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Bringen bessere Konjunkturdaten die EZB in ein Dilemma?
01.12.15 09:20
Franklin Templeton
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Lage in Europa ist derzeit recht ungewöhnlich, so die Experten von Franklin Templeton.
Insgesamt verbessere sich das wirtschaftliche Umfeld weiter, doch die EZB habe klar angedeutet, dass sie die Geldpolitik noch weiter lockern möchte, vielleicht schon im Dezember. Die höchsten Konjunkturzuwächse hätten jene Länder erlebt, die 2008 am stärksten durch die Finanz- und Staatsschuldenkrise erschüttert worden seien.
So habe beispielsweise Irland seine Position als "Star" der europäischen Wirtschaft zurückerlangt - die Europäische Kommission prognostiziere für das Land ein BIP-Wachstum von mehr als 6% im laufenden Jahr. Auch Spanien schneide mit einem annualisierten Wachstum von 3,4% im dritten Quartal ausgezeichnet ab, und selbst die italienische Wirtschaft gebe wieder Lebenszeichen von sich. Die Einkaufsmanagerindices für das Verarbeitende Gewerbe dieser drei Länder hätten im Oktober durchweg eine zunehmende Dynamik gezeigt.
Ebenso würden Umfragen die fortschreitende Verbesserung in der Eurozone als Ganzes belegen. Die Arbeitslosenquote der Region habe im September 2015 mit 10,8% beinahe ein Vierjahrestief erreicht. Und der von Markit erstellte Gesamt-PMI für die Eurozone sei im Oktober auf 53,9 Punkte gestiegen. Damit habe der Index einen der höchsten Werte der letzten vier Jahre erreicht - deutlich über der 50-Punkte-Marke, die über Auf- oder Abschwung entscheide.
Zudem hätten eigene Daten der EZB eine Verbesserung der Kreditbedingungen gezeigt. Die eng definierte Geldmenge M1, bestehend aus Bargeld und Sichteinlagen, die mitunter als Indikator für die kurzfristigen Ausgaben gelte, sei im September mit einer hohen Jahresrate von 11,7% gestiegen. Die Entscheidung der EZB im März, im Rahmen eines Pakets zur quantitativen Lockerung mit einem Gesamtvolumen von 1,1 Bio. Euro pro Monat hauptsächlich Staatsanleihen im Volumen von 60 Mrd. Euro aufzukaufen, habe zu einer Auflockerung des Kreditmarkts durch niedrigere Zinsen geführt, auch wenn das Ausmaß dieser Verbesserung auf kurze Sicht enttäuschend erscheinen möge.
Ebenso habe die EZB dazu beigetragen, die Kreditkosten von Staaten zu verringern, denn die Renditen für Staatsanleihen seien auf Rekordtiefstände gefallen. Ende Oktober hätten die Zinsen für zweijährige Papiere in fast allen Mitgliedsstaaten der Eurozone unter null Prozent gelegen, sodass Anleger im Prinzip Geld verlieren würden, wenn sie diese halten würden.
Mit 10,8% sei die Arbeitslosenquote aber immer noch hoch, und die PMI-Indices würden lediglich das "stetige, aber immer noch etwas schwache" Wachstum der Region bestätigen. Die Europäische Kommission habe mit ihrer Wachstumsprognose für die Eurozone von 1,6% für das laufende und von 1,8% für das kommende Jahr ähnliche Töne angeschlagen. Allerdings seien die Auftragseingänge in der deutschen Produktion im September aufgrund einer schwächeren Auslandsnachfrage unerwartet um 1,7% gefallen, was den dritten Monat mit Rückgängen in Folge bedeutet habe.
Zudem gebe es immer noch keinerlei Anzeichen für einen Anstieg der Inflationsraten. Im Oktober hätten sich die Preise in der Eurozone laut Eurostat unverändert gezeigt, was im Vergleich zum Vormonat, in dem sie um annualisiert 0,1% zurückgegangen seien, eine leichte Verbesserung darstelle.
Die Kerninflation (ohne Lebensmittel und Energie) habe im Oktober 1% betragen (September: 0,9%). Damit habe sie weiter deutlich unter dem EZB-Zielwert von knapp unter 2% gelegen. Die niedrige Inflation sei, in Kombination mit schwachen Inflationserwartungen und einer nach wie vor schwachen Konjunktur, der Grund dafür, dass die Märkte immer noch erwarten würden, dass die EZB ein weiteres geldpolitisches Stützungspaket vorbereiten werde.
Allerdings bringe die Verbesserung der Lage in der Eurozone die EZB nach Ansicht der Experten in ein Dilemma, zumal der Euro abgewertet habe, nachdem die Märkte wieder von einer baldigen Zinserhöhung durch die FED ausgegangen seien. Nachdem die Gemeinschaftswährung während der Marktvolatilität in diesem Sommer zugelegt habe, habe sie im Oktober Verluste gegenüber dem US-Dollar verzeichnet, wovon die Exporteure in der Eurozone profitiert hätten. Trotzdem seien die Experten der Meinung, dass sich die insgesamt schwächeren Aussichten für das globale Wirtschaftswachstum als ausschlaggebend für eine Entscheidung der EZB erweisen könnten, ihre Geldpolitik weiter zu lockern, um eine anhaltende Erholung in der Eurozone zu stützen. (Ausgabe November 2015) (01.12.2015/alc/a/a)
Insgesamt verbessere sich das wirtschaftliche Umfeld weiter, doch die EZB habe klar angedeutet, dass sie die Geldpolitik noch weiter lockern möchte, vielleicht schon im Dezember. Die höchsten Konjunkturzuwächse hätten jene Länder erlebt, die 2008 am stärksten durch die Finanz- und Staatsschuldenkrise erschüttert worden seien.
So habe beispielsweise Irland seine Position als "Star" der europäischen Wirtschaft zurückerlangt - die Europäische Kommission prognostiziere für das Land ein BIP-Wachstum von mehr als 6% im laufenden Jahr. Auch Spanien schneide mit einem annualisierten Wachstum von 3,4% im dritten Quartal ausgezeichnet ab, und selbst die italienische Wirtschaft gebe wieder Lebenszeichen von sich. Die Einkaufsmanagerindices für das Verarbeitende Gewerbe dieser drei Länder hätten im Oktober durchweg eine zunehmende Dynamik gezeigt.
Ebenso würden Umfragen die fortschreitende Verbesserung in der Eurozone als Ganzes belegen. Die Arbeitslosenquote der Region habe im September 2015 mit 10,8% beinahe ein Vierjahrestief erreicht. Und der von Markit erstellte Gesamt-PMI für die Eurozone sei im Oktober auf 53,9 Punkte gestiegen. Damit habe der Index einen der höchsten Werte der letzten vier Jahre erreicht - deutlich über der 50-Punkte-Marke, die über Auf- oder Abschwung entscheide.
Ebenso habe die EZB dazu beigetragen, die Kreditkosten von Staaten zu verringern, denn die Renditen für Staatsanleihen seien auf Rekordtiefstände gefallen. Ende Oktober hätten die Zinsen für zweijährige Papiere in fast allen Mitgliedsstaaten der Eurozone unter null Prozent gelegen, sodass Anleger im Prinzip Geld verlieren würden, wenn sie diese halten würden.
Mit 10,8% sei die Arbeitslosenquote aber immer noch hoch, und die PMI-Indices würden lediglich das "stetige, aber immer noch etwas schwache" Wachstum der Region bestätigen. Die Europäische Kommission habe mit ihrer Wachstumsprognose für die Eurozone von 1,6% für das laufende und von 1,8% für das kommende Jahr ähnliche Töne angeschlagen. Allerdings seien die Auftragseingänge in der deutschen Produktion im September aufgrund einer schwächeren Auslandsnachfrage unerwartet um 1,7% gefallen, was den dritten Monat mit Rückgängen in Folge bedeutet habe.
Zudem gebe es immer noch keinerlei Anzeichen für einen Anstieg der Inflationsraten. Im Oktober hätten sich die Preise in der Eurozone laut Eurostat unverändert gezeigt, was im Vergleich zum Vormonat, in dem sie um annualisiert 0,1% zurückgegangen seien, eine leichte Verbesserung darstelle.
Die Kerninflation (ohne Lebensmittel und Energie) habe im Oktober 1% betragen (September: 0,9%). Damit habe sie weiter deutlich unter dem EZB-Zielwert von knapp unter 2% gelegen. Die niedrige Inflation sei, in Kombination mit schwachen Inflationserwartungen und einer nach wie vor schwachen Konjunktur, der Grund dafür, dass die Märkte immer noch erwarten würden, dass die EZB ein weiteres geldpolitisches Stützungspaket vorbereiten werde.
Allerdings bringe die Verbesserung der Lage in der Eurozone die EZB nach Ansicht der Experten in ein Dilemma, zumal der Euro abgewertet habe, nachdem die Märkte wieder von einer baldigen Zinserhöhung durch die FED ausgegangen seien. Nachdem die Gemeinschaftswährung während der Marktvolatilität in diesem Sommer zugelegt habe, habe sie im Oktober Verluste gegenüber dem US-Dollar verzeichnet, wovon die Exporteure in der Eurozone profitiert hätten. Trotzdem seien die Experten der Meinung, dass sich die insgesamt schwächeren Aussichten für das globale Wirtschaftswachstum als ausschlaggebend für eine Entscheidung der EZB erweisen könnten, ihre Geldpolitik weiter zu lockern, um eine anhaltende Erholung in der Eurozone zu stützen. (Ausgabe November 2015) (01.12.2015/alc/a/a)


