabe vom 28.10.2016) (31.10.2016/alc/a/a)





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