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Bund-Future Höhenflug beendet
03.10.11 11:07
Deutsche Börse AG
Frankfurt (anleihencheck.de) - Kräftige Kursgewinne bei Aktien, heftige Kursverluste bei Bundesanleihen: Das war das Fazit dieser Woche - zumindest bis heute, so die Deutsche Börse AG.
"Nachdem sich erstmals seit langem eine gewisse Hoffnung ergeben hat, die Finanz- und Schuldenkrise sei doch im Zaum zu halten, wagten sich Investoren wieder aus dem sicheren Hafen heraus", berichte Klaus Stopp von der Baader Bank. Bundesanleihen seien verkauft worden, gleichzeitig hätten sich Anleihen europäischer Peripheriestaaten erholen können. Zwar habe heute eine Gegenbewegung eingesetzt, der Euro-Bund-Future, der am vergangenen Freitag noch ein neues historisches Hoch von 139,19 Prozent markiert habe, notiere aber immer noch bei im Wochenvergleich niedrigen 136,30 Prozent. Für zehnjährige Bundesanleihen würden Anleger aktuell eine Rendite von 1,931 Prozent erhalten, am vergangenen Freitag sei mit 1,634 Prozent ein Minusrekord erzielt worden.
Auch wenn sich der Bundestag gestern klar für eine Ausweitung des EFSF-Rettungsschirms ausgesprochen habe: Dass in Sachen Eurokrise die Kuh vom Eis sei, glaube kaum jemand. "An den harten Fakten hat sich nichts geändert", kommentiere etwa Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft. "Die Politik verschafft sich nur weitere Zeit." Er nenne das mögliche Veto der Slowaken als Risiko.
Auch die Helaba bleibe skeptisch: "Wir halten die Hoffnungen der Marktteilnehmer, dass die Schuldenproblematik in den Griff zu bekommen ist, für überzogen." Insbesondere Vorschläge, nach denen der EFSF mit einem Hebel ausgestattet werden könnte, seien kaum durchsetzbar. "Insofern ist Enttäuschungspotenzial vorhanden. Vor diesem Hintergrund stehen die jüngsten Spread-Rückgänge auf tönernen Füßen." Gleichzeitig würden die Analysten nicht davon ausgehen, dass die EZB - wie von manchen erwartet - in der kommenden Woche die Zinsen senken werde. Die Teuerungsrate in der Eurozone sei noch zu hoch, außerdem habe EZB-Präsident Trichet eine solche Maßnahme nicht vorbereitet.
Dennoch hätten sich zuletzt Anzeichen einer Normalisierung gemehrt. Nicht nur Aktienmärkte hätten haussiert, auch bei Bank-Anleihen sei erstmals wieder zugegriffen worden, wie Klaus Stopp melde. Er verweise etwa auf eine ab Dezember 2019 kündbare Anleihe (ISIN XS0470937243 / WKN A1AQM0) der UniCredit Group, die plötzlich wieder nachgefragt werde. "Der mit 8,125 Prozent verzinste Bond hat sich von einem Kursniveau von unter 50 Prozent Anfang September wieder auf 68 Prozent hochgearbeitet", konkretisiere der Händler.
Dieser Trend sei auch bei einer nachrangigen Anleihe (ISIN DE000A0GNPZ3 / WKN A0GNPZ) der Allianz zu beobachten, die inzwischen bei 91 Prozent notiere, nachdem es vor wenigen Tagen nur 86,50 Prozent gewesen seien. Gregor Daniel zufolge würde auch eine WestLB-Anleihe (ISIN DE000WLB27H2 / WKN WLB27H) gesucht, "zaghaftes Kaufinteresse" habe er außerdem bei einer Hochzinsanleihe (ISIN DE000A1KQ1E2 / WKN A1KQ1E) von Heidelberger Druck (ISIN DE0007314007 / WKN 731400) beobachtet. Abgegeben worden sei hingegen ein bis 2013 laufender Floater (ISIN DE000A1GQ9S1 / WKN A1GQ9S) von Daimler (ISIN DE0007100000 / WKN 710000).
Die Suche nach Alternativen zu Euro-Anleihen habe sich allerdings fortgesetzt, wie die Baader Bank berichte. "Im Fokus der Privatanleger bleiben Anleihen auf Schwedische und Norwegische Kronen, Amerikanische, Australische und Neuseeländische Dollar sowie auf Türkische Lira und Südafrikanische Rand", erkläre Stopp. Gesteigerte Handelsaktivitäten habe er auch in auf Kanadische Dollar lautenden Papieren festgestellt, wobei hier die niedrigen Zinsen Anleger hätten zögern lassen. "So rentiert ein Bond (ISIN XS0577454951 / WKN A1GK1N) der niederländischen B.N.G. in Kanadischen Dollar bei einer Laufzeit bis 2016 mit nur 1,65 Prozent. Bei einer bis 2014 laufenden Anleihe (ISIN XS0447430199 / WKN A0Z1ZU) der KfW liegt die Rendite bei nur 1,05 Prozent", ergänze Stopp.
Stark unter Druck geraten sei die href="/solarworld_ag-aktie">SolarWorld-Anleihe mit Laufzeit bis 2017 und einem Kupon von 6,125 Prozent, wie Rainer Petz von Close Brothers Seydler berichte. "Anfang September wurde sie noch zu 88 Prozent gehandelt, jetzt sind es nur noch 62 Prozent. Das ergibt eine Rendite von 17,95 Prozent." Die Solarbranche stehe derzeit unter massivem Druck: Zum einen lasse die Nachfrage aus den Kernländern aufgrund der Krisenstimmung zu wünschen übrig, zum anderen mache Konkurrenz aus Asien den europäischen und US-amerikanischen Solarunternehmen schwer zu schaffen. Auch die im TecDax notierte SolarWorld-Aktie sei zuletzt eingebrochen.
Der Primärmarkt belebe sich unterdessen - zumindest ein bisschen. Rege nachgefragt werde Petz zufolge etwa eine Neuemission (ISIN FR0011124544 / WKN A1GVY7) von Peugeot, die bis 2016 laufe, einen Kupon von 6,875 Prozent aufweise und ab der kommenden Woche an der Börse Frankfurt gehandelt werden solle. Mit einer Stückelung von 1.000 Euro sei sie auch privatanlegerfreundlich. "Die Anleihe wird recht gut angenommen."
Sogar im hochverzinsten Segment würden sich Unternehmen wieder vorwagen: Gleich gut gelaufen sei etwa eine neue Hochzinsanleihe (ISIN XS0262082117 / WKN A0GV10) von HeidelbergCement. Hier liege der Kupon bei 9,5 Prozent, die Laufzeit gehe bis 2018. Allerdings betrage die Stückelung 50.000 Euro, wie Petz ergänze. (Ausgabe vom 30.09.2011) (03.10.2011/alc/a/a)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:
Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.
"Nachdem sich erstmals seit langem eine gewisse Hoffnung ergeben hat, die Finanz- und Schuldenkrise sei doch im Zaum zu halten, wagten sich Investoren wieder aus dem sicheren Hafen heraus", berichte Klaus Stopp von der Baader Bank. Bundesanleihen seien verkauft worden, gleichzeitig hätten sich Anleihen europäischer Peripheriestaaten erholen können. Zwar habe heute eine Gegenbewegung eingesetzt, der Euro-Bund-Future, der am vergangenen Freitag noch ein neues historisches Hoch von 139,19 Prozent markiert habe, notiere aber immer noch bei im Wochenvergleich niedrigen 136,30 Prozent. Für zehnjährige Bundesanleihen würden Anleger aktuell eine Rendite von 1,931 Prozent erhalten, am vergangenen Freitag sei mit 1,634 Prozent ein Minusrekord erzielt worden.
Auch wenn sich der Bundestag gestern klar für eine Ausweitung des EFSF-Rettungsschirms ausgesprochen habe: Dass in Sachen Eurokrise die Kuh vom Eis sei, glaube kaum jemand. "An den harten Fakten hat sich nichts geändert", kommentiere etwa Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft. "Die Politik verschafft sich nur weitere Zeit." Er nenne das mögliche Veto der Slowaken als Risiko.
Auch die Helaba bleibe skeptisch: "Wir halten die Hoffnungen der Marktteilnehmer, dass die Schuldenproblematik in den Griff zu bekommen ist, für überzogen." Insbesondere Vorschläge, nach denen der EFSF mit einem Hebel ausgestattet werden könnte, seien kaum durchsetzbar. "Insofern ist Enttäuschungspotenzial vorhanden. Vor diesem Hintergrund stehen die jüngsten Spread-Rückgänge auf tönernen Füßen." Gleichzeitig würden die Analysten nicht davon ausgehen, dass die EZB - wie von manchen erwartet - in der kommenden Woche die Zinsen senken werde. Die Teuerungsrate in der Eurozone sei noch zu hoch, außerdem habe EZB-Präsident Trichet eine solche Maßnahme nicht vorbereitet.
Dennoch hätten sich zuletzt Anzeichen einer Normalisierung gemehrt. Nicht nur Aktienmärkte hätten haussiert, auch bei Bank-Anleihen sei erstmals wieder zugegriffen worden, wie Klaus Stopp melde. Er verweise etwa auf eine ab Dezember 2019 kündbare Anleihe (ISIN XS0470937243 / WKN A1AQM0) der UniCredit Group, die plötzlich wieder nachgefragt werde. "Der mit 8,125 Prozent verzinste Bond hat sich von einem Kursniveau von unter 50 Prozent Anfang September wieder auf 68 Prozent hochgearbeitet", konkretisiere der Händler.
Die Suche nach Alternativen zu Euro-Anleihen habe sich allerdings fortgesetzt, wie die Baader Bank berichte. "Im Fokus der Privatanleger bleiben Anleihen auf Schwedische und Norwegische Kronen, Amerikanische, Australische und Neuseeländische Dollar sowie auf Türkische Lira und Südafrikanische Rand", erkläre Stopp. Gesteigerte Handelsaktivitäten habe er auch in auf Kanadische Dollar lautenden Papieren festgestellt, wobei hier die niedrigen Zinsen Anleger hätten zögern lassen. "So rentiert ein Bond (ISIN XS0577454951 / WKN A1GK1N) der niederländischen B.N.G. in Kanadischen Dollar bei einer Laufzeit bis 2016 mit nur 1,65 Prozent. Bei einer bis 2014 laufenden Anleihe (ISIN XS0447430199 / WKN A0Z1ZU) der KfW liegt die Rendite bei nur 1,05 Prozent", ergänze Stopp.
Stark unter Druck geraten sei die href="/solarworld_ag-aktie">SolarWorld-Anleihe mit Laufzeit bis 2017 und einem Kupon von 6,125 Prozent, wie Rainer Petz von Close Brothers Seydler berichte. "Anfang September wurde sie noch zu 88 Prozent gehandelt, jetzt sind es nur noch 62 Prozent. Das ergibt eine Rendite von 17,95 Prozent." Die Solarbranche stehe derzeit unter massivem Druck: Zum einen lasse die Nachfrage aus den Kernländern aufgrund der Krisenstimmung zu wünschen übrig, zum anderen mache Konkurrenz aus Asien den europäischen und US-amerikanischen Solarunternehmen schwer zu schaffen. Auch die im TecDax notierte SolarWorld-Aktie sei zuletzt eingebrochen.
Der Primärmarkt belebe sich unterdessen - zumindest ein bisschen. Rege nachgefragt werde Petz zufolge etwa eine Neuemission (ISIN FR0011124544 / WKN A1GVY7) von Peugeot, die bis 2016 laufe, einen Kupon von 6,875 Prozent aufweise und ab der kommenden Woche an der Börse Frankfurt gehandelt werden solle. Mit einer Stückelung von 1.000 Euro sei sie auch privatanlegerfreundlich. "Die Anleihe wird recht gut angenommen."
Sogar im hochverzinsten Segment würden sich Unternehmen wieder vorwagen: Gleich gut gelaufen sei etwa eine neue Hochzinsanleihe (ISIN XS0262082117 / WKN A0GV10) von HeidelbergCement. Hier liege der Kupon bei 9,5 Prozent, die Laufzeit gehe bis 2018. Allerdings betrage die Stückelung 50.000 Euro, wie Petz ergänze. (Ausgabe vom 30.09.2011) (03.10.2011/alc/a/a)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:
Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.
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| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| DE0009652644 | 965264 | 132,00 € | 124,26 € | |
Werte im Artikel
16.04.26
, Helaba
Bund-Future scheitert an 21-Tage-Linie




